EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland nehmen gemeinsam Stellung zur bevorstehenden Auflösung des ÄZQ19. April 2024 Bild: ©domoskanonos – stock.adobe.com Mit großen Bedenken haben das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) und Cochrane Deutschland die Meldung von der zum Jahresende geplanten Auflösung des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ) aufgenommen. Sollte diese Entscheidung nicht revidiert werden können, muss sichergestellt sein, dass die Aufgaben des ÄZQ in neuen Strukturen nach den bewährten methodischen Standards der evidenzbasierten Medizin unabhängig von Einflussnahme durch einzelne Interessensgruppen umgesetzt werden. Nach bisher bekannt gewordenen Informationen wurde die Auflösung von den Trägern des ÄZQ, d. h. der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Anfang April beschlossen [1]. Nach seiner Gründung im Jahr 1995 als gemeinsames Institut von BÄK und KBV zur Unterstützung bei Aufgaben im Bereich der Qualitätssicherung der ärztlichen Berufsausübung entwickelte sich das ÄZQ in kürzester Zeit zum Kompetenzzentrum der Ärzteschaft für Leitlinien, Patienteninformationen, Patientensicherheit und Wissensmanagement und damit zu einer der zentralen EbM-Institutionen in Deutschland. Das ÄZQ ist Initiator und Mitglied des EbM-Netzwerks und langjähriger Kooperationspartner von Cochrane Deutschland. Das EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland sehen durch den aktuellen Entschluss den Fortbestand der vom ÄZQ herausgegebenen und koordinierten Nationalen VersorgungsLeitlinien und Patientenleitlinien in der bisherigen Qualität, Zugänglichkeit und Unabhängigkeit in Gefahr. Diese auf hohem methodischem Niveau und unabhängig von politischer oder interessengeleiteter Einflussnahme entwickelten und regelmäßig aktualisierten evidenzbasierten Wissensressourcen stellten eine wesentliche Säule für die Patientensicherheit und Versorgungsqualität in Deutschland dar, argumentieren EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland. Sie ermöglichten Entscheidungsträgern im Gesundheitssystem, den klinisch Handelnden sowie allen Bürgern den Zugang zu einfach verständlichen, aktuellen und wissenschaftlich begründeten Informationen über Vor- und Nachteile verschiedener Versorgungsoptionen. Die sektorenübergreifenden Nationalen VersorgungsLeitlinien für bestimmte chronische Erkrankungen wie Asthma bronchiale, Diabetes mellitus oder Herzinsuffizienz sind Grundlage von Disease Management-Programmen, Qualitätsindikatoren und Patientenleitlinien und bieten allen an der Versorgung Beteiligten wichtige und einheitliche Orientierung bei der Entscheidung über erforderliche diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Bisher seien die sachlichen Gründe für die Entscheidung zur Auflösung des ÄZQ unklar, heißt es in der Stellungnahme weiter. Das EbM-Netzwerk und Cochrane Deutschland fordern, dass bei allen weiteren Entscheidungen in Bezug auf das ÄZQ sichergestellt wird, dass die Aufgaben des ÄZQ, insbesondere die Koordination und Bereitstellung der Nationalen VersorgungsLeitlinien und die Entwicklung und Bereitstellung hochwertiger evidenzbasierter Patientenleitlinien, auch bei einer Überführung in andere Strukturen weiterhin nach den bewährten methodischen Standards unabhängig von Einflussnahme durch einzelne Interessensgruppen umgesetzt werden. Darüber hinaus halten sie es für wichtig, dass die Gründe für die Entscheidung zur Auflösung des ÄZQ transparent gemacht werden.
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