Digitalisierung der Medizin: von den Unikliniken zum niedergelassenen Bereich13. Dezember 2021 Foto: ©iconimage – stock.adobe.com Im Rahmen der Medizininformatik-Initiative (MII) werden Projekte gefördert, die die Verfügbarkeit von Daten und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Sektoren der Gesundheitsversorgung verbessern sollen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert sechs neue Verbundprojekte, die „Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“ im Rahmen der MII. Diese verfolgen das Ziel, die Verfügbarkeit von Daten und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung zu verbessern – von der stationären über die ambulante Behandlung bis hin zur Rehabilitation und Nachsorge. Damit bezieht die MII künftig auch den niedergelassenen Sektor ein. Die Vertretung der Hubs nahm vergangene Woche erstmals am Nationalen Steuerungsgremium der MII teil, um die koordinierte Weiterentwicklung der Initiative zu besprechen. Die Forschungsdateninfrastruktur der MII basiert auf den Datenintegrationszentren der Unikliniken. So wurde in der MII bundesweit eine föderiert-dezentrale IT-Infrastruktur an 29 Standorten der Hochschulmedizin aufgebaut. In den Datenintegrationszentren werden Forschungs- und Versorgungsdaten der Unikliniken vernetzt und datenschutzgerecht für die medizinische Forschung bereitgestellt. Die digitalen Lösungen der MII werden nun von den Unikliniken auf den niedergelassenen Sektor ausgeweitet. So verknüpfen die Hubs die Datenintegrationszentren zukünftig mit regionalen und ambulanten Partnern wie Krankenhäusern, Arztpraxen, Rettungsdiensten, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen. Auch Forschungseinrichtungen und Krankenkassen sind Partner der Hubs. „Die Vernetzung der Medizininformatik-Initiative mit Partnern aus dem ambulanten und regionalen Bereich ist ein wichtiger Schritt, um Gesundheitsdaten aus unterschiedlichen Quellen für die medizinische Forschung datenschutzgerecht verfügbar zu machen“, sagte Sebastian C. Semler, Leiter der MII-Koordinationsstelle. „Unser Ziel ist es, auf dieser Datenbasis Fallverläufe besser analysieren und verstehen zu können.“ Daten der gesamten Versorgungskette nutzen, um Therapien zu verbessern Das Einsatzspektrum der Hubs ist vielfältig, es reicht von der Krebsmedizin über die Versorgung von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Nachsorge nach intensivmedizinischer Behandlung bis zum Pandemie-Management. „Für optimale und personalisierte Therapieentscheidungen müssen Ärztinnen und Ärzte an jedem Punkt des Gesundheitssystems das Gesamtbild eines individuellen Krankheitsverlaufes beurteilen können“, so Prof. Dagmar Krefting, Universitätsmedizin Göttingen. Sie koordiniert einen der FortschrittsHubs, der unter anderem am Beispiel der Notfallversorgung von Schlaganfällen die Kommunikation zwischen Rettungswagen und Klinik mit digitalen Lösungen verbessern will. Relevante Daten des Patienten wie akute Symptome, Blutdruck und Informationen zur Schwere des Schlaganfalls sollen effizienter aus dem Rettungswagen in das Krankenhaus übertragen werden können. Zudem sollen Softwaresysteme mit Methoden Künstlicher Intelligenz dem Rettungsteam die nächstgelegene und am besten ausgestattete Klinik aufzeigen und Ärztinnen und Ärzte bei Therapieentscheidungen unterstützen.Hintergrund: Ziel der MII ist die Verbesserung von Forschungsmöglichkeiten und Patientenversorgung durch innovative IT-Lösungen. Diese sollen den Austausch und die Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Institutionen und Standorten hinweg ermöglichen. Das BMBF fördert die MII bis 2022 mit rund 180 Millionen Euro. In den vier Konsortien DIFUTURE, HiGHmed, MIRACUM und SMITH arbeiten alle Einrichtungen der Universitätsmedizin in Deutschland an über 30 Standorten gemeinsam mit Forschungseinrichtungen, Unternehmen, Krankenkassen sowie Patientenvertreterinnen und -vertretern daran, die Rahmenbedingungen zu entwickeln, damit Erkenntnisse aus der Forschung direkt die Patientinnen und Patienten erreichen können. Datenschutz und Datensicherheit haben dabei höchste Priorität.Für die nationale Abstimmung der Entwicklungen innerhalb der MII ist eine Koordinationsstelle zuständig, die die Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V. (TMF) gemeinsam mit dem Medizinischen Fakultätentag (MFT) und dem Verband der Universitätsklinika Deutschlands e.V. (VUD) in Berlin betreibt.Die „Digitalen FortschrittsHubs Gesundheit“ fördert das BMBF seit diesem Jahr mit insgesamt 50 Millionen Euro bis zum Jahr 2025.
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