Dresdner BoHemE-Studie zeigt Zusammenhang zwischen Blutbildung und Knochengesundheit auf

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Bei Myelodysplastischen Neoplasien (MDS) ist die Blutbildung im Knochenmark gestört. Therapien richten sich zumeist an Blutwerten und Blutbildveränderungen aus. Die Knochengesundheit wurde bei MDS bislang weniger beachtet.

MDS gehören zu den bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems, die vor allem im höheren Lebensalter auftreten. Die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Dresden initiierte prospektive Studie „Bone and Hematology in the Elderly“ (BoHemE) zeigt, dass Menschen mit MDS bereits zu Beginn der Studie eine geringere Knochendichte aufwiesen als gleichaltrige Kontrollpersonen und im Verlauf von drei Jahren weiter Knochendichte verloren. Eine zu Beginn bestehende Osteoporose war zudem mit einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert.

Knochenalterung „im Zeitraffer“

„Bei MDS scheint der Alterungsprozess des Knochens quasi im Zeitraffer abzulaufen“, erläutert Prof. Lorenz Hofbauer eine wesentliche Erkenntnis. Er ist Leiter des UniversitätsCentrums für Gesundes Altern am Universitätsklinikum Dresden. Gemeinsam mit Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden und Spezialist für Hämatologie und Onkologie, hatte er die nun veröffentlichte Studie 2016 initiiert. Beteiligt waren neben den Universitätsklinika Dresden und Leipzig weitere nationale Partner.

Insgesamt wurden 111 Patientinnen und Patienten mit MDS sowie 84 gleichaltrige Kontrollpersonen über drei Jahre untersucht. Die Ergebnisse bestätigten, dass die Knochendichte der Studienteilnehmenden bereits zu Beginn geringer war und im Beobachtungszeitraum weiter abnahm. Zudem lieferte die Studie Hinweise auf komplexe Zusammenhänge zwischen Blutbildung und Knochengesundheit: Eine bestimmte Mutation im Gen DNMT3A in blutbildenden Zellen war mit einer geringeren Knochendichte verbunden. Auch niedrige Kalziumwerte wurden häufiger bei Personen mit geringer Knochendichte oder Osteoporose festgestellt.

„Die Ergebnisse sind für unser Verständnis von Alterungsprozessen relevant“, fasst Hofbauer zusammen. „MDS tritt vor allem im höheren Lebensalter auf – genau in einer Lebensphase, in der auch Knochenmasse, Muskelkraft und körperliche Reserven abnehmen. Häufig herrscht dann ein chronischer subtiler Entzündungsprozess ohne erkennbaren Anlass oder Infekt vor. Zudem ist MDS häufiger mit Herzinfarkten und Alzheimer-Demenz assoziiert.“

„Knochengesundheit im Blick behalten“

„Die Botschaft der BoHemE-Studie ist deshalb klar: Wer MDS umfassend behandeln will, sollte auch die Knochengesundheit im Blick behalten“, sagt Hofbauer. „Stabile Knochen, ein hoher Grad an Mobilität und erhaltene Lebensqualität gehören zum gesunden Altern und sollten bereits bei der Diagnostik und im weiteren Management von MDS systematisch berücksichtigt werden. Für die individuelle Behandlung von Knochenerkrankungen bei Menschen mit MDS stehen am Osteoporosezentrum des Universitätsklinikums Dresden geeignete Therapieoptionen zur Verfügung.“

Für die weitere Forschung eröffnet die Studie neue Ansatzpunkte, um die biologischen Zusammenhänge zwischen Blutbildung, Alterungsprozessen und Knochenstoffwechsel genauer zu untersuchen. Sie steht somit beispielhaft für einen systemmedizinischen Ansatz: Nicht ein solitärer Befund oder ein einzelnes Organ steht im Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel komplexer biologischer Systeme und klinischer Erkrankungen. Sowohl die Forschung als auch die Versorgung von Menschen mit MDS können von der interdisziplinären Zusammenarbeit von Fachkräften aus Hämatologie, Osteologie, Orthopädie, Unfallchirurgie, Informatik und evidenzbasierter Medizin profitieren. Gerade bei älteren Menschen mit komplexen Erkrankungen kann ein solcher umfassender Blick neue Zusammenhänge sichtbar machen.

In Deutschland erkranken jährlich mehrere tausend Menschen neu an MDS, wobei die Inzidenz mit dem Alter deutlich ansteigt: Während sie in der Gesamtbevölkerung bei circa vier bis fünf pro 100.000 liegt, erreicht sie bei über 70-Jährigen Werte von über 30 pro 100.000. MDS zählt zu den häufigsten malignen hämatologischen Erkrankungen.


Originalpublikation:
Weidner H et al. Bone health in myelodysplastic neoplasms: Results from the Prospective Longitudinal BoHemE Study.
Leukemia 9.10. 2026.