Dysbiose und Darmkrebs-Entstehung: Klassifizierung onkobakterieller Gemeinschaften erlaubt Stratifizierung der Tumore

PARKVILLE (Biermann) – Eine Dysbiose der Darmmikrobiota wird mit der Entstehung von KRK in Verbindung gebracht. Die Mikrobiota-basierte Stratifizierung von Darmkrebsgewebe und deren Assoziation mit klinisch-molekularen Merk­malen und der Prognose ist jedoch noch immer ungeklärt.

Daher führten nun australische Wissenschaftler ein Profiling mittels bakterieller 16S-rRNA-Gensequenzierung an Tumor- und gesunden Schleimhautproben von 423 KRK-Patienten (Stadium I–IV) durch. Sie untersuchten außerdem alle Tumore auf Mikrosatelliteninstabilität (MSI), einen CpG(Cytosin-Guanin-Motif)-Insel-Methylator-Phänotyp (CIMP) sowie Mutationen in verschiedene tumorassoziierten bzw. Tumorsuppressor-Genen, Subgruppen für Chromosomeninstabilität (CIN), Mutationssignaturen und molekulare Konsensus-Subtypen (CMS). Weiterhin validierten sie die mikrobiellen Cluster in einer unabhängigen Patientenkohorte mit insgesamt  293 Tumoren im Stadium II/III.

Die Tumoren ließen sich reproduzierbar in 3 Subtypen einer onkobakteriellen Gemeinschaft (OCS) mit unterschiedlichen Merkmalen einteilen: 1. OCS1 (Fusobacterium/orale Pathogene, proteolytisch; 21 %), rechtsseitig, hochgradig, MSI-hoch, CIMP-positiv, teilweise mutierte Tumorgene; 2. OCS2 (Firmicutes/Bacteroidetes, saccharolytisch; 44 %) und 3. OCS3 (Escherichia/Pseudescherichia/Shigella, Fettsäure-b-Oxidation; 35 %), beide linksseitig und mit CIN. OCS1 war mit MSI-bezogenen Mutations­signaturen (wie SBS[Single Base Substitution]-15 und SBS20) assoziiert und OCS2 und OCS3 mit SBS18 im Zusammenhang mit Schäden durch reaktive Sauerstoffspezies. Bei Patienten im Stadium II/III bewirkten sowohl OCS1 als auch OCS3 im Vergleich zu OCS2 ein schlechteres OS bei mikrosatellitenstabilen Tumoren (multivariate HR 1,85; 95 %-KI 1,15–2,99; p=0,012 und HR 1,52; 95 %-KI 1,01–2,29; p=0,044) sowie bei linksseitigen Tumoren (multivariate HR 2,66; 95 %-KI 1,45–4,86; p=0,002 und HR 1,76; 95 %-KI 1,03–3,02; p=0,039).

Durch die OCS-Klassifizierung können KRK in 3 verschiedene Subgruppen mit distinkten ­klinisch-­
molekularen Merkmalen und Outcomes unterteilt werden. Diese Systematik erlaubt eine Mikrobiota-basierte Stratifizierung von KRK, um die Prognose zu verfeinern und die Entwicklung spezifischer Interventionen zu unterstützen. (je)

Autoren: Mouradov D et al.
Korrespondenz: Oliver M. Sieber; [email protected]
Studie: Oncomicrobial Community Profiling Identifies Clinicomolecular and Prognostic Subtypes of
Colorectal Cancer
Quelle: Gastroenterology 2023:165(1):104–120.
doi: 10.1053/j.gastro.2023.03.205