Drogen- und Alkoholabhängigkeit bei Frauen: Stigmatisierung erschwert Zugang zu Hilfsangeboten23. Januar 2024 Foto: © Keitma/stock.adobe.com Eine aktuelle Studie der englischen Staffordshire University ergab, dass Frauen, die Drogen und Alkohol konsumieren, sich stigmatisiert und beschämt fühlen, wenn sie professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Sarah Page, außerordentliche Professorin für soziale Gerechtigkeit und soziales Lernen an der Universität Staffordshire, England, erklärt: „Auch wenn es in einigen Bereichen hervorragende Praktiken gibt, kann es vorkommen, dass die Worte und Handlungen von Fachleuten aus den Bereichen Drogen- und Alkoholdienste, Gesundheit und psychische Gesundheit, Sozialarbeit und Strafjustiz den Frauen das Gefühl geben, versagt zu haben.“ „Wir haben festgestellt, dass Frauen sehr stark mit dem Stigma der ‘lügenden Drogenabhängigen’ behaftet sind und sich deshalb ständig beweisen müssen. Dies kann bei den Betroffenen zu erheblichen sozialen und emotionalen Schäden führen“, ergänzt die Professorin. Die Studie stützt sich auf die Erfahrungen von Frauen, die kommunale Hilfsangebote für drogen- und alkoholabhängige Menschen in den West Midlands, England, in Anspruch genommen hatten, sowie von Fachleuten in diesem Bereich. Ein wichtiges Merkmal der Studie ist, dass Frauen, die selbst Erfahrungen mit der Inanspruchnahme solcher Hilfsangebote gemacht hatten, an der Konzeption der Studie mitwirkten und bei der Durchführung der Interviews und der Auswertung der Daten halfen. Eine Frau berichtete, dass ihr nicht geglaubt wurde, nachdem sie berichtet hatte, dass ein Polizist sie sexuell missbraucht hatte. Einer anderen wurde vorgeworfen, nach Abgabe einer Urinprobe Drogen genommen zu haben, was sich als Fehler einer Fachkraft herausstellte und dazu hätte führen können, dass die Frau ihr Kind verliert, wenn die falschen Ergebnisse den Sozialdiensten mitgeteilt worden wären. Es wurden auch Hinweise darauf gefunden, dass einige Fachkräfte Ereignisse in ihren Fallnotizen falsch darstellen – sogar in juristischen Dokumenten für Gerichtsverhandlungen – was das emotionale Trauma, das Frauen erleben, noch verstärkt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich die Stigmatisierung negativ auf die Ermittlung des Behandlungsbedarfs und den Zugang zu angemessener Unterstützung auswirkt. Die sozialen Schäden für suchtkranke Frauen könnten durch rechtzeitige, authentische, ehrliche, geschlechtsspezifische und traumainformierte Praktiken erheblich reduziert werden“, kommentiert Fiona McCormack vom Zentrum für Gesundheit und Entwicklung der Universität Staffordshire. Die Autorinnen fordern deshalb Angebote ausschließlich für Frauen, um sicherzustellen, dass sich süchtige Frauen sicher fühlen und ihnen geglaubt wird. Ausgehend von den Ansichten der Frauen in dieser Studie lautet eine weitere Empfehlung, dass Experten mit eigener Suchterfahrung in der Genesungshilfe arbeiten sollten, um mehr Empathie zu zeigen und als Vorbilder zu fungieren. Zu den weiteren Empfehlungen gehören obligatorische Schulungen mit regelmäßigen Aktualisierungen für Fachkräfte in allen verwandten Diensten, die sich mit Trauma, geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Belästigung, ethischer Berufspraxis, vorurteilsfreiem Verhalten und der Reaktion auf Beschwerden von Dienstleistungsnutzern befassen.
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