Die Wahl der Infusionslösung könnte das Überleben von Intensivpatienten beeinflussen8. Dezember 2023 Symbolfoto: ©Chanintorn.v/stock.adobe.com Die Ergebnisse einer neuen Metaanalyse zeigen, dass die intravenöse Volumentherapie mit einer Vollelektrolytlösung anstelle der üblicherweise verwendeten Kochsalzlösung das Risiko eines Todes im Krankenhaus bei kritisch kranken Patienten um vier Prozent senken kann. Die Ergebnisse der BEST-Living-Studie wurden auf dem Critical Care Canada Forum (CCCF 2023) vorgestellt und gleichzeitig in „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlicht. Die Ergebnisse würden die wichtige Rolle der Flüssigkeitszufuhr bei der Behandlung von Intensivpatienten bestätigen, betont Studienleiter und Intensivmediziner Simon Finfer, Professor am George Institute for Global Health und außerordentlicher Professor an der UNSW Sydney (Australien). „Unsere Forschung zeigt, dass balancierte Infusionslösungen für die meisten Intensivpatienten eine bessere Behandlung darstellen und mit einer niedrigeren Sterblichkeitsrate verbunden sind als Kochsalzlösung“, sagt Finfer. „Auch wenn die positiven Auswirkungen vergleichsweise gering waren, können diese Erkenntnisse Klinikern helfen, sachkundigere Entscheidungen darüber zu treffen, welche intravenösen Flüssigkeiten sie für ihre Patienten auf der Intensivstation verwenden sollten, und die Chance erhöhen, dass Patienten ihre kritische Erkrankung überleben.“ Nahezu alle Patienten, die auf einer Intensivstation aufgenommen werden, benötigen im Rahmen ihrer Standardbehandlung eine intravenöse Volumensubstitution. Diese Flüssigkeiten können aus Kochsalzlösung (0,9% Natriumchlorid) oder aus balancierten kristalloiden Lösungen (Vollelektrolytlösung) bestehen, die der Zusammensetzung des menschlichen Blutes eher entsprechen. Bislang wurde jedoch in keiner Studie zwischen balancierten Lösungen und Kochsalzlösung eine statistisch signifikante Auswirkung auf die Sterblichkeit festgestellt. Eine internationale Forschergruppe erhob daher die Daten von 34.685 Patienten aus sechs klinischen Studien, die in den USA, Australien, Neuseeland und Brasilien durchgeführt wurden. In einer Metaanalyse dieser Daten fanden sie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit zu sterben um vier Prozent abnahm, wenn die Patienten eine Vollelektrolytlösung erhalten hatten. Unter diesen lag die Sterblichkeit im Krankenhaus bei 16,8 Prozent, während es bei den Patienten, die eine Kochsalzlösung infundiert bekommen hatten, 17,3 Prozent waren. Demnach könnte pro 250 behandelte Patienten etwa ein Leben gerettet werden. Außerdem benötigten 5,6 Prozent der Patienten in der balancierten Gruppe eine Nierenersatztherapie, verglichen mit 5,9 Prozent der Patienten, die Kochsalzlösung erhalten hatten. Lediglich bei der kleinen Gruppe von Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen sei das Sterberisiko unter Infusion der Vollelektrolytlösung höher gewesen als mit der Kochsalzlösung (19,1% vs. 14,7%), erläutert Naomi Hammond, außerordentliche Professorin an der medizinischen Fakultät der UNSW Sydney. „Während die Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung von balancierten Lösungen im Vergleich zu Kochsalzlösung insgesamt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer geringeren Sterblichkeit im Krankenhaus und einem geringeren Bedarf an Nierenersatztherapie verbunden ist, haben wir gesehen, dass ausgeglichene Lösungen bei Patienten mit traumatischen Hirnverletzungen wahrscheinlich die Sterblichkeit erhöhen“, sagt sie. Einschränkend gibt sie jedoch zu Bedenken: „Allerdings sind balancierte Lösungen im Allgemeinen teurer als Kochsalzlösungen, und in Situationen, in denen die Ressourcen begrenzt sind und ein größeres Preisgefälle zwischen balancierten und Kochsalzlösungen besteht, wird ein solcher Nutzen möglicherweise nicht als kosteneffektiv angesehen.“ Die unter anderem vom australischen Forschungsinstitut George Institute for Global Health finanzierte Studie BEST-Living wird künftig jährlich wiederholt, um neue geeignete Studiendaten in die Analyse einzubeziehen. (ah)
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