Digitalisierung der Gesundheitsämter: Forschungsgruppe stellt neues Instrument für den digitalen Ausbau bereit31. März 2022 Abbildung: © EvalDiGe Forschende der Technischen Universität (TU) Dresden, des Fraunhofer-Institutes für Angewandte Informationstechnik (FIT) und der Freien Universität (FU) Berlin haben ein Instrument entwickelt, das die lokalen Behörden auf ihrem Weg zur Digitalisierung gezielt unterstützen kann. Infektionszahlen, die per Fax übermittelt werden, unvollständige Daten, Verzögerungen bei der Übermittlung – in der COVID-19-Pandemie stand die mangelnde Digitalisierung der deutschen Gesundheitsämter im Fokus zahlreicher Diskussionen. Mit der Anschaffung von Geräten und Software ist es aber längst nicht getan, im Gegenteil. Die Digitalisierung im öffentlichen Gesundheitsdienst ist eine hochkomplexe Aufgabe. Forschende der TU Dresden (Projektgruppe Wirtschaftsinformatik), des Fraunhofer FIT und der FU Berlin (Forschungsgruppe Digital Health, Department Wirtschaftsinformatik) haben nun in dem vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Projekt „ReDiGe – Reifegradmodell für die Digitalisierung von Gesundheitsämtern“ (Laufzeit Januar 2021 bis Februar 2022) ein Instrument entwickelt, das die lokalen Behörden auf ihrem Weg gezielt unterstützen kann. Das Reifegradmodell für die Digitalisierung der Gesundheitsämter beschreibt entlang definierter Reifestufen konkrete Entwicklungspfade, die insbesondere in komplexen technischen Projekten dabei helfen, konkrete Maßnahmen abzuleiten, um die Digitalisierung Schritt für Schritt zu verbessern. Unterschiedliche Ausgangssituationen Die knapp 380 Gesundheitsämter in Deutschland sind typischerweise kommunale Einrichtungen oder direkt in Landratsämter eingegliedert, wobei die Rahmenbedingungen für die Arbeit der Ämter von den Bundesländern festgelegt werden. Das führt dazu, dass einerseits die Digitalisierung unterschiedlich priorisiert und fortgeschritten ist, und andererseits verschiedene technische Systeme und Anwendungen aufeinandertreffen, für die es häufig keine Schnittstellen gibt. Darüber hinaus gehen Gesundheitsämter per se mit sensiblen Daten um, sodass die Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit besonders hoch sind. Die Ausgangssituation ist also in jeder Behörde anders, eine Lösung für alle kann es nicht geben. Für die Entwicklung des Reifegradmodells hat das Projektteam mehr als 50 Akteure des Öffentlichen Gesundheitsdienstes interviewt. Ziel war es, alle relevanten Aspekte zu erfassen, die bei der Digitalisierung eine Rolle spielen: Wie ist die technische Ausstattung vor Ort? Welche Schnittstellen zu anderen Einrichtungen existieren oder müssen neu geschaffen werden? Wie ist es um die IT-Sicherheit bestellt? Wie sehr orientiert sich das System an den Bedürfnissen der Bürger, aber auch: Wie motiviert sind die Mitarbeitenden, sich in neue digitale Systeme und Prozesse einzuarbeiten? Das Reifegradmodell steht den Gesundheitsämtern demnächst als Webtool zur Verfügung. Diese können es dann nutzen, um systematisch ihren individuellen Status Quo zu bestimmen. Ausgehend davon zeigt das Modell ihnen dann konkrete Möglichkeiten und Schritte zur digitalen Modernisierung auf. Einheitlicher Rahmen Mit dem Projekt „ReDiGe“ hat das Forschungsteam nach eigenen Angaben erstmals einen einheitlichen Rahmen geschaffen, nach dem zukünftig Digitalisierungsprojekte im so wichtigen Öffentlichen Gesundheitsdienst ausgerichtet, bewertet und priorisiert werden können. Seit Anfang des Jahres läuft bereits das Folgeprojekt „Eval-DiGe – Erfassung und Evaluation der digitalen Reife von Gesundheitsämtern“ (Laufzeit 2022–2025). Hier stehen zwei Ziele im Mittelpunkt: Zum einen soll der digitale Reifegrad der Gesundheitsämter jährlich gemessen und der daraus resultierende Stand auf Bundes- und Landesebene systematisch aufbereitet werden. Zum zweiten ist es Ziel, das Reifegradmodell auf Basis der Erfahrungen, die Gesundheitsämter bei der Anwendung des Modells machen, weiterzuentwickeln. Damit Gesundheitsämter bei ihren Digitalisierungsprojekten auch voneinander lernen können, wird das Instrument zum „lebenden Reifegradmodell“ ausgebaut.
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