EAN präsentiert neurologische Forschungsagenda

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Die European Academy of Neurology (EAN) hat eine neurologische Forschungsagenda präsentiert und damit ein Zeichen für den dringenden Handlungsbedarf auf diesem Gebiet gesetzt.

Aktuelle Statistiken zeigen, dass mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung von neurologischen Erkrankungen betroffen sind, während die geschätzte Finanzierung für neurologische Forschung lediglich zehn Prozent des weltweiten Gesamtbudgets für Forschungsaktivitäten ausmacht. Die EAN setzt mit ihrer neuen Agenda somit ein Zeichen für den dringenden Handlungsbedarf auf diesem Gebiet.

Die beteiligten Wissenschaftler haben sieben Kategorien häufiger neurologischer Störungen identifiziert: neuroinflammatorische/neuroimmunologische Erkrankungen, Kopfschmerzen und Schmerzen, Alzheimer-Krankheit, Schlaganfall, Bewegungsstörungen, Epilepsie sowie Schlaf-Wach-Störungen. Da eine eingehende Literaturrecherche verdeutlicht hat, dass bestimmte Erkrankungen wie Schlaganfall, Multiple Sklerose und Bewegungsstörungen bereits im Fokus stehen, hebt die EAN hervor, dass Kopfschmerzen und Schmerzen, Alzheimer, Epilepsie und Schlaf-Wachstörungen nun mit höchster Priorität erforscht werden sollten.

Schlaf als ein Schlüssel zur Hirngesundheit

Für Prof. Ulf Kallweit, Mitglied der EAN und Inhaber der Stiftungsprofessur für Narkolepsie- und Hypersomnolenzforschung der Universität Witten/Herdecke (UW/H), ist dies ein großer Schritt in die richtige Richtung: „Schlaf ist von zentraler Bedeutung für die Hirngesundheit. Schlafstörungen sind sehr wahrscheinlich mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer verbunden. Ich freue mich sehr darüber, dass die Erforschung von Schlaf- und Wachstörungen von der europäischen Akademie für Neurologie auf die prioritäre Forschungsagenda gesetzt wurde. Dadurch kann ein größeres Bewusstsein für die Bedeutung dieser Erkrankungen geschaffen und die Förderung erleichtert werden.“

Kallweit selbst arbeitet aktuell etwa an einer Studie, die den Einfluss einer Ernährungsumstellung auf Narkolepsie untersucht. In internationalen Studienkonsortien untersucht er zudem, welche familiären beziehungsweise genetischen Einflüsse es auf Schlaf- und Wacherkrankungen gibt.

Strategische Forschungsagenda soll Forscher, Kliniker und Förderorganisationen leiten

Eine spezialisierte Umfrage unter wissenschaftlichen EAN-Gremien, Neurologen und Patienten hat darüber hinaus gezeigt, dass globale Forschungslücken u. a. bei der Verbesserung von Behandlungsoptionen, dem Verständnis der zugrundeliegenden Krankheitsmechanismen sowie bei internationaler Zusammenarbeit und Prävention bestehen. Insbesondere der Prävention sollte mehr Beachtung in der Forschung zukommen.

Der EAN zufolge fungiert die Agenda als Instrument zur Priorisierung neurologischer Forschung und bietet eine klare Roadmap für klinischen Fortschritt. Die European Academy of Neurology ruft dazu auf, sich gemeinsam für eine intensivierte Forschung einzusetzen, um die Last neurologischer Erkrankungen zu mindern und das Bewusstsein für deren Auswirkungen zu schärfen.