DOG-Forderung: Aufkauf von Arztpraxen und MVZ durch Investoren begrenzen18. Oktober 2022 Claus Cursiefen. Foto.©Medizin Foto Köln/ Michael Wodak Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) sieht die Aufkäufe von Arztpraxen und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) durch primär renditeorientierte Investoren als sehr problematisch an und fordert konkrete Maßnahmen von der Bundespolitik. Ende September hat der Landtag von Schleswig-Holstein in einem Beschluss die Bundesregierung aufgefordert, Maßnahmen gegen das zunehmende Vordringen von Konzernen und Finanzinvestoren in die Strukturen der ärztlichen Versorgung wie Arztpraxen und MVZ zu unternehmen. Die DOG begrüßt diesen Beschluss und fordert, dass die Besitzverhältnisse von Praxen und MVZ für Patientinnen und Patienten transparent sein müssen. Für eine sichere ärztliche Versorgung aller Patientinnen und Patienten, unabhängig von ihrer Erkrankung, muss außerdem die Anzahl der MVZ, die ein einzelner Besitzer betreiben kann, begrenzt werden. Das Vordringen von primär renditeorientierten Investoren im niedergelassenen Versorgungsbereich ist eine Entwicklung, welche die Augenheilkunde in einem besonderen Maße betrifft. Die DOG kritisiert diese Entwicklung als problematisch: „Im Mittelpunkt des ärztlichen Handelns muss immer das Patientenwohl stehen und nicht der wirtschaftliche Profit“, betont DOG-Generalsekretär Prof. Claus Cursiefen. „Jede Patientin und jeder Patient muss sicher sein können, dass er oder sie die bestmögliche Behandlung erhält – unabhängig davon, wie lukrativ die Behandlung seiner oder ihrer Erkrankung für die Behandelnden ist“, so der Direktor des Zentrums für Augenheilkunde an der Uniklinik Köln. Es bestehe zunehmend die Gefahr, dass in den renditeorientierten Niederlassungen vermehrt nur noch lukrative Behandlungen angeboten werden, während andere Versorgungsaufgaben, welche nicht zur geforderten Rendite beitragen, leiden beziehungsweise von anderen Leistungsträgern erbracht werden müssen, so der Experte. Wenn Finanzmittel als Rendite an Investoren ausgeschüttet und so dem Gesundheitssystem entzogen werden, fehlen diese in der Patientenversorgung – insbesondere, um die Behandlung komplexerer Fälle zu refinanzieren. „Deren Behandlung müssen zunehmend Einrichtungen wie etwa Augenkliniken in öffentlicher Trägerschaft stemmen, die dadurch in finanzielle Schieflage geraten können. Die Kommerzialisierung erhöht so langfristig das Risiko von Versorgungsengpässen“, erläutert Cursiefen. „Um auch in Zukunft sicherzustellen, dass die wachsende Zahl an Patientinnen und Patienten in der Augenheilkunde gut versorgt werden kann, muss die Anzahl an Niederlassungen, die ein Unternehmen in einer Region innehaben darf, begrenzt werden“, fordert Prof. Horst Helbig, Mediensprecher der DOG und Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Regensburg. Nur so könne sichergestellt werden, dass die augenärztliche Versorgung einer gesamten Region nicht von einem einzelnen Unternehmen abhänge und – beispielsweise im Falle eines Konkurses dieses Unternehmens – vollständig zusammenbreche, so Helbig. Die DOG fordert zusätzlich, dass die Besitzverhältnisse der Praxen und MVZ transparent sein müssen. „Patientinnen und Patienten haben ein Recht zu erfahren, wer die Praxis oder das MVZ, in dem sie behandelt werden, betreibt“, ergänzt er. „Wir begrüßen, dass das Land Schleswig-Holstein die Missstände erkannt und benannt hat. Um diese aufzulösen, braucht es jetzt konkrete Maßnahmen von der Bundespolitik“, sagt DOG-Generalsekretär Cursiefen. Bereits heute leiden 18 Millionen Menschen in Deutschland an den Volkskrankheiten Glaukom oder Katarakt, diabetischer Retinopathie oder altersabhängiger Makuladegeneration. Aufgrund des demografischen Wandels wird diese Zahl bis zum Jahr 2030 um weitere 50 Prozent steigen. „Um diese Patientinnen und Patienten auch in Zukunft adäquat versorgen zu können, ist es unser Anliegen, die Augenheilkunde in ihrer gesamten Breite zu stärken und am Erhalt eines qualitativ hochwertigen Gesundheitssystems mitzuwirken“, so Helbig. Dieses Ziel hat die DOG gemeinsam mit dem Berufsverband der Augenärzte in einem Ethikkodex für die Augenheilkunde festgeschrieben.
Mehr erfahren zu: "Von Pollen, Pollution bis Proteom: Warum die Träne mehr verraten kann als das Auge" Weiterlesen nach Anmeldung Von Pollen, Pollution bis Proteom: Warum die Träne mehr verraten kann als das Auge Prof. Uwe Pleyer von der Augenklinik der Charité – Universitätsmedizin Berlin berichtet an dieser Stelle regelmäßig über aktuelle Themen aus Ophthalmologie. Dieses Mal stehen okuläre Allergien im Mittelpunkt.
Mehr erfahren zu: "Resilienz: Gehirn passt sich aktiv an" Resilienz: Gehirn passt sich aktiv an Nach einem belastenden Ereignis entwickeln einige Menschen eine stressbedingte Störung, andere hingegen nicht. Eine neue Studie zeigt, dass Resilienz kein starrer Grundzustand ist, sondern aktiven Veränderungen im Gehirn unterliegt. Sie […]
Mehr erfahren zu: "Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms" Krebsforschung: Mini-Antikörper reaktivieren den Wächter des Genoms Das Protein p53 ist in vielen Krebszellen mutiert, sodass es seine Schutzfunktion vor der Entstehung von Tumoren nicht mehr erfüllen kann. Forschern ist es jetzt gelungen, eine Art Mini-Antikörper (DARPins) […]