EAU-Kongress zeigt Fortschritte beim Prostatakrebs-Screening16. März 2026 Der diesjährige EAU-Kongress fand in London statt. Foto: heyengel – stock.adobe.com Beim 41. Kongress der European Association of Urology (EAU) vom 13.-16.03.2026 in London (Großbritannien) präsentierten die Referenten in fast 300 Abstracts aktuelle Forschungsergebnisse zum Prostatakrebs-Screening. Die Arbeiten belegen die Fortschritte auf diesem lange Zeit umstrittenen Feld. „Wir wissen, dass Screening Leben retten kann“, so Tobias Nordström, Professor am Karolinska-Institut in Schweden und Mitglied des Wissenschaftlichen Kongressbüros der EAU. „Dies wurde dieses Jahr durch 30-jährige Daten aus der längsten laufenden Prostatakrebs-Screening-Studie bestätigt. In den letzten zehn Jahren konzentrierte sich die Forschung darauf, Überdiagnosen und unnötige Schäden zu reduzieren und gleichzeitig den Nutzen der Lebensrettung zu erhalten. Ein wichtiges Instrument hierfür ist die Magnetresonanztomographie (MRT), und derzeit wird erforscht, wie wir sie in der klinischen Praxis optimal einsetzen können.“ Positiver Effekt nimmt mit der Zeit zu Die randomisierte, kontrollierte Göteborg-1-Studie begann 1994 und umfasste 20.000 Männer im Alter von 50 bis 64 Jahren. Die Hälfte wurde bis zum 70. Lebensjahr alle zwei Jahre zu einem PSA-Test eingeladen und bei einem PSA-Wert von 3 ng/ml oder höher direkt zur systematischen Biopsie überwiesen. Die andere Hälfte wurde nicht zum Screening eingeladen. Durch das Screening konnte nach 15 Jahren bei 311 eingeladenen Männern ein Todesfall verhindert werden, nach 30 Jahren bei 161 Männern. Nach 15 Jahren konnte durch das Screening bei 13 diagnostizierten Männern ein Todesfall verhindert werden, nach 30 Jahren bei 6 diagnostizierten Männern. Dr. Jonas Hugosson, leitender Wissenschaftler an der Urologischen Klinik der Universität Göteborg, erklärte: „Dies ist die längste Nachbeobachtungszeit einer Screening-Studie und zeigt, dass der positive Effekt des Screenings auf die Sterblichkeit durch Prostatakrebs mit der Zeit weiter zunimmt. Es ist jedoch auch deutlich geworden, dass durch das Screening Tumore entdeckt werden, die sonst unentdeckt blieben und keinen Anlass zur Sorge gäben. Diese Überdiagnose könnte auf den in der Studie angewandten Diagnoseweg zurückzuführen sein, der mittlerweile durch die MRT und die Risikostratifizierung zur Reduzierung der Anzahl klinisch insignifikanter Tumore überholt ist.“ Expertenkonsens zur MRT beim Prostatakrebs-Screening Durch die Hinzunahme der MRT in das Screening soll die Anzahl von Biopsien reduziert werden. Für eine sinnvolle Nutzung der MRT im Prostatakrebs-Screening haben 21 Experten, darunter Urologen, Radiologen und Pathologen aus ganz Europa und Nordamerika, einen Konsens erarbeitet (Prostate Imaging Standards for Screening Magnetic Resonance Imaging, PRISM). Die Anwendung der MRT gemäß den PRISM-Empfehlungen könnte signifikante Prostatakarzinome erkennen und gleichzeitig Überdiagnosen und unnötige Biopsien reduzieren. Die von Forschern des Imperial College London geleitete Studie analysierte bestehende Forschungsergebnisse und formulierte über 300 Aussagen, die detailliert beschreiben, wann und wie die MRT im Prostatakrebs-Screening optimal eingesetzt werden sollte, wie die MRT-Bilder zu interpretieren sind, welche Indikationen für eine Biopsie vorliegen und wann weitere Screening-MRT-Untersuchungen erforderlich sind. Nikhil Mayor, Doktorand am Imperial College London, sagte: „Wir hoffen, dass die PRISM-Empfehlungen breite Anwendung finden, um die Protokolle für zukünftige Screening-Pilotprojekte, Studien und Programme zu standardisieren. Die Empfehlungen werden in der wegweisenden TRANSFORM-Studie zur Prostatakrebsvorsorge angewendet, in der 10-minütige, kontrastmittelfreie ‚Prostagram‘-MRT-Scans zur Untersuchung von bis zu 300.000 Männern eingesetzt werden.