Ein weiterer Schritt zur Parkinson-Frühdiagnose24. Juni 2021 Schon zwei Monate nach der Infektion, wenn das Gehirn noch nicht betroffen ist, zeigen Darmpräparate von Parkinson-Mäusen (r.) bereits deutliche Auffälligkeiten gegenüber denen von gesunden Mäusen (l.). (Abb.: © Hochschule Saarbrücken) Schon lange ist Prof. Karl-Herbert Schäfer von der Hochschule Kaiserslautern davon überzeugt, dass ein Schlüssel zur Frühdiagnose von Parkinson im Darm liegen kann. Nun konnte er mit seinem Team nachweisen, dass Parkinson-Mäuse schon lange vor dem sichtbaren Ausbruch der Krankheit funktionelle und molekulare Veränderungen im Verdauungstrakt zeigen. In ihrer Studie konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund um Karl-Herbert Schäfer aus dem Fachbereich Informatik und Mikrosystemtechnik am Hochschul-Campus Zweibrücken, insbesondere die beiden Erstautorinnen Manuela Gries und Anne Christmann, nachweisen, dass das Laufverhalten von jungen Mäusen, die ein Parkinsongen tragen, noch völlig unauffällig ist und sich lediglich bei älteren Tieren Unregelmäßigkeiten im Gang zeigen. Der Darm der jungen Tiere wies in der Untersuchung hingegen schon sowohl funktionelle als auch molekulare Veränderungen auf. So zeigten sich bei diesen Tieren im Alter von zwei Monaten bereits deutliche Einschränkungen der Darmtätigkeit. Diese wurde an isolierten Darmpräparaten in einem Organbad untersucht. Auf molekularer Ebene fanden sich im Darmnervensystem zusätzlich eine ganze Reihe veränderter Proteinmuster. Einzelne Proteine waren deutlich weniger vertreten als in der Kontrollgruppe. Das Gleiche gilt für Mikro-RNA. Dem Team ist es damit nach eigenen Angaben gelungen, zum ersten Mal überhaupt Veränderungen der mi-RNA im Darmnervensystem nachzuweisen. Die Ganganalyse wurde bei den Untersuchungen auf einer Art Laufsteg für Mäuse durchgeführt (Medizinische Fakultät Homburg). Dabei war es sehr gut möglich, die Bewegungsmuster wie Schrittlänge und -geschwindigkeit, Auftritt der Pfoten etc. zu analysieren. Bei den jungen Tieren zeigten sich hier, wie erwähnt, keine Auffälligkeiten, lediglich bei den alten Mäusen zeigten sich Unregelmäßigkeiten. “Wir sehen diese Arbeit als Meilenstein zur Entwicklung einer Strategie zur Früherkennung von Parkinsonerkrankungen im Darm“ fasst Prof. Karl-Herbert Schäfer die Ergebnisse zusammen. „Ohne eine frühzeitige Entdeckung der Erkrankung ist eine kausale Therapie nicht denkbar. Jetzt müssen diese Ergebnisse auf den Menschen übertragen werden.” Deswegen sollen in einer zweiten Stufe diese Erkenntnisse mit Befunden am Menschen abgeglichen werden. Ziel soll es sein, dass entweder über Blut (liquid biopsy) oder Schleimhautbiopsien, die im Rahmen einer Darmspiegelung gemacht werden, diese Veränderungen festgestellt werden können. Das wird realistisch gesehen noch einige Jahre in Anspruch nehmen, denn hier bedarf es einer großen Studie an Parkinson-Patienten, bei denen man auch Zugriff auf Darmgewebe hat. Originalpublikation: Gries M et al.: Parkinson mice show functional and molecular changes in the gut long before motoric disease onset. Molecular Neurodegeneration 2021;16:34.
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