Die Zukunft gehört dem Roboter – auch ohne Evidenz?7. November 2018 Jens-Uwe Stolzenburg im Abschlussplenum des 70. DGU-Kongresses in Dresden. Foto: Schmitz Den roboterassistierten Operationstechniken gehört die Zukunft – darüber waren sich die Experten beim 70. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) Ende September einig. Differenzen gibt es noch bei der Einschätzung, wie stark die Roboter-Techniken offene Verfahren verdrängen werden und welche Bedeutung die evidenzbasierte Medizin in diesem Bereich hat. Klar wurde auch, dass das Monopol des DaVinci-Roboters bald vorbei sein wird. Für Prof. Klaus-Peter Jünemann, Kiel, ist jetzt schon klar: „Die Robotik wird die offene Operation verdrängen, und zwar vollständig.“ Der OP-Roboter werde sich als disruptive Innovation durchsetzen, denn „die Patienten werden mit den Füßen abstimmen“, sagte der Modarator des Forums “Roboterassistierte OP-Techniken: Morgen” am 29.09.2018. Dr. Jörn H. Witt aus Gronau, der ebenfalls das Forum moderierte, zeigte sich überzeugt: „Das gute Werkzeug setzt sich deswegen durch, weil es gut ist – Punkt.“ Welchen Platz hat da noch die evidenzbasierte Medizin (EBM), die sich auf randomisiert-kontrollierte Studien beruft? Jünemann und Witt hoben hervor, dass solche Studien bei operativen Verfahren schwer durchführbar sind. Prof. Jens Uwe Stolzenburg, Leipzig, verfocht dagegen stärker das EBM-Prinzip: „Wir können durchaus Studien durchführen, wenn wir es nur wollen. Es ist nicht einfach, aber seit wann scheuen wir uns vor schwierigen Dingen?“ In Leipzig sei bereits vor vier Jahren eine diesbezügliche Studie aufgelegt worden. Roboter für die partielle Nephrektomie empfehlen? Konkret entfaltete sich die EBM-Diskussion an der nephronsparenden Chirurgie bei Nierenkrebs. Dr. Georg Schön, Würzburg, stellte anhand retrospektiver Studien dar, dass die roboterassistierte partielle Nephrektomie (RPN) der offenen Nierenteilresektion mit 2:1 überlegen ist: Zwar erfordere letztere eine kürzere Operationszeit; bei negativen Schnitträndern seien beide Verfahren gleichwertig; die RPN führe aber zu weniger Komplikationen und zu einem kürzeren Krankenhausaufenthalt. Daraus folgt die Überlegung, für die RPN in der deutschen Leitlinie zum Nierenzellkarzinom eine „Sollte“-Empfehlung auszusprechen. Prof. Stefan Siemer vom Universitätsklnikum des Saarlandes, der bei dem Forum ebenfalls einen Vortrag zur roboterassistierten Nierenchirurgie hielt, gab zu bedenken: „Anders als die anderen Leitlinien ist dies eine S3-Leitlinie, dafür brauchen wir Evidenz und keine Expertenmeinung.“ DaVinci-Konkurrenten in den Startlöchern Technik-Experte Stolzenburg stellte in dem Forum wie auch in einem Vortrag des Abschlussplenums neue Robotersysteme vor, die dem DaVinci-Roboter von Intuitive Surgical aus den USA bald Konkurrenz machen könnten. „DaVinci hat den Maßstab gesetzt, aber das Monopol wird nicht mehr lange dauern“, sagte Stolzenburg. Die „conditio sine qua non“ für künftige Systeme seien die von DaVinci gebotenen sieben Freiheitsgrade. An Alternativen arbeiten Firmen etwa in Deutschland, Irland, Südkorea, Japan, den USA, Kanada und Russland. „Die Zukunft ist vorbestimmt, und ich bin froh, noch Teil dieser Zukunft zu sein“, so Stolzenburg. (ms)
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