Digitalisierung für mehr Qualität und Effizienz bei der MS-Therapie28. Februar 2023 Prof. Tjalf Ziemssen. (Foto: Uniklinikum Dresden / Kirsten Lassig) Mit Abschluss des sächsischen Projekts „Pfadgestütztes Qualitätsmanagement in der MS-Versorgung“ (QPATH4MS) ist ein Set von Behandlungspfaden und daran anknüpfenden Qualitätsindikatoren geschaffen worden, auf dem nun ein digitales Modul für die Behandlung von Patienten mit Multipler Sklerose (MS) zur Marktreife entsteht. Träger des seit September 2020 aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und des Freistaates Sachsen geförderten QPATH4MS sind die Carus Consilium Sachsen GmbH, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, die Technische Universität Dresden sowie die MedicalSyn GmbH und die Symate GmbH. „Mit unserem Projekt QPATH4MS haben wir bundesweit zum ersten Mal ein Qualitätsmanagementkonzept für die MS-Behandlung geschaffen, das mit einrichtungsübergreifenden, konsentierten Behandlungspfaden konsequent die Perspektive der behandelnden Ärztinnen und Ärzte sowie der Patientinnen und Patienten berücksichtigt. Gerade in Bezug auf die jetzt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossene ambulante spezialärztliche Versorgung (ASV) von Multipler Sklerose kann das eine wichtige Rolle in der Versorgungsqualität spielen“, sagte Prof. Tjalf Ziemssen, Leiter des MS-Zentrums sowie des Zentrums für klinische Neurowissenschaften am Dresdner Uniklinikum: „Damit ist uns ein weiterer großer Sprung in Richtung personalisiertes und digitales MS-Management gelungen.“ Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden, hebt die in dem Projekt vorangetriebene Integration von MS-Patienten heraus: „Mit QPATH4MS nutzen wir die Digitalisierung offensiv für ein neues Rollenverständnis der Erkrankten. Ihnen wird es damit ermöglicht, sich kompetent und aktiv in den Behandlungsprozess einzubringen. Die mit dem Projekt erzielte Transparenz schafft neue Standards und wird sich hoffentlich als Vorbild für die Versorgung anderer chronischer Erkrankungen durchsetzen.“ Bereits etablierte Standards in Form von MS-Leitlinien und anderen Arbeiten spiegeln nicht den multidimensionalen Managementprozess von MS-Patientinnen und Patienten wider, da sie zumeist nur Teilbereiche und therapeutische Maßnahmen fokussieren. Aussagekräftige Qualitätsindikatoren für eine stringente und flächendeckende Versorgung der Betroffenen waren bisher nicht vorhanden. Ziel von QPATH4MS war es deshalb, aufbauend auf den im Projekt entwickelten klinischen Behandlungspfaden ein Set von Qualitätsindikatoren zu definieren, die verschiedenen Prozessen im Management der MS in den Bereichen Diagnose, Monitoring und Therapie zuordenbar sind. Eine der Herausforderungen bestand den Projektverantwortlichen zufolge darin, diese Behandlungspfade so zu gestalten, dass sich mit ihnen die Qualität der Behandlung von an MS-Erkrankten dokumentieren, monitoren und im Idealfall noch weiter steigern lässt. Dafür müssen sie einerseits messbar und im Idealfall problemlos digital verarbeitbar sein und andererseits so formuliert und strukturiert werden, dass deren Handling im ärztlichen Alltag so unkompliziert wie möglich bleibt. Dafür wurden aus der vorhandenen Literatur relevante Qualitätsindikatoren extrahiert und mithilfe von Experten kategorisiert, zusammengefasst, neu formuliert sowie den klinischen Pfaden der Prozesse zugeordnet. Auf der Basis einer Online-Befragung wurden die für den Prozess des Monitorings gebildeten Qualitätsindikatoren durch ausgewählte MS-Experten aus Deutschland, Österreich sowie der Schweiz bewertet. Die Evaluation zeigte, dass der Ansatz auf ein sehr positives Echo stieß. „Diese Rückmeldungen belegen einmal mehr, dass das Anliegen von QPATH4MS den Nerv der Ärztinnen und Ärzte traf“, sagt Ziemssen. Das liegt auch daran, dass es bisher keine konsentierten klinischen Pfade und messbare Qualitätsindikatoren für die MS-Versorgung gibt. Die in dem Projekt entwickelten Qualitätsindikatoren sind so aufbereitet, dass Ärzte ein wissenschaftlich fundiertes Set an Kriterien an die Hand bekommen