DOC 2026: Wie gut sieht man nach einer Kunstlinsen-OP wirklich?

Augenarzt Dr. Thomas Will untersucht Patientin Margit K. mit dem neuen RALV-Gerät. Die Patientin möchte sich wegen Altersweitsichtigkeit und beginnendem Grauen Star künstliche Augenlinsen einsetzen lassen. Mit Hilfe des RALV-Gerätes, in das die Patientin blickt, kann sie bereits vor der OP genau feststellen, mit welchen Linsen sie später ohne Brille perfekt sehen wird.Foto:©DOC/Dr. Scharrer

Diese Frage soll ein neues Gerät mit dem Namen RALV beantworten können. Die Technik soll Patienten bereits vor dem Eingriff einen realitätsnahen Eindruck davon vermitteln, wie gut sie mit verschiedenen Kunstlinsen nach der Operation sehen könnten.

Auf der Pressekonferenz des 38. Internationalen Kongresses der Deutschen Augenchirurgie (DOC) berichtete Dr. Thomas Will (Fürth) welche Möglichkeiten RALV bietet und für welche Patienten das Gerät in Frage kommt. Zudem erörterte er, welche Vorteile ein solches Gerät für die Patienten aber auch die Ärzte darstellen kann.

Die optimale Linse finden

Wie gut sehe ich nach einer Linsen-Operation wirklich? Diese Frage beschäftigt viele Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen Kunstlinsen ins Auge einsetzen lassen wollen. Einige wollen ihre Lesebrille loswerden und andere nach einer Operation gegen den Grauen Star auch ohne Brille wieder lesen und gut sehen können.

Bisher blieb die Antwort darauf, trotz genauer Messwerte, immer etwas ungenau, wie Will erklärte. Zwar könnten Ärzte oder Linsenberater aufgrund von Untersuchungsergebnissen und den individuellen Wünschen der Patienten die wahrscheinlich optimalen Linsen empfehlen. Allerdings entspräche das tatsächliche Seherlebnis nach der OP trotz exakter Berechnungen nicht immer genau den Erwartungen des Patienten. Denn jeder Patient empfinde die jeweiligen Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Linsenmodelle anders.

RALV simuliert einen Seheindruck durch verschiedene Linsen in unterschiedlichen Setups

Doch jetzt gibt es dafür eine Lösung, teilte Will mit. Er stellte ein neu entwickeltes Gerät vor, das den Betroffenen erstmals genau zeigen kann, wie das OP-Ergebnis ausfallen wird. Laut Will ermögliche RALV (Real Artificial Lens Vision) den Patienten einen Seheindruck verschiedener Linsen vor der OP zu simulieren. Dabei gebe es nicht nur die Schönwettervariante, sondern die Simulation ermögliche auch einen Seheindruck für schlechte Sicht oder bei Dunkelheit.

„Den Blick durch die Kunstlinse gibt es für alle handelsüblichen Linsen und für verschiedene Setups“, erklärte Will. So hätten die Patienten die Möglichkeit die verschiedenen Linsen zu vergleichen, um herauszufinden mit welchen sie persönlich und individuell am besten zurechtkommen.

Der Bedarf für diesen neuen Sehtest sei groß. Schließlich gebe es neben den klassischen Standardlinsen, die entweder ein perfektes Sehen in die Ferne oder in die Nähe ermöglichen, heute zahlreiche Linsen mit Zusatzfunktion. Diese bieten zusätzlich ein scharfes Sehen in verschiedene Entfernungen und versprechen in vielen Fällen ein Leben ohne Brille. Doch ob eine Linse wirklich zu einem Patienten passt, hängt Will zufolge stark von dessen individuellem Seheindruck ab.

RALV: Ein Blick durch die Kunstlinse auf reale Objekte in unterschiedlichen Entfernungen

Das Resultat: Manche Patienten seien dann trotz neuer Linsen unzufrieden. Genau hier setzt RALV an. Es enthält ein komplexes optisches System, das die Brechkraft der körpereigenen Augenlinse vollständig neutralisiert. Dadurch sieht der Patient optisch so, als wäre seine eigene Linse bereits entfernt. Dann werden die echten Kunstlinsen in den Strahlengang eingesetzt. Der Patient blicke dann tatsächlich durch diese Linsen auf reale Objekte in unterschiedlichen Entfernungen. Dadurch entstehe derselbe Seheindruck, als wäre die Linse bereits im Auge implantiert.

So könnte man die verschiedenen Monofokal-, EDOF- und Multifokallinsen, die bei Dunkelheit mehr oder weniger stark auftretende störende Lichtphänomene wie Blendungen oder Ringe um Lichtquellen zeigen, schon vor der OP testen. Die Patienten könnten dadurch feststellen, ob und wie sehr sie das stört und so den für sie am besten geeigneten Linsentyp auswählen. Zusätzlich habe man die Möglichkeit, Sehschärfe, Kontrastsehen und weitere wichtige Sehfunktionen mit RLAV zu bestimmen und zu dokumentieren.

Für alterssichtige, auch nach LASIK-Eingriff und bei leichter Katarakt geeignet

Will berichtete, dass RALV besonders für alterssichtige OP-Kandidaten, die ohne Lesebrille auskommen möchten, geeignet sei. Dazu würden selbst Patienten, die sich in jüngerem Alter bereits einem LASIK-Eingriff unterzogen haben, gehören. Zudem ist das RALV-Gerät auch für Patienten mit einem leichten Grauen Star verwendbar, die noch mindestens 80 Prozent Sehschärfe haben, so Will. Ob die Untersuchung auch für Katarakt-Patienten mit weniger Sehschärfe in Frage komme, werde zudem derzeit in einer klinischen Studie ermittelt.

Doch auch für diese Patientengruppe gibt es Will zufolge eine Lösung. Sobald ein leichter Grauer Star festgestellt wurde, der noch nicht operiert werden muss, können die Patienten mit Hilfe von RALV schon sehr früh ausprobieren, welche Linsenmodelle für sie geeignet sind. Wenn dann später eine OP ansteht, wissen sie, mit welchen Linsen sie am besten zurechtkommen.

(sas/BIERMANN)