Die Bedeutung der Augenuntersuchung für die NAKO-Gesundheitsstudie17. April 2019 Zur NAKO-Augenuntersuchung gehören auch Fundusfotografien, die beispielsweise auf das Vorliegen eines Diabetes und möglicherweise schon eingetretene Folgeschäden an der Netzhaut (Beispielbild diabetische Retinopathie) hinweisen können. Foto: (c) BVA/Busse Die NAKO Gesundheitsstudie (NAKO) ist die größte Kohortenstudie, die bisher in Deutschland eine Augenuntersuchung durchführt. Sie ermöglicht es, die bisher unzureichend erforschten Zusammenhänge zwischen Veränderungen der Netzhaut und einer Reihe von Volkskrankheiten genauer zu untersuchen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Während der Augenuntersuchung der NAKO werden innerhalb von zehn bis 15 Minuten an beiden Augen die Sehschärfe der Teilnehmenden getestet und Fotos des zentralen Augenhintergrundes (Fundusfotografie) angefertigt. Die Bilder des Augenhintergrundes und die Sehschärfeergebnisse eines jeden Teilnehmers aus allen 18 NAKO-Studienzentren werden zentral in Heidelberg gesammelt und über eine sichere Verbindung nach Tübingen in das dortige Eye Reading Center übertragen. Hier werden die Bilder auf Auffälligkeiten hin untersucht. Erfassen und Verlauf von Augenerkrankungen des zentralen hinteren Augenabschnittes Durch diese spezielle Untersuchung können Augenerkrankungen des zentralen hinteren Augenabschnittes erfasst werden. “Dazu gehören”, so Prof. Marius Ueffing, Leiter des Kompetenzmoduls Auge der NAKO, “häufige Netzhauterkrankungen, wie die altersabhängige Makuladegeneration und die diabetische Retinopathie und erbliche seltene Netzhauterkrankungen.” Darüber hinaus wurden bereits einzelne Tumoren im Augenhintergrund entdeckt. “Die Betroffenen bemerken diese – je nach Lokalisation – meist relativ spät, sodass eine frühzeitige Diagnose in der Regel bessere Behandlungsoptionen ermöglicht”, erläutert Ueffing. Einige Augenerkrankungen, wie zum Beispiel das Glaukom sind aber durch 2-D-Aufnahmen nur schwer oder gar nicht erkennbar. “Daher”, so betont Augenärztin Dr. Alexandra Schweig, die das Tübinger Reading Center koordiniert, “kann beziehungsweise will die Augenuntersuchung der NAKO niemals den Besuch bei einem Augenarzt ersetzen.” Gefäßveränderungen des Augenhintergrundes als Marker für Systemerkrankungen Die Fotos des zentralen Augenhintergrundes können nicht nur Augenerkrankungen sichtbar machen, sondern auch Gefäßveränderungen aufzeigen, die auf Systemerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen hinweisen. Veränderungen am Augenhintergrund können langsam über Jahrzehnte hinweg fortschreiten, ohne dass der Betroffene sie bemerkt. Erste Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass diese Veränderungen als frühe Marker für Diabetes und Schlaganfallrisiko dienen können. Die Zweituntersuchung der NAKO nach circa vier Jahren ermöglicht es, den Verlauf dieser langsam fortschreitenden Veränderungen zu erfassen. “Hier können wir relativ früh, bevor jemand zum Arzt geht, bei Diabetes-Patienten Veränderungen sehen und untersuchen, wodurch sie beeinflusst werden”, merkt Ueffing an. Es könne auch analysiert werden, welche Parameter das Risiko für eine diabetesbedingte Netzhauterkrankung erhöhen. Darüber hinaus weisen erste Studien darauf hin, dass “Veränderungen der Gefäße des Augenhintergrundes späteren alters- und krankheitsbedingten Veränderungen der Gefäße im Gehirn vorausgehen können”, so Prof. Klaus Berger, Sprecher der Expertengruppe Neurologischer Erkrankungen in der NAKO. Dies soll anhand der Daten der NAKO in größerem Umfang untersucht werden. Wenn sich die Ergebnisse bestätigen, ließe sich durch eine Augenuntersuchung das Risiko für vaskuläre Erkrankungen des Gehirns, beispielsweise für einen Schlaganfall, besser vorhersagen. “Im Gegensatz zum direkten Nachweis im Gehirn sind Veränderungen des Gefäßsystems des Augenhintergrundes relativ einfach visualisierbar und lassen sich mit geringem Aufwand über die Zeit verfolgen”, erklärt Berger. “Eine neu ins Leben gerufene interdisziplinäre Expertengruppe”, so ergänzt Prof. Markus Löffler, Mitglied der Expertengruppe und Vorstand der NAKO, “wird diese Ergebnisse in Zukunft in Hinblick auf ihre Aussagekraft und Korrelationen zu anderen Volkskrankheiten diskutieren und auswerten”. Warum ist die Folgeuntersuchung wichtig? Eine einmalige Untersuchung mit der damit verbundenen augenärztlichen Auswertung der Netzhautfotografien im Rahmen der Basiserhebung würde die zeitlichen Veränderungen im Augenhintergrund, der Netzhaut und ihrer anliegenden Gefäßstrukturen nicht sichtbar machen. In Bezug auf die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) zeigte sich im EU-Projekt Eye-Risk (www.eyerisk.eu), dass eine Folgeuntersuchung bei einer Patientenkohorte unabdingbar ist zur Erfassung von Risiken für die Entwicklung einer AMD. “Daher ist die Folgeuntersuchung”, betont Prof. Annette Peters, Vorstandsvorsitzende der NAKO, “ein essenzieller Teil des Untersuchungsprogramms, die es ermöglichen wird, komplexe Erkrankungsverläufe und deren Ursachen zu verstehen.” Hintergrund NAKO Gesundheitsstudie: Seit 2014 werden in der NAKO Gesundheitsstudie zufällig aus den Melderegistern gezogene Männer und Frauen zwischen 20 und 69 Jahren bundesweit in 18 Studienzentren medizinisch untersucht und nach ihren Lebensumständen befragt. Ziel ist es, chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Infektionen und Depression genauer zu erforschen, um Prävention, Früherkennung und Behandlung dieser in der Bevölkerung weit verbreiteten Krankheiten zu verbessern. Das multizentrische Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, den beteiligten Ländern und der Helmholtz-Gemeinschaft gefördert. Bis Ende März 2019 haben mehr als 200.000 Personen (davon fast 29.000 an der zusätzlichen einstündigen MRT-Ganzkörperuntersuchung) an der NAKO Studie teilgenommen. Weitere Informationen unter www.nako.de. Quelle: NAKO-Gesundheitsstudie
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