DKK-Update zur sequenziellen mCRPC-Therapie23. Februar 2018 “Früh ist gut”, meint Urologe Kurt Miller, Klinikdirektor an der Berliner Charité. Foto: DGU/Solcher Angesichts der vielen neuen Optionen hält die Diskussion über die richtige Sequenz in der Therapie des metastasierten kastratrionsresistenten Prostatakarzinoms (mRCPC) an – mit der Tendenz, Therapien immer früher einzusetzen, gegebenenfalls schon im Stadium der Hormonsensitivität. Beim 33. Deutschen Krebskongress (DKK) in Berlin erklärten Experten am 22.02.2018 den State of the Art. “Früh ist gut” ist das Credo von (Noch-)Charité-Chefurologe Prof. Kurt Miller. Damit meint er den frühen Einsatz von Androgen Receptor Targeted Agents (ARTA) wie Abirateron oder Enzalutamid. Dies entspreche auch den Leitlinien, die ARTA mit einer “Sollte”-Empfehlung gegenüber der Chemotherapie mit Docetaxel, die nur eine “Kann”-Empfehlung hat, favorisieren. Welche der beiden Substanzen gewählt werden sollte, bleibt Miller zufolge weiterhin unklar. Der gängigen Ansicht “böser Tumor, böse Therapie” erteilte Miller eine Absage, wobei auch Schmerzen seiner Ansicht nach kein Grund sind, Docetaxel zu bevorzugen, denn die Substanz sei, wie er darlegte, nicht gut geeignet, um die Schmerzen zu reduzieren. “Fangen Sie früher an, machen Sie nichts falsch”, resümierte er. Ganz anderer Ansicht ist da Prof. Maria de Santis, derzeit noch an der University of Warwick, Großbritannien, demnächst an der Charité in der Arbeitsgruppe von Miller-Nachfolger Prof. Thorsten Schlomm. Durch einen zu frühen Einsatz der ARTA könne man sich die Effekte einer Chemotherapie verbauen, da Docetaxel nach ARTA erwiesenermaßen schlechter wirke; umgekehrt wirkten Abirateron und Enzalutamid sogar noch nach zwei Chemotherapie-Linien. “Verlieren Sie nicht das Fenster der Möglichkeit zur Chemotherapie”, riet de Santis den Zuhörern und erinnerte daran, dass die Patienten mit fortschreitender Erkrankung möglicherweise nicht mehr für eine Chemotherapie geeignet sein könnten. Auf einhellige Ablehnung bei den Referenten wie auch bei Situngsleiter Prof. Markus Kuczyk, Hannover, stieß die Sequenzierung von ARTA, denn Kreuzresistenzen gegen die beiden Substanzen würden hier zu Wirksamkeitsverlusten führen. Euphorisierendes Lutetium Einen gänzlich anderen Weg, das mCRPC zu behandeln, stellte der Nuklearmediziner Dr. Clemens Kratochwil vom Universitätsklinikum Heidelberg vor: die gezielte Radionuklidtherapie mit Lutetium-177-PSMA617. Diese Substanz setzt sich in das aktive Zentrum des in Prostatakarzinomzellen überexprimierten Prostataspezifische Membranantigens (PSMA). Das über ein Brückenmolekül an den PSMA-Liganden gebundene Nuklid zerstört dann sehr gezielt die Krebszellen. “Das ist eine andere Liga als die Bone Seeker”, sagte Kratochwil, womit er die Nuklide Samarium-153 und Radium-223 meinte. Diese Substanzen – das erstere in Gebrauch seit den 1990er Jahren, das letztere erst seit einiger Zeit zugelassen – dringen gezielt in den Knochen ein und zerstören dort Knochmetastasen, wobei Radium-223 in der Zulassungsstudie sogar einen Überlebensvorteil erzielte; jedoch richten sich diese Substanzen eben nicht gegen die Krebszellen selbst, betonte Kratochwil. Neue Targets Einen Blick in die Zukunft wagte am Ende der Sitzung noch Prof. Carsten-Henning Ohlmann, frisch aus dem Saarland nach Bonn gewechselt. Er nannte etwa das Medikament Olaparib, dass bei Eierstockkrebs bereits erfolgreich eingesetzt wird und auch bei Prostatakarzinomen mit BRCA-2-Mutation Wirkung zeigte. Diese Substanz zählt zu den neuen Medikamenten, die Defekte in DNA-Repataturgenen ansteuern. Ein gänzlich anderer Weg geht über die Epigenetik, also über Gene, welche die Expression anderer Gene wie des Androgenrezeptors steuern. (ms)
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