„Digitalisierung sichert medizinische Versorgung“ – Praxiszukunftsgesetz gefordert

Diskutierten in der „dipraxis“ in Dortmund über Digitalisierung in der ambulanten medizinischen Versorgung: (v. l.) Erwin Rüddel (MdB) und die KVWL-Vorstände Volker Schrage, Dirk Spelmeyer und Thomas Müller. (Foto: KVWL)

Erwin Rüddel, Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestag, hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) in Dortmund besucht, um sich in der digitalen Muster-Praxis „dipraxis“ mit dem Vorstand der KVWL über die Digitalisierung im ambulanten Gesundheitsbereich auszutauschen.

Rüddel (CDU) wie auch die KVWL-Vorstände Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller haben in diesem Rahmen vom Bund ein „Praxiszukunftsgesetz“ zur Förderung der Digitalisierung in den Arztpraxen gefordert. „Hier in Dortmund kann man exemplarisch sehen, welche Initiativen und Möglichkeiten es bei der Digitalisierung gibt. Für mich steht fest: Eine gut gemachte Digitalisierung ist ein wichtiger Baustein zur Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in Deutschland“, erklärte der Bundestagsabgeordnete.

Müller erneuerte die Forderung der KVWL nach einer gezielten Digitalinitiative: „Wie beim Krankenhauszukunftsgesetz muss es auch ein Praxiszukunftsgesetz geben, um die Digitalisierung zu fördern: für Investitionen in digitale Praxen und IT-Sicherheit, für eine verstärkte Nutzung von Telemedizin und Telematik und für Anreize für Praxen, ihren Digitalisierungsgrad zu verbessern.“ Damit stieß er beim Gast aus Berlin auf offene Ohren: „Ich sehe ebenfalls die Notwendigkeit eines Praxiszukunftsgesetzes, so dass sich Praxen zertifizieren lassen und dann entsprechende Fördermittel zur Digitalisierung erhalten können“, so Rüddel.

„Datenschutz-, nicht Datennutz-Weltmeister“

Zum Thema Datenschutz sagte Rüddel: „Wichtig ist, dass die Daten der Anwendungen bei uns im System hier in Deutschland liegen und nicht in Übersee.“ Hier sei ein genaues Hinschauen wichtig. Oft sei der Datenschutz aber auch ein Hindernis. Rüddel schlug vor: „Wir haben derzeit noch mehr als ein Dutzend Datenschutz-Behörden, die bei gleicher Gesetzeslage zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Ähnlich wie bei Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften sollte es  Schwerpunkt-Datenschutzbehörden geben, die dann auch die entsprechende Expertise haben, beispielsweise für die speziellen Anforderungen im Gesundheitsbereich. Dann wäre, wie in anderen Ländern, nur eine Behörde zuständig, die eine Entscheidung für alle trifft, das würde es bei vielen Themen leichter machen.“ Thomas Müller meinte hierzu: „Wir sind Weltmeister im Daten Schützen, aber nicht im Daten Nutzen.“

Digitales muss Fortschritte bieten

Beim E-Rezept unterstützt Rüddel den von der KVWL angestrebten und durch die Nationale Agentur für digitale Medizin gematik nun für den Sommer angekündigten Einlösungsweg über die elektronische Gesundheitskarte. Sie soll die Massentauglichkeit und Akzeptanz des E-Rezepts fördern. Weitere Digitalprojekte wie elektronische Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung (eAU), Videosprechstunde, elektronische Patientenakte (ePA), Online-Terminvergabe oder Künstliche Intelligenz (KI) standen ebenfalls im Fokus des Gesprächs. Vorstand Müller: „Digitale Produkte als Teil der Versorgung müssen ein Fortschritt sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für die Ärztinnen und Ärzte sein. Neue Anwendungen müssen ausreichend getestet sein und funktionieren, nur dann nutzen Ärzte, Mitarbeitende und Patienten sie. In der dipraxis stellen wir Applikationen vor, mit denen das Arbeiten im Praxisalltag schneller, einfacher und leichter wird.“

Beispiel „Digi-Managerin“

Die KVWL entwickelt derzeit eine vom Bundesgesundheitsministerium geförderte Weiterbildung zur „Digi-MFA“. Müller erläuterte: „Damit bieten wir den Medizinischen Fachangestellten eine Weiterentwicklung ihres Berufs an, hin zu Digitalen medizinischen Versorgungsassistentinnen.“ Ziel des Projekts ist es, die Digi-Managerinnen zu befähigen, den derzeitigen Digitalisierungsgrad der jeweiligen Praxis zu analysieren und neue Digitalisierungsprojekte anzustoßen. Zum Einsatz kommt dabei das „digitale Reifegradmodell“ der KVWL. Dadurch sollen die Ärztinnen und Ärzte entlastet und die MFA-Arbeit bereichert werden.

Müller warb für eine noch fehlende Anschlussförderung bei der Umsetzung der jeweils passenden Projekte in den Praxen: „Wir wollen auch hier immer einen Schritt vor der Zeit sein.“ Rüddel unterstützt diese Forderung. „Die Möglichkeiten, die Sie hier aufzeigen, sind beispielhaft. Es wäre wünschenswert, wenn bundesweit möglichst viele Ärzte und Praxisteams die zur Verfügung stehenden digitalen Instrumente einsetzen würden.“