Diclofenac wird trotz Warnung noch immer häufig an Risikopatienten verschrieben14. November 2019 Bild: © Zerbor – Adobe/Stock Die Einnahme des Schmerzmittels Diclofenac kann bei Herzpatienten das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich erhöhen. Schon vor sechs Jahren gab es eine offizielle Warnung. Trotzdem erhalten zahlreiche Risikopatienten weiterhin das Schmerzmittel. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in einer aktuellen Studie, die vor Kurzem im “Journal of Internal Medicine” (JIM) erschienen ist. Bereits im Jahr 2013 warnte ein Rote-Hand-Brief die deutsche Ärzteschaft, dass Diclofenac bei bestimmten Patientengruppen nicht mehr verschrieben werden sollte. Hierzu zählen zum Beispiel Patienten mit bestehender Herzinsuffizienz, ischämischer Herzerkrankung oder zerebrovaskulären Erkrankungen. Ein ähnliches Risikoprofil wie Diclofenac zeigte ein Präparat namens Vioxx (Wirkstoff Rofecoxib), das zu zahlreichen kardiovaskulären Todesfällen geführt hat und deshalb im Jahr 2004 vom Markt genommen wurde. Warnung verhallt Auf Basis von Krankenkassendaten untersuchte das BIPS-Team das Verordnungsverhalten zu Diclofenac vor und nach dem Rote-Hand-Brief aus dem Jahr 2013. Zwar zeigte sich, dass 2014 im Vergleich zu 2011 absolut gesehen deutlich weniger Diclofenac erstmalig verschrieben wurde. So erhielten 2014 von den über 10 Millionen untersuchten Personen 30 Prozent weniger erstmalig Diclofenac als im Jahr 2011. Allerdings hatten im Jahr 2014 trotzdem 12 Prozent der Personen mit Diclofenac-Verordnung eine kardiovaskuläre Kontraindikation – genauso viele wie 2011. „Der Rückgang der Diclofenac-Verordnungen scheint also ein allgemeiner Trend gewesen zu sein und hat sich auf die Risikogruppen nicht im Speziellen ausgewirkt. Die neuen Kontraindikationen spiegeln sich im Verschreibungsverhalten nicht wirklich wider“, sagt Studienerstautor Oliver Scholle vom BIPS. „Wir planen weitere Analysen mit noch aktuelleren Daten, aber wir gehen nicht davon aus, dass sich ohne weitere Maßnahmen etwas am Verschreibungsverhalten geändert hat. Man muss davon ausgehen, dass es aufgrund dieser Verordnungen zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kam, die vermeidbar gewesen wären, denn es gibt sicherere Alternativen zu Diclofenac“, ergänzt Prof. Ulrike Haug, Letztautorin der Studie und Leiterin der Abteilung Klinische Epidemiologie am BIPS. Sie fügt an: „Mehr Aufklärung in Arztpraxen zu den Risiken von Diclofenac – auch bei kurzzeitiger Einnahme und niedrigerer Dosis – erscheint dringend notwendig, ebenso wie Studien, die untersuchen, wie das Verordnungsverhalten in Risikogruppen nachhaltig beeinflusst werden kann.“ Publikation: Scholle O, Kollhorst B, Haug U. Are prescribers not aware of cardiovascular contraindications for diclofenac? A claims data analysis. Journal of Internal Medicine. 2019; (Epub 2019 Nov 11th). https://doi.org/10.1111/joim.12990
Mehr erfahren zu: "Können Smartwatches die übliche Blutdruckmessung ersetzen?" Können Smartwatches die übliche Blutdruckmessung ersetzen? Smartwatches und Wearables tracken schon lange nicht mehr nur die tägliche Schrittzahl. Ob Schlaf, Herzparameter, oder die Sauerstoffsättigung – die erhobenen Daten werden immer umfangreicher. Über die Vor- und Nachteile […]
Mehr erfahren zu: "Herausragende Forschung: Kardiologe Holger Thiele doppelt ausgezeichnet" Herausragende Forschung: Kardiologe Holger Thiele doppelt ausgezeichnet Prof. Holger Thiele wird 2026 gleich doppelt geehrt: mit dem Paul-Morawitz-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und mit dem ACVC Lifetime Research Award in Memory of Magda Heras.
Mehr erfahren zu: "Diskussion um Zuckersteuer: Mit Süßstoffen vom Regen in die Traufe?" Diskussion um Zuckersteuer: Mit Süßstoffen vom Regen in die Traufe? Die Diskussion um eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke nimmt Fahrt auf. Dass Süßstoffe aus kardiologischer Sicht nicht die beste Alternative sind, berichtete Dr. Marco Witkowski bei der 92. DGK-Jahrestagung in […]