DOG 2021: Beim Wunsch nach Brillenfreiheit realistische Ziele definieren1. Oktober 2021 Mehrstärkenlinsen können nur bei nicht vorgeschädigten Augen implantiert werden (Symbolbild), weist Prof. Anja Liekfeld auf die Begrenzung des Kreises potenzieller Interessenten hin. Fotos: © Issara – stock.adobe.com / Liekfeld Mit einer Katarakt-Operation können heute durch die Implantation moderner Kunstlinsen alle Fehlsichtigkeiten gleichzeitig beseitigt werden. Hoffnung auf vollkommene Brillenfreiheit dürfen sich Patientinnen und Patienten mit ansonsten gesunden Augen machen, die Kompromisse eingehen wollen und können. Die Katarakt-Operation gehört zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland: Etwa 800.000 Katarakte werden jährlich operativ korrigiert. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen für die Implantation einer Standard-IOL auf, die nur eine Entfernung scharf abbildet – die meisten Patienten wählen die Ferne. „Für alle anderen Abstände benötigt man dann nach der Operation eine Brille“, erläutert Prof. Anja Liekfeld, Chefärztin der Klinik für Augenheilkunde am Ernst von Bergmann Klinikum in Postdam.Besteht der Wunsch nach weitergehender Brillenunabhängigkeit, müssen Sonderlinsen implantiert werden, die teurer sind als Standard-IOL. Dazu zählen verschiedene Mehrstärken-Linsen, die mehrere Brennpunkte oder einen erweiterten Fokus generieren und dadurch ein Sehen in unterschiedlichen Entfernungen ermöglichen. Im Fall eines Astigmatismus kommen torische Linsen zum Einsatz. Da die gesetzlichen Krankenkassen nur Eingriffe mit Standardlinsen übernehmen, müssen Patienten die Differenz für Sonderlinsen aus eigener Tasche zuzahlen. „Auch vor diesem Hintergrund ist es entscheidend, im Vorfeld einer Katarakt-Operation mit den Patienten sorgfältig zu klären, für welche Bedingungen auf eine Brille verzichtet werden soll: für die Ferne, den mittleren Abstand, die Nähe oder alle Abstände gleichermaßen“, betont Liekfeld. Wer auf allen Distanzen ohne Brille auskommen möchte, muss zunächst einmal gesundheitliche Voraussetzungen erfüllen. „Mehrstärkenlinsen kommen nur infrage, wenn das Auge – abgesehen vom Grauen Star – ansonsten gesund und nicht etwa durch altersabhängige Makuladegeneration oder den Grünen Star vorgeschädigt ist“, erklärt Liekfeld. Dies müsse durch entsprechende Voruntersuchungen sichergestellt werden. Darüber hinaus müssten die Patienten auch über die Nachteile der Sonderlinsen informiert werden, fügt die DOG-Expertin hinzu. „Mehrstärkenlinsen stellen immer einen Kompromiss dar“, erläutert Liekfeld. Beispielsweise sei das Lesen eines Buches oder einer Speisekarte nur bei guter Beleuchtung möglich, nicht etwa bei Kerzenschein. Auch das Kontrastsehen sei weniger ausgeprägt. Zu den Nachteilen gehörten darüber hinaus erhöhte Licht- und Blendempfindlichkeit bei Dämmerung und Dunkelheit – so könnten etwa Phänomene wie Halos oder Starburst auftreten. „Daher muss vor der Operation sorgfältig mit dem Patienten besprochen werden, ob die individuellen Anforderungen an das Sehen durch eine Sonderlinse erfüllt werden können“, betont Liekfeld und meint, man könne trotz aller Einschränkungen festhalten, dass die große Vielfalt an Kunstlinsen mit unterschiedlichen optischen Prinzipien und Schwerpunkten es heute ermögliche, in vielen Fällen Fehlsichtigkeiten auszugleichen und eine Brillenunabhängigkeit zu erreichen. Um realistische Ziele zu setzen und die richtigen Linsen zu wählen, so das Fazit, seien das ausführliche ärztliche Gespräch und gründliche Untersuchungen entscheidend. Vorab sollten Patienten, die an Sonder-IOL intressiert seien, zudem die Kostenübernahme durch ihre Kasse klären und sich die Zusatzkosten darlegen lassen. Termin-Tipp: Ein internationaler Experten-Talk zum Thema „Presbyopia correction with intraocular lenses: where are we in 2021?” kann am Freitag, 1. Oktober, von 14.00 bis 14.45 Uhr auf Channel 4 verfolgt werden.
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