Die ePA soll leichter zugänglich und nützlicher werden

Foto: Andrea Gaitanides/stock.adobe.com

Als Teil der Digitalisierungsstrategie will Gesundheitsministerin Nina Warken die elektronische Patientenakte (ePA) mit Anwendungen attraktiver machen. Vertreter von Kassen und Kliniken äußerten sich positiv.

Die bisher spärlich genutzte ePA soll nach Plänen von Gesundheitsministerin Warken für Versicherte leichter zugänglich und nützlicher werden. Die nächsten Ziele: niedrigere Hürden beim Einloggen, digitale Hilfen bei der Gabe von Arzneien und Terminerinnerungen für Versicherte. Dies ist Teil einer „Digitalisierungsstrategie für das Gesundheitswesen und die Pflege“, die die CDU-Politikerin in Berlin vorstellte.

Die ePA wurde für die allermeisten der gut 74 Millionen gesetzlich Versicherten zwar schon vor mehr als einem Jahr angelegt. Seit Oktober ist es für Ärztinnen und Ärzte verpflichtend, wichtige Daten einzutragen. Laut Gesundheitsministerium nutzen bisher aber nur vier Millionen Versicherte die Patientenakte aktiv. Nach Warkens Plänen sollen es bis 2030 rund 20 Millionen sein.

ePA bisher vorwiegend für Kranke praktisch

„Bislang ist es ja so, dass die ePA besonders Sinn macht für Patientinnen und Patienten mit einer Krankheitsgeschichte, zum Beispiel mit vielen Befunden und Arztbesuchen“, erklärte Warken. „Wir wollen aber auch die aktive Nutzung der ePA für alle haben, wir wollen sie für alle Versicherten attraktiv machen.“ Dazu brauche es weitere Anwendungen mit einem konkreten Mehrwert.

Als Beispiel nannte sie die „digitale Ersteinschätzung“, die künftig der Schlüssel beim Zugang zum Facharzt werden soll: Per App könnten sich zum Beispiel Versicherte selbst durch einen Fragebogen klicken, die Info könnte in der Patientenakte hinterlegt werden. Danach wäre die Buchung eines Arzttermins möglich.

AOK: ePA als Dreh- und Angelpunkt der Versorgung

Vertreter der Gesetzliche Krankenkassen bewerten Warkens Pläne positiv. Der Ausbau der ePA sei der „richtige Weg“, erklärte etwa der der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Jens Martin Hoyer. Er betonte: „Die elektronische Patientenakte sollte zum Dreh- und Angelpunkt der Versorgung werden. Das ist auch im Hinblick auf die geplante Einführung eines Primärversorgungssystems ein vielversprechender Ansatz.“

Hoyer hält es für „dringend notwendig“ Zugangshürden für Versicherte abzubauen. Seiner Ansicht nach könnten Warkens Pläne, das Authentifizierungsverfahren nachzubessern, „der Akzeptanz einen entscheidenden Schub“ geben könnten.

DKG und AOK begrüßen Stärkung der Gematik

Dass – gerade im Hinblick auf die Telematikinfrastruktur (TI) – die Technik im Hintergrund nicht immer rund läuft ist der Gesundheitsministerin durchaus bewusst. Bei der Vorstellung der Digitalisierungsstrategie erklärte sie, dass technische Stabilität durch weniger Komponenten und damit weniger Komplexität erreicht werden solle. Dafür werde die Gematik als verantwortliche Stelle für die Telematikinfrastruktur gestärkt. Die Gematik soll „mehr Zugriffsrechte erhalten und klare Vorgaben machen können – auch an die Betreiber von Diensten“, betonte Warken.

AOK-Vertreter Hoyer hält die Stärkung der Gematik für sinnvoll und erklärte, er sei „gespannt auf die Details“. In seinem Statement nutzte er auch die Gelegenheit, mehr Mitbestimmung in der Gematik-Gesellschafterversammlung und mehr Gesellschaftsanteile an der Gematik für den Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zu fordern. Seine Begründung: „Wer bezahlt, muss auch mitbestimmen dürfen. Bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sind das im Wesentlichen die Beitragszahlenden der GKV.“ Die Mehrheitsverhältnisse bei der Gematik spiegelten das aktuell nicht wider.

DKG mit Blick auf die ePA: „In der Notfallversorgung muss Digitalisierung für alle funktionieren“

Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) äußerte sich positiv zur geplanten Digitalisierungsstrategie und zu mehr Durchgriffsrechten für die Gematik. In einem schriftlichen Statement forderte Prof. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, allerdings, Krankenhäuser „verbindlich und kontinuierlich“ in die Umsetzung der Strategie einzubinden. Sie bemängelte außerdem, dass die Digitalisierungsstrategie „keinerlei Aussagen zur Finanzierung“ enthalte. Das beeinträchtige die Planungssicherheit für Kliniken.

Neumeyer forderte Lösungen „entlang der realen Workflows im Gesundheitswesen“ und betonte mit Blick auf die noch mangelnde Akzeptanz der ePA bei den Versicherten: „Besonders in der Notfallversorgung muss Digitalisierung für alle funktionieren: Da nicht alle Patientinnen und Patienten über eine ePA verfügen, brauchen wir verlässliche, praxistaugliche Lösungen für Identifikation, Zugriff und Informationsweitergabe – sektorenübergreifend und rund um die Uhr.“

KI-gestützte Dokumentation soll Fachkräfte entlasten

Die Digitalisierungsstrategie soll auch einen Rahmen setzen, wie Künstliche Intelligenz die Behandlung von Krankheiten verbessern und Gesundheitspersonal unterstützen soll. Stichwort ist dabei KI-gestützte Dokumentation. Sie soll die Fachkräfte von Papierkram entlasten. Warkens Ziel: „Bis 2028 zielt die weiterentwickelte Strategie daher auf eine aktive Nutzung KI-gestützter Dokumentation in über 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen.“

Weiterer Punkt ist die gezielte Nutzung von Gesundheitsdaten aus den elektronischen Patientenakten zur Forschung. Dafür wurde im vergangenen Jahr das Forschungsdatenzentrum Gesundheit gegründet. Allein bis Ende dieses Jahres sollen dazu schon 300 Forschungsvorhaben angestoßen oder gestartet werden. (ja/BIERMANN mit dpa)