DIVI: Mit der Impfwelle vor die dritte Infektionswelle kommen26. Februar 2021 Bild: ©Nuthawut – stock.adobe.com Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat ein Prognosemodell zur Simulation der Intensivbettenauslastung für COVID-19 in Abhängigkeit von der Infektionsdynamik und dem zu erwartenden Impfeffekt in Deutschland entwickelt. Basierend auf Berechnungen dieses Modells empfiehlt die DIVI den derzeitigen Lockdown über den 07. März hinaus um drei Wochen bis zum 1. April zu verlängern, um eine dritte Infektionswelle, welche auch die Intensivstationen erneut schwer belasten könnte, zu vermeiden. Das Virus SARS-CoV-2 hat Deutschland noch immer fest im Griff. Das Auftreten neuer Virusmutationen wie B.1.1.7 oder B.1.351 mit erhöhter Übertragbarkeit könnte dazu führen, dass die aktuellen Lockdown-Beschränkungen bald nicht mehr ausreichen, die Inzidenz auf einem stabilen Niveau zu halten. Steigt der effektive R-Wert über eins, befinden wir uns zum wiederholten Male in einer exponentiell steigenden Infektionsdynamik, in deren Folge die DIVI eine erneute starke Belastung der Intensivbettenbelegung mit COVID-19-Erkrankten erwartet. Um diese Infektionsdynamik, verknüpft mit der Intensivbettenbelegung, für die Zukunft genauer beziffern zu können, entwickelten Prof. Steffen Weber-Carstens und Prof. Christian Karagiannidis, beide wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters und Sprecher der DIVI-Sektion „Lunge – Respiratorisches Versagen“, gemeinsam mit Prof. Andreas Schuppert, Leiter des Instituts für Computational Biomedicine an der RWTH Aachen, das DIVI-Prognosemodell. Mit dessen Hilfe kann die Belegung der Intensivstationen in Deutschland anhand wissenschaftlich valider Daten mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausgesagt werden kann. Das Rechenmodell von Schuppert berücksichtigt dabei sowohl die schnellere Verbreitung von SARS-CoV-2 durch Mutationen, als auch die fortschreitende Zahl Geimpfter. Simulation möglicher Zukunftsszenarien Auf einer Fachpressekonferenz stellten die drei genannten Experten gemeinsam mit dem aktuellen DIVI-Präsidenten Prof. Gernot Marx und dem Past-Präsidenten Prof. Uwe Janssens sowohl das Prognosetool als auch verschiedene damit simulierte Zukunftsszenarien vor. Insgesamt zeigen die Simulationen, dass Lockerungsszenarien im März, die zu einem R-Wert von eins für den Wildtyp bzw. 1,35 für die Mutante B.1.1.7 führen, in Kombination mit einer langsamen Impfstrategie, zu einer erneuten Spitzenbelastung von etwa 4000 COVID-19-PatientInnen auf Intensivstationen führen könnten. Eine spätere Öffnung im April geht hingegen allenfalls mit einem nur geringen Anstieg der COVID-19-PatientInnen auf der Intensivstation einher. Abbildung 1: Intensivbettenbelegung bei Kontrolle des R-Wertes für den Wildtyp (WT) um 1(=1,35 für B.1.1.7) in Abhängigkeit vom Zeitpunkt der Lockerung mit Erreichen des R-Wertes von 1 für den WT. Quelle: DIVI Steigt die Infektionsdynamik in Deutschland jedoch auf einen R-Wert von 1,2 für den Wildtyp bzw. 1,55 für B.1.1.7 an, kommt es den Simulationen zufolge zu einer unkontrollierten Spitzenbelastung der Intensivstationen mit COVID-19-PatientInnen bei einer Lockerung im März. Eine Lockerung im April hingegen ist selbst unter diesen Bedingungen mit einer Spitzenbelastung maximal in der Höhe des bisherigen Spitzenwertes des Januars 2021 verbunden. Abbildung 2: Intensivbettenbelegung bei Kontrolle des R-Wertes für den Wildtyp (WT) um 1,2(=1,55 für B.1.1.7) in Abhängigkeit von dem Zeitpunkt der Lockerung mit Erreichen des R-Wertes von 1,2 für den WT. Quelle: DIVI Eine Beschleunigung der Impfungen mit einer Impfung von 80 Prozent der über 35-Jährigen ist in allen Simulationen mit einer deutlich geringeren Belastung der Intensivstationen verbunden. „Ein dauerhaft erhöhter R-Wert größer eins sollte auf Grund der hohen Infektionsbelastung möglichst vermieden werden“, heißt es daher von der DIVI. Es müsse alles dafür getan werden, die Impfung der Bevölkerung mit allen zur Verfügung stehenden Impfstoffen so schnell wie möglich voran zu treiben. Man müsse „mit der Impfewelle vor die Infektionswelle“ gelangen, wie Karagiannidis deutlich machte. Im Herbst seien dann zuverlässige Öffnungen möglich, fügte Janssens an. Aus Sicht des DIVI-Präsidenten Marx ist eine R-Wert gesteuerte Öffnungsstrategie entscheidend, die jedoch bis zum 1. April verschoben werden müsse. Weitere Details zum DIVI-Prognosemodell, mit geplanten wöchentlichen Updates, finden Sie unter https://www.divi.de/register/divi-prognosemodell (ah)
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