DIVI und DPR: „Wir haben nicht die Zeit, alle Pflegegesetze neu zu schreiben!“9. Dezember 2024 Vertreter von DIVI und DPR kamen beim DIVI-Jahreskongress 2024 in Hamburg zu einer gemeinsamen Pressekonferenz zusammen. (Foto ©Helmut Biess – Covershoot) „Stillstand ist keine Option!“, machte die Präsidentin des Deutschen Pflegerates (DPR), Christine Vogler, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Hamburg unmissverständlich klar. Auch der Vertreter der Fachpflegenden in der DIVI, Thomas van den Hooven, machte deutlich, dass es gelte, nach vorne zu schauen, kreativ zu werden und Strukturen zu entwickeln, um die Frage der Fragen zu lösen: „Wie den Pflegekräftemangel abfedern?“ Als Fundament brauche es dafür allerdings nach dem Beschluss des KHVVG auch die angekündigten Pflegegesetze – sonst sei das Puzzle unvollständig, sind sich DIVI und DPR einig. „Jede weitere Verzögerung ist ein schwerer Rückschlag für die Pflege und damit für die gesamte Gesellschaft“, erklärte Vogler. Van den Hooven appellierte: „Die Politik muss jetzt handeln und eine parteiübergreifende Koalition für die Pflege bilden!“ Konkret geht es um das Pflegekompetenzgesetz (PKG), das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz und das Gesetz für Advanced Practice Nurses (APN-Gesetz) – erdacht, um Pflegekompetenzen zu stärken, hängen diese Reformvorschläge gerade ziemlich in der Luft. Dabei sind diese Gesetze für die Fachkräfteentwicklung in Deutschland von entscheidender Bedeutung. Und noch einmal den Prozess von Neuem zu beginnen, stehe außer Frage, sind sich DPR und DIVI einig. Warum, zeigt ein Blick in das DRP-Factsheet Pflege: Auf drei Vierteln der Intensivstationen sind Stellen in der Intensivpflege vakant. In zwei Dritteln der Krankenhäuser mit Pädiatrie bleiben Stellen in der Kinderkrankenpflege unbesetzt. Pflegekompetenz stärken! So ist der von allen Seiten gewünschte Kompetenzzuwachs von Fachpflegekräften eine zukunftsweisende Möglichkeit, den Beruf attraktiv zu halten und die Zufriedenheit der Pflegekräfte deutlich zu stärken. „Wir haben hochqualifizierte Pflegekräfte, die jedoch in ihrer Arbeit blockiert werden. Diese Verschwendung von Ressourcen ist inakzeptabel und verantwortungslos“, zeigte DPR-Präsidentin Vogler auf. „Wenn wir die vorhandenen Kompetenzen der Profession Pflege nicht endlich nutzen, wird die pflegerische Versorgung in diesem Land zusammenbrechen. Das hätte verheerende Folgen für unser Gesundheitssystem, unsere Gesellschaft und unsere Demokratie.“ Pflegeberufe schützen! Die aktuelle Antwort Deutschlands auf den gravierenden Fachpflegemangel ist derzeit die Anwerbung ausländischer Kräfte. „Seit 2022 wird das Beschäftigungswachstum in der Pflege ausschließlich von ausländischen Fachkräften getragen. Bereits jede sechste Pflegekraft kommt aus dem Ausland“, erörterte van den Hooven. „Zweierlei Dinge müssen wir deshalb im Blick behalten: Wir müssen erstens diesen Pflegenden hier eine Heimat geben und sie optimal in unsere Gesellschaft integrieren, sonst bricht bald alles zusammen. Zweitens müssen wir uns aber auch klar werden, dass diese Ressource bald versiegt.“ Deutschland werde international bereits gerügt. Zum Schutz der eigenen Versorgung beendeten gerade Länder wie Brasilien sämtliche Programme zur Anwerbung von Pflegekräften.Entsprechend müsse man neben der Integration der derzeitigen Mitarbeiter auch für deren weiteres Wohlergehen sorgen, verdeutlichte Dr. Teresa Deffner, Vertreterin der Gesundheitsfachberufe in der DIVI sowie Psychologin auf der Intensivstation. „Gewalt gegen Mitarbeiter sehen wir immer häufiger in den Kliniken. Wenn eine Reanimation nicht gelingt, wie neulich in einer Klinik in Essen, wenn Patienten in der Notaufnahme zu lange warten müssen, dann müssten die Mitarbeitenden immer häufiger um ihr eigenes Wohl fürchten. „Sicherheit schaffen ist deshalb essenziell“, sagte Deffner. „Konzepte hierzu gibt es – sie müssen aber konsequent umgesetzt werden.“ Gleiches gelte für psychosoziale Unterstützung nach schwerwiegenden Ereignissen – natürlich nicht nur für Pflegekräfte, sondern für alle Mitglieder des Teams. Pflegeressourcen nutzen! „Team“ sei das richtige Stichwort, summierte zum Ende der Pressekonferenz der kommende DIVI-Präsident Prof. Florian Hoffmann: „Die DIVI hat bereits vorgemacht, wie wir die Ressourcen, die wir haben, optimal verteilen. Wir haben klare Handlungsempfehlungen für die Intensivstation wie auch die Notaufnahme veröffentlicht. Wir alle wissen: Nur zusammen können wir unsere Patienten bestmöglich versorgen.“ Dieses Zusammenstehen sehe man auch auf dem Jahreskongress der DIVI: Mehr als 7000 Teilnehmer seien in diesem Jahr nach Hamburg gekommen, rund 40 Prozent seien keine Ärzte. „Das war vor einigen Jahren noch vollkommen utopisch.“ „Man muss es nur wollen“, kommentierte auch DPR-Präsidentin Vogler. Das Pflegekompetenzgesetz werde er übrigens noch verabschieden, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach in einer Liveschalte auf der Eröffnungsveranstaltung am Mittwoch gegenüber den DIVI-Mitgliedern. „Wir nehmen Sie beim Wort, Herr Minister“, endeten van den Hooven und Vogler ihre gemeinsame Pressekonferenz.
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