Die Bedeutung des Lebensstils für die CAR-T-Zelltherapie bei Krebs

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Neue Studien zur CAR-T-Zelltherapie gegen bestimmte Formen von Blut- und Lymphdrüsenkrebs zeigen, dass Patienten, die besonders profitierten, überraschenderweise mehr Fett zwischen den Bauchorganen hatten und zusätzlich mehr Muskelmasse. Außerdem ernährten sie sich gesund. „Die CAR-T-Zelltherapie erfordert deshalb ein ganzheitliches Programm für die Patientinnen und Patienten“, sagt Prof. Marion Subklewe, Leiterin des CAR-T-Programms der Medizinischen Klinik III des LMU Klinikums.

Ob und wie gut CAR T-Zellen gegen den Tumor kämpfen, hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von bestimmten Mutationen in den Tumorzellen oder biologischen Eigenschaften der CAR-T-Zellen. „Aber offenbar auch von gewissen körperlichen Gegebenheiten der Patientinnen und Patienten“, erklärt Dr. Kai Rejeski, mit Dr. David Cordas dos Santos Ko-Erstautor einer neuen Studie eines Teams um Subklewe und Prof. Sebastian Theurich.

Für ihre Studie werteten die Forschenden die Daten von über 100 Lymphom-Patienten aus, die am LMU Klinikum und am Moffitt Cancer Center in Tampa, USA, mit einer CAR-T-Zelltherapie behandelt wurden. Sie alle wurden vor Start der Therapie routinemäßig mit einem (PET-)CT durchleuchtet. Anhand der CT-Bilder konnten die Forschenden exakt bestimmen, wie sich im Körper das Fett verteilte und wie viel Muskelmasse vorhanden war. Darüber hinaus ermittelte das Team einen Indikator für den Ernährungszustand, der sich u.a. aus Entzündungswerten wie CRP und dem Proteingehalt im Blut berechnet. Alle Faktoren wurden dahingehend analysiert, ob und wie stark sie mit dem Therapieerfolg zusammenhängen.

Die Resultate

– Patienten mit kompakt-robuster Körperstatur mit nicht zu wenig Muskulatur und ordentlich Körperfett um den Bauch – idealisiert vergleichbar beispielsweise mit der Figur eines Sumo-Ringers – und mit niedrigem CRP und einem guten Ernährungszustand hatten in dieser Studie die besten Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang der CAR-T-Zell-Therapie. Mithin der/die rustikale Patient/in, der/die täglich ihre drei Kilometer geht oder im Garten arbeitet, trotzdem gut isst und einige körperliche Reserven hat, wie Rejeski sagt.
– Patienten von der Statur eines Marathonläufers – wenig Speck am Bauch, aber mit ordentlich vorhandener Muskelmasse – lagen im Mittelfeld, was den Erfolg der Behandlung betraf.
– Und sehr schlanke, ausgehungert erscheinende Patienten mit wenig Bauchfett und Muskelschwund schnitten am schlechtesten ab.

Die Ergebnisse der Studie betonen, dass Bewegung und Ernährung mit den entsprechenden körperlichen Reserven auch für moderne Therapien wie die CAR-T-Zelltherapie wichtig sind. Insbesondere Patienten unter laufender Chemotherapie sollten darauf achten, dass sie Therapiepausen für moderate Bewegung nutzen und kein Gewicht verlieren – mit guter und ausgewogener Kost.

Letzteres umso mehr im Lichte einer anderen Studie, an der die Ärzte um Subklewe beteiligt waren. Ko-Erstautorin Dr. Viktoria Blumenberg und ihre Kollegen werteten die Daten von über 170 Lymphom-Patienten aus, die in Deutschland und den USA mit einer CAR-T-Zelltherapie behandelt wurden. Vorrangig ging es um individuelle Analyse des Mikrobioms im Darm der Patienten und wie es Symptomatik und Überleben beeinflusst.

Die Ergebnisse

– Patienten mit vorheriger Breitband-Antibiotika-Behandlung sprachen deutlich schlechter auf die CAR-T-Zelltherapie an und überlebten nicht so lange wie Studienteilnehmende ohne Antibiotika-Therapie.
– Analysiert man mit Hilfe moderner Methoden der KI nur die Patienten ohne vorherige Antibiotika-Behandlung, zeigt sich, wie wichtig ein ausgewogenes Mikrobiom für den Erfolg der CAR-T-Zelltherapie ist. Konkret sind Bakterien der Gattungen Bacteroides, Ruminococcus, Eubacterium und Akkermansia im Darmmikrobiom bei Lymphompatienten mit einem Ansprechen auf eine CAR-T-Zelltherapie assoziiert, vor allem nach Monat sechs. „Das ist deshalb wichtig“, sagt Blumenberg, “weil nach allem Wissen nur noch wenige Patientinnen und Patienten sechs Monate nach einer CAR-T-Zelltherapie noch einen Rückfall erleiden.“

Was bedeuten die neuen Erkenntnisse?

„Es bedeutet auf jeden Fall, dass wir im Rahmen einer CAR-T-Zelltherapie Ansatzpunkte für Interventionen haben“, so Subklewe. „Denn der Lebensstil hat einen hochrelevanten Einfluss darauf, wie die Patientinnen und Patienten auf die Therapie ansprechen.“

Und Rejeski ergänzt „In diesem Sinne sollten wir früh ansetzen und bereits bei der Erstdiagnose eines Tumors ganzheitlich denken und Bewegungs- und Physiotherapie, Ernährungsberatung und psychoonkologische Begleitung in unsere Therapiekonzepte integrieren.“

„Dazu müssen wir noch forschen, um zu verstehen, wie sich die Bakterien-Stämme, die wir identifiziert haben, auf das Immunsystem und auf den Effekt einer CAR-T-Zelltherapie auswirken und welche Faktoren ihr Vorhandensein bedingen“, führt Viktoria Blumenberg aus. „Perspektivisch könnte das den Weg für bestimmte Diäten oder einen bakteriellen Transfer etwa durch eine Stuhltransplantation bahnen.“