Doppelangriff auf den Hirntumor3. Mai 2019 Münchner Forscher haben einen neuen Weg gefunden, die Angiogenese von Glioblastomen zu bremsen. (Foto: © Design Cells – Fotolia.com) Die anti-angiogene Therapie galt lange Zeit als Hoffnungsträger im Kampf gegen alle möglichen Krebsarten. Keinen Erfolg erzielte die Behandlung bislang jedoch beim Glioblastom. Wissenschaftler des Labors für Neurochirurgische Forschung in Großhadern haben nun einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie gefunden. Vor Jahren entdeckten Wissenschaftler den VEGF-Signalweg, den Krebszellen für die Angiogenese benötigen. Doch die Blockade dieses Signalweges mittels Avastin brachte für Patienten mit Glioblastom keine entscheidenden Überlebensvorteile. Im Gegenteil: In vielen Fällen erhöht sich die Streuung von Zellen aus den Tumorherden in andere Gehirnareale noch, wodurch neue Krebsinseln entstehen. Dazu kommt, dass die Tumoren alternative molekulare Signalwege für das Gefäßwachstum aktivieren. Überlebenszeit verbessert sich deutlich Auf der Suche nach Möglichkeiten, die Angiogenese auf anderem Weg zu blockieren, haben die Münchner Forscher um Prof. Rainer Glaß nun den Signalweg um den Apelin-Rezeptor im Fokus. Bindet das Molekül Apelin an den Rezeptor, kommt die Angiogenese in Gang. In neuen Studien mit Mäusen haben Glaß, Dr. Roland Kälin, Leiter der neurovaskulären Projekte in der Neurochirurgischen Forschung, und Kollegen nun gezeigt: Ein Apelin-F13A genanntes Peptid kann den Rezeptor besetzen, sodass Apelin nicht mehr daran binden kann. „Der Angiogenese-Signalweg ist damit unterbrochen“, erklärt Kälin. Behandelt man die Mäuse gleichzeitig mit Avastin, ist auch der VEGF-Signalweg gehemmt – allerdings ohne dass Glioblastom-Zellen andere Hirnbereiche besiedeln. Im Ergebnis erhöhte sich die Lebenszeit der Nager deutlich. Was bedeuten die Erkenntnisse für Patienten? Roland Kälin hält einen Test des kombinierten Therapieansatzes an Glioblastom-Patienten für sinnvoll: „So könnte man vielleicht eine lebensverlängernde Wirkung erreichen.“ Noch besser allerdings wäre es, ein Molekül zu entwickeln, das genau wie Apelin-F13A wirkt, aber noch viel stabiler ist. Erste Gespräche mit der Pharmaindustrie haben die Münchner Forscher angebahnt. Originalpublikation: Mastrella G. et al.: Targeting APLN/APLNR improves anti-angiogenic efficiency and blunts pro-invasive side effects of VEGFA/VEGFR2-blockade in glioblastoma. Cancer Res, 4. Februar 2019
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