Ein Unglück kommt selten allein: Wie eine Grippevirusinfektion das Immunsystem schwächt10. Dezember 2025 Abbildung: © Tierney/stock.adobe.com Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat ein vielversprechendes Zielmolekül als neue Behandlungsoption bei schwerer Influenza identifiziert. Das Influenzavirus kann sehr unterschiedliche Krankheitsverläufe auslösen. Besonders gefährlich ist, dass eine Grippe die Lunge anfällig für zusätzliche bakterielle Infektionen macht, die eine schwere Pneumonie auslösen können. In einigen Fällen kann sich daraus sogar eine Sepsis entwickeln. Der Grund: Bei einer Infektion mit dem Influenzavirus wird ein wichtiger Abwehrmechanismus in der Lunge außer Kraft gesetzt. Wie das funktioniert, hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Susanne Herold, Professur für Innere Medizin, Infektiologie und experimentelle Pneumologie an der JLU nun herausgefunden – und damit einen möglichen neuen Therapieansatz aufgezeigt. Die Ergebnisse der Studie haben die Forschenden im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht.Ein wichtiger Bestandteil der körpereigenen Abwehr in der Lunge sind gewebsresidente Alveolarmakrophagen. Sie bilden eine entscheidende erste Barriere gegen Krankheitserreger. Schwere Influenzavirusinfektionen führen häufig dazu, dass diese Zellen zugrundegehen. Folgen der Aufnahme von TNFSF14 durch Makrophagen Das Forschungsteam hat nun entdeckt, dass Neutrophile bei einer schweren Influenzavirusinfektion in die Lunge einwandern. Dabei setzen sie ein Molekül frei, das zur Tumornekrosefaktor-Superfamilie (TNFSF) gehört. Diese Gruppe von Signalstoffen ist für die Auslösung der Apoptose bekannt. Die Untersuchungen zeigen: Sobald das TNFSF14 genannte Molekül von Alveolarmakrophagen aufgenommen wird, führt es zum Absterben dieser wichtigen Immunzellen. Damit verliert die Lunge einen wesentlichen Schutzmechanismus, was den Weg für bakterielle Erreger freimacht – oft mit schwerwiegenden, im Extremfall lebensbedrohlichen Folgen. Immunmechanismen früh unterstützen „Diese neuen Erkenntnisse verdeutlichen, wie entscheidend es ist, die Immunmechanismen der Lunge bereits in der frühen Phase einer Virusinfektion zu unterstützen“, erklärt Erstautorin Dr. Christina Malainou, Ärztin in der Medizinischen Klinik V des Universitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM) am Standort Gießen. „Gleichzeitig weisen sie auf mögliche neue Therapieansätze hin, die gezielt in diesen Prozess eingreifen“, ergänzt die angehende Infektiologin. „Solche Strategien könnten nicht nur bei Influenza-Pneumonien, sondern auch bei anderen schweren Virusinfektionen – einschließlich COVID-19 – von großem Nutzen sein.“An der Studie beteiligt waren Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen der Gießener Infektions- und Lungenforschung – dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) am Standort Gießen, dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung, dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung, dem Institut für Lungengesundheit, dem Exzellenzcluster Cardiopulmonary Institute, den Universitäten Düsseldorf und Bonn sowie der Freien Universität Berlin. Weiter beteiligte Forschende arbeiten am Instituto de Biología Molecular y Celular der Universität León (Spanien) und des Instituto de Investigación en Biomedicina de Buenos Aires (Argentinien).
Mehr erfahren zu: "Welttag der vernachlässigten Tropenkrankheiten" Welttag der vernachlässigten Tropenkrankheiten Anlässlich des Welttages der vernachlässigten Tropenkrankheiten am 30. Januar hat das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) ausgewählte Forschungsthemen vorgestellt – so auch zu den Erkrankungen Onchozerkose und Loiasis, die die […]
Mehr erfahren zu: "Krebs durch Impfung: Was hinter dieser Falschmeldung steckt" Krebs durch Impfung: Was hinter dieser Falschmeldung steckt Impfgegner sind auch nach der Corona-Pandemie in sozialen Netzwerken unterwegs. Sie warnen vor angeblich schwersten Nebenwirkungen und sprechen von „Turbokrebs“. Wie belastbar sind diese Behauptungen?
Mehr erfahren zu: "Hochdosiertes iNO bei bakterieller Pneumonie: Präklinische Evidenz und erste Sicherheitsdaten" Hochdosiertes iNO bei bakterieller Pneumonie: Präklinische Evidenz und erste Sicherheitsdaten Angesichts steigender Antibiotikaresistenzen werden händeringend therapeutische Alternativen mit antibakterieller Wirkung gesucht. Erste Versuche deuten auf hochdosiertes Stickstoffmonoxid (NO) als mögliche adjuvante Option zur Behandlung einer schweren Pseudomonas-aeruginosa-Pneumonie.