Droht die Abschaffung der niedergelassenen Fachärzte?28. Juni 2023 Michael Stephan-Odenthal. Foto: Uro-GmbH Die in der Uro GmbH Nordrhein organisierten niedergelassenen Urologen kritisieren, dass die Politik von Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) einseitig die Kliniken bevorzuge und langfristig das Ende der niedergelassenen Fachärzte bedeuten könnte. In einer aktuellen Mitteilung rechnen die Urologen aus Nordrhein mit Lauterbach ab: Sie werfen ihm vor, die Meinung der niedergelassenen Fachärzte zu ignorieren und ihnen nur eine scheinbare Teilhabe zu ermöglichen. Sie sehen in den aktuellen Entscheidungen und Äußerungen des Ministers zudem einen Politikstil, der den Umbau der ärztlichen Versorgung hin zur fachärztlichen Behandlung an Kliniken forciere. Für Dr. Stephan-Odenthal, Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein und Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Deutschen Urologie (BvDU) war der 127. Deutsche Ärztetag ein Spiegel der derzeitigen gesundheitspolitischen Situation: „Einer engagierten Ärzteschaft, die sich über alle Anforderungen der Zukunft der medizinischen Versorgung Gedanken macht, standen mit Bundesgesundheitsminister Lauterbach und Landesgesundheitsminister Laumann Politiker gegenüber, die offensichtlich eine völlig eigene Agenda verfolgen. Beide wollen eine Krankenhausreform durchführen, setzen dabei vor allem auf die Ideen aus den eigenen Ministerien und wenig auf die Expertise der Ärzteschaft. Beide wollen weniger Kliniken und eine Umfunktionierung kleinerer Häuser in Gesundheitszentren und vor allem die Ambulantisierung von Leistungen durch die Kliniken forcieren, um so Geld und personelle Ressourcen zu sparen.“ Zukunftspläne ohne niedergelassene Fachärzte? „Grundsätzlich sind diese Überlegungen richtig“, sagt Stephan-Odenthal. Wie aber die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte dazu eingebunden werden sollen, bleibe bisher bei den Planungen völlig offen. Auch die bisherigen Institutionen der ärztlichen Selbstverwaltung seien bisher außen vor. Dabei müssten diese Institutionen später als Einrichtungen des öffentlichen Rechtes die Regelungen umsetzen und überwachen. „Aus dem Bundesministerium zeichnet sich das Bild eines Ministers ab, der keine anderen Meinungen hören will, weil er sich selber für den einzig wahren Experten mit ultimativem Durchblick hält“, meint Stephan-Odenthal. Lauterbachs Vision der zukünftigen Versorgung sei ein niederschwelliges Angebot in sogenannten Gesundheitskiosken, von denen in Deutschland 1000 flächendeckend eingerichtet werden sollen. „Dort werden aber keine Ärzte, sondern Personal aus Pflege und Sozialdienst arbeiten“, gibt der Urologe zu bedenken. „Diese sollen dann entscheiden, wer zum Arzt muss und dann den Hausarzt kontaktieren. Wenn Hausärzte entscheiden, dass eine fachärztliche Behandlung notwendig ist, sollen die Patienten an die Klinik überwiesen werden. Niedergelassene Fachärzte kämen dann gar nicht mehr vor!“ Notdiensttätigkeit wird für Ärzte unrentabel Auch bei der anstehenden Notdienstreform zeigen sich nach Auffassung der Uro GmbH Risse zwischen den Sektoren. Während die Krankenhausambulanzen den Führungsanspruch in der Ausgestaltung vor Ort anmelden und eine Notfallambulanz an 365 Tagen im Jahr fordern, geben die KVen zu bedenken, dass ein Betrieb der angedachten Notfallzentren nur zu Zeiten, in denen die Praxen geschlossen sind, notwendig und nicht ohne Beteiligung der Niedergelassenen möglich sei. Mitten in diesen Dissens kam nun aus dem Arbeitsministerium die Forderung, dass im hausärztlichen Notdienst tätige „Poolärzte“ als Vertreter wie angestellte Ärzte betrachtet und damit für sie Sozialabgaben abgeführt werden müssen, wie bei angestellten Ärzten. Dies bedeute für die bisher eingeteilten Vertragsärzte, dass damit eine Vertretung durch Poolärzte nahezu unmöglich bzw. unbezahlbar werde, gibt die Uro GmbH zu bedenken. „Damit soll offensichtlich Druck auf die Niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ausgeübt werden, die Notdiensttätigkeit in die Hände der Kliniken zu geben“, vermutet Stephan-Odenthal. Finanziert wird der komplette Notdienst aus den ambulanten Honorartöpfen. Somit werde die Abschaffung der niedergelassenen Fachärzte werde auch noch mit Geld aus derzeit ambulanten Töpfen bezahlt, kritisiert die Uro GmbH. Da erscheint es den Urologen, als versuche die Politik mit allen Mitteln die bisherige Versorgung in Deutschland zulasten der Praxen, insbesondere der Facharztpraxen, umzustellen. Stephan-Odenthal ist davon überzeugt: „Freie Arztwahl und damit individuelle persönliche Behandlung wird es nur noch für diejenigen geben, die bereit sind, privat oder als Selbstzahler die Kosten zu tragen. Damit hätten wir dann eine echte Zwei-Klassen-Medizin“. (Uro GmbH / ms)
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