DKG: Krankenhausreform darf Schlaganfallversorgung nicht gefährden

Die Krankenhausreform könnte dazu führen, dass die Wege zur nächsten Stroke Unit länger werden, fürchtet die Deutsche Krankenhausgesellschaft. (Foto: © k_rahn – stock.adobe.com)

Zum Weltschlaganfalltag warnt die Deutsche Krankenhausgesellschaft vor Rückschritten bei der Schlaganfallversorgung durch die Krankenhausreform. 

„90 Prozent der Menschen in unserem Land erreichen heute in höchstens 30 Minuten eine Stroke-Unit, und 95 Prozent aller Notfälle mit Verdacht auf Schlaganfall werden vom Rettungsdienst in eine Stroke-Unit eingeliefert. Das sind hervorragende Daten zur Schlaganfallversorgung in Deutschland, wie auch die Deutsche Schlaganfallgesellschaft (DSG) feststellt“, lobt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Dr. Gerald Gaß, die derzeitige Situation.

Bei der Schlaganfallversorgung gehe es um Schnelligkeit und qualitativ hochwertige Versorgung. Beides böten deutsche Krankenhäuser, erklärte Gaß. Habe es 2015 noch 264 von der DSG zertifizierte Stroke-Units gegeben, seien es heute bereits 349. Weitere Kliniken hätten die Zertifizierung beantragt. „Diese sehr gute und weitgehend flächendeckende Versorgung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in einigen besonders dünn besiedelten oder auch strukturschwachen Regionen Lücken gibt, in denen die nächste Stroke-Unit weiter als 30 Autominuten entfernt ist. Dazu zählen unter anderem die Altmark, die Uckermark und Teile des Bayerischen Walds. Die aktuell vom Bundestag beschlossene Krankenhausreform gefährdet aber gerade die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen, in denen die Menschen schon heute tendenziell medizinisch unterversorgt sind“, erklärte Gaß.

Durch die inflationsbedingte wirtschaftliche Notlage drohen der DKG zufolge Hunderte Krankenhausstandorte in den kommenden Jahren aus der Versorgung auszuscheiden. Die neuen zusätzlichen Personal- und Strukturanforderungen gefährden zunehmend auch konkret die Schlaganfallversorgung, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beeindruckend positiv entwickelt habe. Politisches Ziel müsse es aber sein, gerade in strukturschwachen und dünn besiedelten Gebieten, die von Überalterung und auch mehr gesundheitlichen Risikofaktoren geprägt sind, die Schlaganfallversorgung weiter zu verbessern und das 30-Minuten-Ziel flächendeckend auf die gesamte Bevölkerung auszuweiten, erklärte der DKG-Vorsitzende. „Viele Elemente der Krankenhausreform lassen allerdings befürchten, dass sich die Krankenhauslandschaft gerade in ländlichen Regionen weiter ausdünnt.“

„Wir erwarten, dass viele kleinere Kliniken, die jetzt noch die Grund- und Schlaganfallversorgung in ländlichen Kreisen sicherstellen, dem wirtschaftlichen Druck nicht standhalten können und schließen. Schon von den Insolvenzen und Schließungen der vergangenen zwei Jahre waren überwiegend Kliniken in Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern betroffen. Der Bundesgesundheitsminister muss an dieser Stelle sicherstellen, dass sich die Regionen mit Fahrwegen von mehr als 30 Minuten zur nächsten Stroke-Unit nicht weiter vergrößern. Das politische Versprechen, gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land zu schaffen, gilt auch für die Gesundheitsversorgung“, mahnte Gaß.