Dialyse: Forschungsprojekt „Dialycycle“ untersucht erstmals Recycling von Einwegprodukten22. Juni 2026 Foto: © DOC RABE Media/stock.adobe.com Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation ist Projektpartner im Forschungs- und Entwicklungsprojekt „Dialycycle“. Ziel ist die Entwicklung und Erprobung einer ganzheitlichen Prozesskette für das Recycling von Kunststoff-Einwegprodukten bei der Dialyse. Hintergrund des Projekts sind die großen ungenutzten Abfallmengen. Diese entstehen speziell bei der Hämodialyse, aber auch generell im medizinischen Bereich. Pro Dialyse fallen mindestens 2,5 Kilogramm kunststoffbasierter Abfälle an, ein Wertstoff, der (noch) verbrannt wird. In Deutschland summiert sich dies auf rund 35.000 Tonnen pro Jahr, erklärt das KfH. Ziel von „Dialycycle“ sei es, erstmals eine durchgängige, praxisnahe Prozesskette für das werkstoffliche Recycling von kunststoffbasierten Dialyse-Einwegprodukten zu entwickeln und zu erproben. Damit will man die bisher übliche Verbrennung ablösen. Durch den Einsatz der gewonnenen Rezyklate ließen sich bis zu 50 Prozent der CO₂-Emissionen einsparen,. Diese machen die Dialysebehandlungen und besonders deren Einwegprodukte derzeit noch zu einem der größten medizinischen CO2-Emittenten, heißt es weiter. Somit verfolge das Projekt eine ganz zentrale ökologische Herausforderung im Gesundheitswesen. Darüber hinaus habe das Projekt das Potenzial, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zur Kunststoffproduktion zu senken. Projektbeteiligung des KfH Das KfH bringt seine Expertise nach eigenen Angaben insbesondere in den Bereichen Stoffstromanalyse, Abfallerfassung und verwertungsoptimierte Sammellogistik ein. Diese Kompetenz habe bereits heute im Bereich der Umverpackungen zu einer Recycling-Quote von 95 Prozent geführt. In ausgewählten KfH-Nierenzentren sollen jetzt auch die klinischen Materialströme analysiert und neue Konzepte für eine recyclinggerechte Desinfektion und Sammlung medizinischer Kunststoffabfälle entwickelt und praktisch erprobt werden, informiert der Verein. Am Ende der Projektlaufzeit soll neben technischen Demonstratoren vor allem ein wirtschaftlich tragfähiges und übertragbares Geschäftsmodell vorliegen. Dieses soll perspektivisch auf weitere Dialyse- und andere medizinische Einrichtungen ausgeweitet werden. „Das KfH leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft im Gesundheitswesen und zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks der Dialyseversorgung“, betont Prof. Joachim Beige vom KfH. Um diese Ziele zu erreichen, sei es notwendig, die erwarteten Projektergebnisse derart zu nutzen, dass der angestrebte Aufarbeitungs-Wertstoffstrom zum industriellen Standard wird. Umgang mit kontaminierten Abfällen Das Projekt widme sich deshalb auch den bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für den Umgang mit kontaminierten medizinischen Abfällen. Diese sind in der Praxis komplex und erfordern bei Recyclingvorhaben häufig individuelle, abfallspezifische Genehmigungen, die mit entsprechendem Zeit- und Ressourceneinsatz verbunden sind, so das KfH. Im Rahmen des Projekts sollen daher zusätzliche Praxiserfahrungen und Erkenntnisse gesammelt werden. Diese könnten dazu beitragen, bestehende Verfahren besser zu verstehen und perspektivisch Ansatzpunkte für eine Weiterentwicklung etablierter Regelungen – stets unter Wahrung hoher Sicherheits- und Umweltstandards – aufzuzeigen, heißt es in der Pressemitteilung. Hintergrundinformation zum Projekt Das Kuratorium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat am 3. April den Förderantrag für das Projekt bewilligt. Das Projekt startet am 1. Juni 2026 mit einer Laufzeit von 36 Monate. Das Verbundprojekt „Dialycycle“ koordiniert Circular MTC aus Chemnitz. Der Verein hat nach eigenen Angaben die systematische Transformation zu einer kreislaufgeführten Wirtschaft sowie die nachhaltige Gestaltung von Produktions- und Verwertungskreisläufen zum Ziel. So stehen neben der Entwicklung von Werkstoffen, Produkten und Verfahren unter Berücksichtigung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Besonders auch der Know-how-Transfer und die Implementierung von nachhaltigen Geschäftsmodellen im Fokus. Weitere Projektpartner sind die PHV – Der Dialysepartner Patienten Heimversorgung Gemeinnützige Stiftung / Bad Homburg, die BEOS Polymer GmbH / Döbeln OT Markritz, die PolyM Manufaktur GmbH / Eppendorf sowie die Gerflor Mipolam GmbH, Troisdorf. Als assoziierter Partner ist zudem die REMONDIS Medison GmbH / Lünen beteiligt.
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