und gleichzeitig die abzufragenden oder zu messenden Parameter unkompliziert dokumentieren können. Die Herausforderung des Projekts bestand nicht allein darin, die Behandlungspfade und Indikatoren anhand des aktuellen Standes wissenschaftlicher Erkenntnis zu identifizieren und dafür die entsprechenden Kriterien ihrer Erfassung zu erarbeiten, sondern auch die so erhobenen Befunde und Daten aufzubereiten, dass sie in einem digitalen Umfeld problemlos übermittelbar und analysierbar bleiben. Während für den ersten Schritt die medizinische Expertise des Multiple-Sklerose-Zentrums der Klinik für Neurologie des Dresdner Uniklinikums notwendig war, kam in den folgenden Aufgabenbereichen die Forschungsgruppe Digital Health der TU Dresden ins Spiel. Das Wirtschaftsinformatik-Team fungierte als Vermittler zwischen Medizin und IT-Technologie. In dieser Funktion erarbeitete es Schnittstellen, welche die aus den Behandlungspfaden und Qualitätsindikatoren gewonnenen Patientendaten so aufbereiten und darstellen können, dass sie für die Behandelnden ebenso nachvollziehbar sind wie für die MS-Betroffenen und deren Angehörigen. Für diese Zielgruppe konzipierte und erstellte die Forschungsgruppe Digital Health im Rahmen des QPATH4MS-Projekts ein bedienungsfreundliches Portal. Hinzu kommen verständliche und situationsorientierte Handlungsempfehlungen, die dazu beitragen, dass die Betroffenen daran mitwirken können, ihren Gesundheitszustand zu erhalten oder sogar zu verbessern. “Dieses Portal stärkt damit die Gesundheitskompetenz der Betroffenen, macht sie zur mündigen Patientin und zum mündigen Patienten und lässt sich so besser in wichtige therapeutische Entscheidungen einbinden. Sie bekommen die Chance, selbst die Qualität ihrer eigenen Therapie zu managen”, heißt es in einer Mitteilung der Projektgruppe. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, wurde eine All-in-One-Lösung entwickelt, die das Behandlungsmanagement von MS-Betroffenen erstmals aktiv und konsequent in eine elektronische Plattform integriert. Ziel ist es, die Versorgungsqualität, die Patientenzufriedenheit und die Informationstransparenz deutlich zu verbessern. Erreicht wird dies, indem möglichst viele Aspekte der Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden: Von Terminvereinbarungen über die unterschiedlichsten Werte und Dokumente bis zum Überblick der einzunehmenden Medikamente. Damit lassen sich künftig die klinischen Abläufe noch effizienter gestalten und sich vor allem die Kommunikation mit den Patienten erheblich verbessern. Der Vorteil der mit dem digitalen Tool geschaffenen Transparenz wird am Beispiel des regelmäßigen, auf Basis der Qualitätsindikatoren kontrollierte Krankheitsverlaufs deutlich: Die MS-Betroffenen erhalten nicht nur einen gut erfassbaren Überblick über den Ist-Zustand, sondern auch über die Veränderungen. Doch diese Verlaufskontrolle ist nur dann aufschlussreich, wenn alle Untersuchungen in den von den Leitlinien und Indikatoren festgelegten Intervallen stattfinden. Über das digitale, im Rahmen von QPATH4MS entwickelte Tool werden die anstehenden Termine angezeigt. Auf diese Weise lassen sich Doppeluntersuchungen vermeiden und zugleich wird die Terminplanung der Praxen und Ambulanzen erleichtert. Aus Patientenperspektive liegt der Vorteil unter anderem darin, einen eigenen unverstellten Überblick über den Behandlungsverlauf zu bekommen und gegebenenfalls selbst an ausstehende Untersuchungen erinnern zu können. Der Ansatz des Projekts ist es, einrichtungsübergreifend für Transparenz zu sorgen, also allen beteiligten Institutionen die Möglichkeit zu geben, entsprechend ihrer Rolle in der Behandlung auf Daten im Rahmen der MS-Versorgung zuzugreifen oder neue einzustellen. Dadurch lassen sich zeitliche, personelle und räumliche Engpässe vermeiden. Daraus ergibt sich die Chance, die Zeitfenster für Arzt-Patienten-Gespräche auszuweiten. Auch wird es über dieses Tool möglich, ganzheitlich und umfangreich Daten zu weitergehenden Analysen und zum „MS-Management 2.0“ zu sammeln.
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