“ Risikobasierter Ansatz reduziert MRT-Überweisungen Die MRT kann zwar helfen, unnötige Biopsien zu reduzieren, aber auch die MRT-Untersuchungen selbst sind nicht immer notwendig. Laut vorläufigen Daten der PRAISE-U-Studie können MRT-Überweisungen um 40–60 % reduziert werden, wenn zusätzlich zum PSA-Wert eine Risikostratifizierung angewendet wird. Frühere Studien haben gezeigt, dass bis zu 70 % der MRT-Untersuchungen unnötig sein können, wenn der PSA-Wert ohne zusätzliche Risikostratifizierung verwendet wird. Im Rahmen der PRAISE-U-Studie implementieren fünf europäische Pilotzentren einen risikostratifizierten Algorithmus zur Prostatakrebsvorsorge für Männer im Alter von 50–69 Jahren. An den Pilotstandorten wird entweder die PSA-Dichte oder der Rotterdamer Prostatakrebs-Risikorechner (RPCRC) zur Risikostratifizierung nach PSA-Bestimmung verwendet, wobei verschiedene Methoden zur Beurteilung des Prostatavolumens eingesetzt werden (digitale rektale Untersuchung, transrektaler Ultraschall und transabdominaler Ultraschall). Alle Risikostratifizierungsmethoden reduzierten die absolute Anzahl der MRT-Überweisungen. Zentren, die den RPCRC in Kombination mit transrektalem Ultraschall verwendeten, verzeichneten die größte Reduktion unnötiger MRT-Untersuchungen. Meike van Harten, Doktorandin am Erasmus MC Cancer Institute University Medical Centre in Rotterdam (Niederlande) erklärte: „Die Einführung bevölkerungsbasierter Prostatakrebs-Screening-Programme in Europa könnte dazu führen, dass allein aufgrund des PSA-Werts rund 5 Millionen Männer zu einer MRT-Untersuchung überwiesen werden. Wir müssen Wege finden, die Nachfrage nach MRT-Untersuchungen zu reduzieren, damit weniger Männer unnötigen Tests unterzogen werden und diejenigen, die eine MRT benötigen, zeitnah eine Diagnose erhalten. PRAISE-U zeigt, wie eine Gruppe von Männern mit geringerem Risiko identifiziert werden kann, die weitere Untersuchungen sicher vermeiden können, sodass nur diejenigen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs zu einer MRT überwiesen werden.“ Biomarker-basierter Test reduziert MRTs und Biopsien Ein weiterer Weg, unnötige MRTs und Biopsien zu vermeiden, ist der Biomarker-basierte Bluttest „Stockholm3“. Dieser nutzt einen Algorithmus, der Protein- und genetische Biomarker mit klinischen Informationen kombiniert. Der Test kann die Notwendigkeit von MRT-Untersuchungen um 67 % und von Biopsien um 40 % reduzieren, wie auf dem EAU-Kongress präsentierte Daten zeigen. In der Studie wurde das Standard-PSA-Screening mit dem PSA-Test plus dem Stockholm3-Bluttest verglichen. Insgesamt wurden 17.801 Männer (2023) und 30.556 Männer (2024) zu organisierten Prostatauntersuchungen eingeladen. Davon nahmen 13.733 Männer im Alter von 50 bis 52 Jahren an der Studie teil. Die Studie ergab, dass die Durchführung des Stockholm3-Tests vor einer MRT bei Männern mit einem PSA-Wert von 2 ng/ml oder höher zu 67 % weniger MRT-Untersuchungen führte. Prof. Ugo Falagario von der Universität Foggia (Italien) und einer der Studienleiter, präsentierte die Ergebnisse auf dem EAU-Kongress. Er sagte: „Seit der Einführung von Prostatakrebs-Screeningprogrammen in den meisten schwedischen Regionen ist die Nachfrage nach MRT-Untersuchungen sehr hoch. Stockholm3 hat sich bereits als vorteilhafter Ansatz zur Prostatakrebsfrüherkennung erwiesen. Wir zeigen nun, dass er in bevölkerungsbasierte, organisierte Prostatakrebs-Screenings integriert werden kann, um nur diejenigen mit potenziell höherem Krebsrisiko zu identifizieren, die eine Überweisung zu einer MRT-Untersuchung und einer Biopsie benötigen – wodurch die Nachfrage nach bildgebenden Verfahren deutlich reduziert wird.“ Psychische Belastungen durch Prostatakrebs-Screening Eine weitere beim EAU-Kongress präsentierte Arbeit widmete sich den psychischen Auswirkungen des Prostatakrebs-Screenings. Demnach ist etwa ein Viertel der Männer mit einem erhöhten PSA-Wert im Vorfeld der Biopsie besorgt, aber nur sehr wenige leiden unter schweren Angstzuständen. Im Rahmen der Göteborg-2-Prostatakrebs-Screeningstudie in Schweden wurden 692 Männer mit einem erhöhten PSA-Wert zu ihrem Ausmaß an Angstzuständen, Depressionen, Belastung und Sorgen befragt. 3,8–4,8 % der Männer berichteten nach der Überweisung zu MRT und Biopsie von mäßigen bis schweren Angstzuständen. Die größten Auswirkungen zeigten sich kurz vor der Biopsie: 9,7 % der Männer berichteten von psychischer Belastung, 26 % gaben an, sich Sorgen zu machen, und 4,2 % sagten, es beeinträchtige ihren Alltag. Dr. Linda Svensson, Fachkrankenschwester für Onkologie an der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Sahlgrenska in Schweden, erklärte: „Eine der Bedenken im Zusammenhang mit dem Prostatakrebs-Screening betrifft das Verhältnis von Nutzen und Risiken für die teilnehmenden Männer, einschließlich psychischer Belastungen. Es ist verständlich, dass Männer sich Sorgen machen, wenn ihr PSA-Wert erhöht ist und sie zu weiteren Untersuchungen überwiesen werden. Unsere Studie zeigt jedoch, dass schwere Angstsymptome selten sind. Dies belegt, dass das Risiko psychischer Belastungen durch moderne Prostatakrebs-Screening-Programme gering ist.“ (ms)
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