Ein wichtiger Schritt hin zur Präzisionsmedizin beim Diabetes11. Oktober 2023 Foto: © Stevepb, Pixabay Internationale Wissenschaftler haben einen Konsensbericht zur Präzisionsmedizin bei Diabetes veröffentlicht. Dieser Bericht zeigt Wege auf, wie sich personalisierte Ansätze zur Vorbeugung und Behandlung von Diabetes in die klinische Praxis integrieren lassen. Gleichzeitig weist er auf bestehende Wissenslücken hin. Diabetes ist mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Erst im September dieses Jahres wurde dieser Zusammenhang anhand einer Auswertung der Daten von mehr als 1,5 Millionen Menschen erneut bestätigt. Dabei wurde festgestellt, dass beispielsweise ein 50-jähriger Mensch durchschnittlich 14 Jahre weniger Lebenszeit hat, wenn ein Typ-2-Diabetes im Alter von 30 Jahren diagnostiziert wurde. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei diesen Zusammenhängen. Genau diese verschiedenen Ausprägungen haben internationale Wissenschaftler:innen im Rahmen des zweiten International Consensus Report der Precision Medicine in Diabetes Initiative (PMDI) untersucht und an maßgeschneiderten Ansätze zur Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes gearbeitet.Unter der Leitung der Amerikanischen (American Diabetes Association [ADA]) und Europäischen (European Association for the Study of Diabetes [EASD]) Diabetes-Fachgesellschaften haben sich 200 Forschende aus 28 Ländern an der Erstellung dieses Konsensberichts beteiligt. Aus Deutschland nahmen vier Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) teil: Prof. Norbert Stefan vom Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen von Helmholtz Munich an der Universität Tübingen und Prof. Robert Wagner, Dr. Katsiaryna Prystupa und Dr. Martin Schön vom Deutschen Diabetes-Zentrum in Düsseldorf. Die deutschen Experten erarbeiteten dabei vor allem Wege zur Präzisionsdiagnostik des Typ-2-Diabetes. Diese werden auch detailliert in einer von 15 Zusatzpublikationen im Wissenschaftsjournal ‘Communications Medicine’ veröffentlicht.Stefan, der sich seit langem mit der Risikoeinschätzung von Typ-2-Diabetes und den Ursachen dieser Erkrankung, insbesondere der Fettverteilung und der Fettlebererkrankung, beschäftigt, betont: „Ähnlich wie in der Krebsmedizin haben wir auch bei der Erforschung des Diabetes Betroffene identifiziert, bei denen die etablierten Präventions- und Therapieoptionen nicht ausreichen, um die Erkrankung gut zu behandeln. Jetzt gilt es, Marker und maßgeschneiderte Behandlungen zu finden, welche schnell im klinischen Alltag eingesetzt werden können.“Wagner, der zusammen mit seinen Kollegen in einer vielbeachteten Studie Subgruppen von Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko und den damit verbundenen Folgeerkrankungen identifiziert hat („Nature Medicine”, 2021), erklärt: „Es ist wichtig, dass wir uns bei der Risikoabschätzung des Diabetes und seiner Komplikationen mehr auf die verschiedenen Ursachen fokussieren, die den jeweiligen Subgruppen hauptsächlich zugrunde liegen und bereits Jahre vor dem Auftreten des Diabetes den Stoffwechsel ungünstig beeinflussen. Unterschiedliche Maße von Insulinproduktion, Insulinwirkung und genetischem Risiko, aber auch das Alter der Diabetesmanifestation sollten in Zukunft stärker berücksichtigt werden.“Im Rahmen ihrer Arbeit im DZD haben die deutschen Forschenden die Möglichkeit, im engen wissenschaftlichen Austausch mit ihren Kollegen an den verschiedenen Standorten des DZD sowie auch durch internationale Kooperationen weiter auf diesem wichtigen Forschungsfeld zu arbeiten. Durch translationale Forschungsansätze und damit verbundene klinische Studien können sie neue Erkenntnisse gewinnen, die Bestandteil nicht nur von nationalen, sondern auch von internationalen Ansätzen zur Etablierung der Präzisionsmedizin beim Diabetes sein werden.
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