DOC 2024: Neue Linsenkombination macht die Brille nahezu überflüssig25. Juni 2024 Dr. Thomas Will auf der Pressekonferenz des DOC-Kongresses.Foto.©Schulz/ Biermann Medizin Auf der Pressekonferenz des 36. Internationalen Kongress der Deutschen Augenchirurgen (DOC) berichtete Dr. Thomas Will (Fürth), Augenarzt und Leitender Oberarzt des MVZ Fürth, über zwei Mix-and-match-Verfahren, die aktuell eine zunehmende Verbreitung erfahren. Diese neue Methode soll Patienten nach einer Katarakt-OP oder auch früher die bestmögliche Sehqualität in allen Entfernungen ohne übliche Nebenwirkungen von Multifokallinsen ermöglichen. Patienten, die auf ein erstklassiges, störungsfreies Sehen in der Ferne großen Wert legen, erhalten dazu im Führungsauge eine hochwertige asphärische Monofokallinse, wie Will erklärte. Das Partnerauge erhielte dagegen eine extended depth of focus(EDOF)-Linse, die jedoch etwas stärker (zwischen einer viertel und einer halben Dioptrie) auf die Nähe ausgerichtet sei. Das ermögliche diesem Auge ein deutlich besseres Sehen im Intermediär- und Nahbereich als mit einer „normalen“ EDOF-Linse. Der Experte erläuterte weiter, dass diese Linsenkombination ein brillantes Sehen in der Ferne, ein sehr gutes Stereosehen und ein sehr gutes Sehen in mittleren Entfernungen (PC, Tablet, Smartphone) erzielt. Lediglich für kleine Dinge in unmittelbarer Nähe (30-40 cm) sei häufig noch eine schwache Lesebrille erforderlich. Für den Patienten, der eine komplette Brillenunabhängigkeit mit deutlich weniger störenden Effekten als bisher möchte, sieht Will in der Kombination einer normalen EDOF-Linse für das Führungsauge und einer Trifokallinse für das Partnerauge eine gute Lösung. Durch diese Kombination von EDOF- und Trifokallinse profitiere der Patient von den Vorteilen beider Linsentypen: Die EDOF-Linse, führte Will weiter aus, sorgt für scharfes Sehen in der Ferne und auf mittleren Distanzen, während die Multifokallinse die Nahsicht abdeckt. Gleichzeitig würden störende optische Nebenwirkungen wie Halos, Blendungen oder Kontrastschwächen, die oft bei der beidseitigen Implantation von Multifokallinsen auftreten, vermieden. Das sei möglich, weil das Gehirn in der Lage ist, unterschiedliche visuelle Informationen zu verarbeiten und sinnvoll zusammenzufügen. Der leitende Oberarzt begründete diesen Effekt damit, dass das dominante Auge mit der EDOF-Linse den größeren Anteil an Informationen liefert, weshalb das Gehirn die positiven Eigenschaften der EDOF-Linse stärker wahrnimmt. Die Seheindrücke der Multifokallinse im nichtdominanten Auge registriere das Gehirn als zweitrangig. Damit finde ein scharfes Sehen auch in der Nähe statt, allerdings blende das Gehirn jetzt die negativen Eigenschaften der Multifokallinsen aus. Abschließend fügte Will hinzu, dass beide Mix-and-Match-Methoden eine ausgewogene Lösung für beide Patientengruppen bieten können, aber eine individuelle Beratung in jedem Fall unbedingt notwendig sei.
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