DOC 2021 digital: Michael Foerster und Wolfgang Haigis in Hall of Fame aufgenommen

Prof. Michael H. Foerster (l.) und Prof. Wolfgang Haigis †. Fotos: Foerster/Biermann Medizin (Archiv)

Prof. Michael H. Foerster (Berlin) und Prof. Wolfgang Haigis (gest. 2019, Würzburg) sind neu in die Hall of Fame Ophthalmologie aufgenommen worden. Die Laudationes hielten PD Silvia Bopp (Bremen) und Dr. Peter Hoffmann (Castrop-Rauxel).

Prof. Michael H. Foerster (Jg. 1943) wurde in Anerkennung seiner besonderen Verdienste um die Retinologie und ophthalmologische Onkologie geehrt. Weitere Forschungsschwerpunkte waren die klinische Elektrophysiologie für verschiedene retinale Pathologien und die ophthalmologische Optik mit der Entwicklung der Foerster-Brille (binokulare indirekte Ophthalmoskopie).
Internationales Renommee erlangte der ehemalige Direktor der Charité-Augenklinik am Campus Benjamin Franklin (vormals FU Berlin) aufgrund der Einführung der Protonentherapie für okuläre Malignome in Deutschland, die durch die Kooperation mit dem Helmholtz-Center Berlin möglich wurde. Diese präzise und hochdosierte Strahlentherapie finde speziell bei großen malignen Aderhautmelanomen Anwendung, erläuterte Bopp.

Bereits 2014 war Foerster von der Ärztekammer Berlin für seine wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Protonentherapie mit der Georg-Klemperer-Medaille ausgezeichnet worden. 2017 verlieh ihm die Berliner Medizinische Gesellschaft die Albrecht von Graefe-Medaille und schon 2005 hatte er das Bundesverdienstkreuz erhalten.

In der Amtszeit 2004/05 war Foerster Präsident der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). Die DOG-Jahrestagung 2005, so erinnerte Bopp, habe Foerster gemeinsam mit der Europäischen Ophthalmologischen Gesellschaft (SOE) ausgerichtet. Von 1996 bis 2004 war er Präsident der Retinologischen Gesellschaft und im Zeitraum 2002 bis 2008 fungierte er als Generalsekretär der SOE.
Aktuell ist Foerster Senior Consultant der Augenklinik des Helios-Klinikums Berlin-Buch und vermittelt weiterhin seine Expertise.
Foersters langjähriges Engagement für den Wissenstransfer würdigte Bopp mit dem Hinweis, dass zahlreihe Lehrstuhlinhaber und Ärzte in leitenden Positionen in Klinik und Wissenschaft zu seinen ehemaligen Schülern gehörten. „Was ist die persönliche Karriere wert, wenn man nicht die Leidenschaft für das Fach, das erworbene Wissen weitergibt und die Jüngeren motiviert, sich weiterzuentwickeln“, fragte Bopp. Auch dies sei Foerster hervorragend gelungen.

Pionier der optischen Biometrie
Als Pionier der optischen Biometrie würdigte die DOC posthum den am 15. Oktober 2019 verstorbenen Physiker Prof. Wolfgang Haigis (Jg. 1947). Mit ihm habe die Augenheilkunde nicht nur einen großartigen Wissenschaftler, sondern auch einen äußerst liebenswürdigen Menschen verloren, sagte DOC-Präsident Dr. Armin Scharrer.

Von Hause aus Physiker, so Laudator Hoffman, habe sich Haigis in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit seit 1977 besonders der Optik des menschlichen Auges verbunden gefühlt.
Weltweite Anerkennung hatte er sich aufgrund seiner jahrzehntelangen wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiet der optischen Biometrie erworben. Seine Erkenntnisse zur Ultraschall-Längen­messung des Augapfels und die Formel-Entwicklung legten den Grundstein für den Erfolg der optischen Biometrie. Das bekannteste Ergebnis seiner Arbeit ist die nach ihm benannte Haigis-­Formel. Sie hatte „die Vorteile geringerer Trendfehler und besserer Anpassbarkeit an klinische Gegebenheiten“, betonte Hoffmann. Zudem sei sie leichter programmierbar und „wissenschaftlich transparent“ gewesen.

Große Verdienste erwarb sich Haigis während der Erprobungsphase des ersten optischen Biometers für dessen praktische Nutzbarmachung. So habe Haigis den Augenärzten den „geschmeidigen Übergang“ von der „Dampfmaschine des Ultraschalls zum modernen Motor der optischen Biometrie“ ermöglicht, erläuterte Hoffmann. Von Haigis entwickelte Standards seien sogar 20 Jahre später noch vorhanden, obschon deren technische Notwendigkeit durch die Weiterentwicklung der Messtechnik entfallen sei.

Ende 1999, so erinnerte Hoffmann, sei unter Haigis‘ Federführung ein großes Projekt entstanden, dessen Idee „so einfach wie genial“ gewesen sei. Vor der Einführung des IOLMasters hätte fast jeder Nutzer seine eigene Kombination von Ultraschall und Keratometer gehabt. Mit der neuen Messtechnik aber sei erstmals auch eine einheitliche Plattform geschaffen worden und Haigis habe schnell erkannt, dass hier das Potenzial einer Datenbank für optimierte Berechnungsparameter liege.
Das Projekt hieß zunächst EULIB (European User Group for Laser Interference Biometry), wurde aber 2001 in ULIB umbenannt, nachdem „auch die Amerikaner begeistert auf diesen Zug aufgesprungen“ waren. Diese nicht kommerzielle Datenbank habe über die Jahre „unzähligen Äugenärzten und vor allem Patienten“ zu besseren Ergebnissen verholfen, unterstrich Hoffmann und erinnerte, dass er als junger Facharzt die Ehre hatte, als einer der ersten Externen an diesem Projekt mitzuwirken – so habe er Haigis kennen- und schätzen gelernt.
Haigis war zudem Gründungsmitglied des Vereins Technologie in Medizin und Gesundheitswesen (TIMUG) sowie des IOL-Power-Clubs und nicht zuletzt als DOC-Referent „immer eine feste Größe“.
„Die moderne Katarkatchirurgie hat sehr von seiner Arbeit und seiner Persönlichkeit profitiert“, resümierte Hoffmann. Wenige Deutsche hätten in der internationalen Augenheilkunde eine so große Bekanntheit erlangt wie Haigis.

In die Hall of Fame werden jedes Jahr zwei bedeutende Persönlichkeiten aus der Augenheilkunde aufgenommen. An der Wahl der diesjährigen Geehrten haben sich mehr als 2000 Augenärztinnen und -ärzte beteiligt und, so unterstrich Scharrer, „ein klares Votum geliefert“. (dk)