“Die Roboter-Technologie hat durch die Krise einen Dämpfer erhalten”18. August 2020 DGU-Präsident Jens Rassweiler. Foto: Bertram Solcher / DGU Wie steht es um die Entwicklung der Operationsroboter in der Corona-Krise? Nach Ansicht von Prof. Jens Rassweiler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU), hat die Pandemie auch diese Industrie zurückgeworfen. Doch der Technik-Pionier ist zuversichtlich, dass sie sich schnell wieder erholen wird. Wir erinnern uns: Beim 70. DGU-Kongress 2018 wurde die große Zukunft des OP-Roboters beschworen, und Prof. Jens-Uwe Stolzenburg aus Leipzig stellte mehrere Systeme vor, die dem inzwischen fast schon allgegenwärtigen “DaVinci” von Intuitive Surgical aus den USA Paroli bieten sollte, darunter der von ihm selbst mitentwickelte “deutsche Roboter” namens “Avatera”. Jetzt sind fast zwei Jahre vergangen, SARS-CoV-2 hat die Welt im Griff und der DGU-Kongress musste ins (Corona-)virenfreie Internet weichen. Rassweiler hatte, ohne es ahnen zu können, mit dem Motto “Es ist Zeit” den Nagel auf den Kopf getroffen, denn die Corona-Krise zwang zur Nutzung digitaler Technologien auf dem Stand, wie sie sind. Videokonferenzen guter Qualität gehören bereits dazu. Aber eben noch nicht eine weit verbreitete Roboter-Technologie abseits von DaVinci. Kliniken haben aktuell andere Probleme “Die Roboter-Technologie hat durch die Krise einen Dämpfer erhalten”, sagte der Klinikdirektor aus Heilbronn, der sich sein Leben lang für die Verbesserung von Operationsmethoden eingesetzt hat, gegenüber den Urologischen Nachrichten. “Zum einen wären einige Firmen, die neue Roboter entwickelt haben, jetzt längst auf dem Markt, zum anderen haben die Kliniken jetzt andere Probleme, als sich einen Roboter zu kaufen.” Auch, was intelligente Technik im OP betrifft, war und ist die Corona-Krise “nicht gerade eine Experimentierphase”, so Rassweiler. “Viele haben aber in den vergangenen Monaten gesagt: ‘Das ist ja alles nett, aber ich kann ohnehin nur bedingt operieren, ich wende jetzt das an, was ich gerade verwenden kann, wie etwa die Tele-Sprechstunde, um meine OP-Zeit gut zu nutzen.“ Der vernetzte und voll integrierte Operationssaal ist da erst einmal nicht die höchste Priorität. Fortsetzung folgt Doch der DGU-Präsident ist optimistisch und glaubt, dass sich die Situation erholen und sich “die Entwicklung dieser neuen Technologien fortsetzen” wird. Abgesehen von der Verzögerung sieht er bei der Digitalisierung “keine so starke generelle Veränderung durch die Krise”. Aus seiner eigenen Arbeit berichtet er: “Wir haben auch mit unserem URS-Roboter sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht.” . Es gebe viele Ideen, die kurz vor der klinischen Anwendung stehen, und “gewisse Firmen haben sich auch schon dafür interessiert gezeigt”. Das Thema Robotik wird auf dem DGU-Kongress besonders am Samstag, 26.09.2020, im Abschlussplenum behandelt. Dort hält zum Beispiel Prof. Dogu Teber aus Karlsruhe den Vortrag “Robot meets Robot – die Zukunft der Chirurgie”, und Rassweilers gewählter Nachfolger im Amt, Prof. Arnulf Stenzl aus Tübingen, redet über “Intraoperative Medizintechnik”. (ms)
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