DKOU 2019: Sorgfältige Abklärung bei Schulterschmerz notwending25. Oktober 2019 ©lesterman – stock.adobe.com Ob Unfall, Sport, Alter oder Diabetes – die Ursachen für Schulterschmerz können vielfältig sein. Deshalb sind eine genaue Abklärung und individuelle Behandlung durch Experten erforderlich. Etwa 70 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben an Schulterschmerzen – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Beruf. Sie sind nach Rücken- und Knieschmerzen die dritthäufigste Erkrankung des Bewegungs- und Halteapparats. Die Ursachen sind divers und umfassen etwa Unfälle, Sportverletzungen oder altersbedingte Abnutzung. Ursache können hier Muskelverspannungen, Erkrankungen von Knochen und Gelenken, Haltungsschäden, Muskel- und Bandverletzungen, aber auch Tumore sein, betonten Experten anlässlich des DKOU in Berlin. Verschiedene Erkrankungen als Ursache für Schulterschmerz Doch nicht immer rührt der Schulterschmerz aus dem Schultergelenk selbst. So könne zum Beispiel ein einseitiger akut auftretender Schulterschmerz während sportlicher Aktivität auch ein Hinweis auf Herzinfarkt sein. „Vielen ist nicht bewusst, dass auch die Bereiche Arm, Nacken und Wirbelsäule oder Erkrankungen der inneren Organe eine Rolle bei Schmerzen in der Schulter spielen können“, erklärte Dr. Casper Grim, Vizepräsident der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS). Ebenso können eine Funktionsstörung der Schilddrüse, Diabetes mellitus und rheumatische Erkrankungen mit chronischem Schmerz in der Schulter assoziiert sein. „Patienten mit Diabetes und Schilddrüsenerkrankungen erkranken beispielsweise häufiger an der `Frozen Shoulder´“, führt Grim, Leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie in Osnabrück aus. Hier schränkt eine geschrumpfte Schultergelenkkapsel die Beweglichkeit der Schulter schmerzhaft ein. So leidet etwa jeder fünfte Diabetespatient unter Schulterschmerzen und Bewegungseinschränkungen. Laut der Experten ist der Grund dafür ist bislang noch nicht geklärt, im Fokus der Untersuchungen stehen Entzündungsprozesse, Durchblutungsstörungen und Zuckeranhaftungen an Bindegewebsfasern. „Mit der Zunahme von Stoffwechselerkrankungen – insbesondere bei einer immer älter werdenden Bevölkerung – haben Orthopäden und Unfallchirurgen auch immer häufiger mit diesen Erkrankungszusammenhängen zu tun und müssen es bei der Diagnose berücksichtigen“, erklärt Prof. Carsten Perka, Kongresspräsident des DKOU aus Berlin. Eine ausführliche Anamnese sei daher unabdingbar und entsprechend individuell müsse der behandelnde Orthopäde und Unfallchirurg auch bei seiner Behandlung vorgehen. Die Arthroskopie ersetzt zunehmend offene Operationen Funktionelle Therapiemaßnahmen wie Physiotherapie und eine medikamentöse Behandlung helfen vielen Schulterschmerz-Patienten bereits. Häufige Erkrankungsformen wie Impingement, Kalkschulter oder Schulterarthrose können bei milder Ausprägung mit einer Stoßwellentherapie behandelt werden und eine Operation zunächst verhindern, so die Experten. Ist eine konservative Therapie erfolglos, hilft häufig auch die Arthroskopie. Hierbei kann der Arzt minimalinvasiv Verkalkungen entfernen und entstandene Sehnenverletzungen beheben. „Wir haben in der Arthroskopie erhebliche Fortschritte gemacht“, betont Prof. Markus Scheibel, Präsident der Deutschen Vereinigung für Schulter- und Ellenbogenchirurgie e. V. (DVSE). Zum Glück sei die Aussage von Charles A. Rockwood Jr. – einer der Protagonisten der offenen Schulterchirurgie – “Athroscopy is the tool of the devil!” heute obsolet. „Selbst komplexe rekonstruktive Eingriffe sind mittlerweile per Gelenkspiegelung mit deutlich weniger Risiken möglich“, so Scheibel. Insbesondere bei Schulterinstabilitäten, bei denen durch Unfälle oder anatomische Fehlstellungen das Schultergelenk „instabil“ wird und eventuell ausrenkt, sei die Arthroskopie inzwischen einer offenen Operation vorzuziehen, so der Chefarzt für Schulter- und Ellenbogenchirurgie an der Schulthess Klinik in Zürich. Nicht nur an schulterchirurgischen Zentren gehörten arthorskopische Eingriffe an der Schulter heute bereits zum Standardrepertoire. Da das Schultergelenk eines der am häufigsten von Sportverletzungen betroffenen Gelenke ist, rieten die Experten Sportlern, aber auch Patienten mit bereits bestehenden Schulterproblemen, unter anderem die Muskulatur um das Schultergelenk zu stärken und somit das Gelenk zu stabilisieren. Unabdingbar sei aber zunächst eine genaue Diagnose und eine professionelle Anleitung der Übungen durch Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Physiotherapeuten. Vor ungezielten Übungen bei fehlender Diagnose warnte Grim. [red/hr]
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