EinDollarBrille e.V.: Eigenes Ausbildungskonzept für Best-Spherical-Correction entwickelt25. Oktober 2019 Geringer Aufwand, hoher Nutzen – die EinDollarBrille. Foto: © Martin Aufmuth Rund eine Milliarde Menschen weltweit leiden an einer Sehschwäche, die korrigierbar wäre. Dies geht aus dem im Oktober vorgelegten ersten „World Report on Vision“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervor, wie der Verein EinDollarBrille e.V. jetzt mitteilte. Besonders betroffen von augenmedizinischer Unterversorgung sind dem WHO-Report zufolge Länder mit niedrigen Einkommen – insbesondere in Süd- und Südostasien sowie Subsahara-Afrika –, Menschen in ländlichen Regionen, ethnische Minderheiten und Indigene sowie Menschen mit Behinderungen und ältere Personen. Die zuständige Koordinatorin bei der WHO, Alarcos Cieza, zitiert der Verein mit folgendem Statement: „Millionen von Menschen haben eine erhebliche Sehbehinderung und können nicht vollständig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, da sie keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben. In einer Welt, die so stark auf der Fähigkeit zu sehen basiert, muss augenoptische Versorgung näher an die Menschen gebracht werden, um ihr maximales Potenzial zu entfalten.“ Einjähriges AusbildungskonzeptDer EinDollarBrille e.V. adressiert dieses globale Problem nach eigenen Angaben „mit einer nachhaltigen und umfassenden Systemlösung, die auf eine langfristige Verbesserung und lokale Wertschöpfung abzielt“. Die EinDollarBrille, das Kernprodukt dieser Lösung, sei optimal an die Lebensbedingungen Bedürftiger in Entwicklungsländern angepasst. Ihr Verkaufspreis liege bei zwei bis drei lokalen Tageslöhnen; damit sei sie auch für sehr arme Menschen bezahlbar. Die Brillen würden in den Projektländern der Organisation von trainierten lokalen Fachkräften produziert und vertrieben; so entstünden Arbeitsplätze, Wertschöpfung bleibe im Land und die lokalen Mitarbeitenden könnten sich eine Existenz aufbauen. Um dem eklatanten Mangel an Fachkräften in Entwicklungsländern, insbesondere für die Versorgung der Armen, zu verringern, hat der EinDollarBrille e.V. zudem in enger Zusammenarbeit mit Augenärzten und Optikern ein eigenes, einjähriges Ausbildungskonzept für Best-Spherical-Correction (BSC) entwickelt. Dieses, so heißt es, befähige dazu, beim Sehtest zuverlässig das bestmögliche sphärische Brillenglas zu finden und die Brille fachkundig anzupassen. Erschließung neuer Länder – Pilotprojekte über PartnerschaftenDerzeit ist die Organisation laut Mitteilung unter anderem in Burkina Faso, Malawi, Bolivien, Brasilien und Indien aktiv. Die Schwesterorganisation EinDollarBrille Schweiz wiederum engagiere sich für die Ausbildung von EinDollarBrille-Optikern und die Verbreitung der Brillen in Myanmar. In diesem Jahr sei außerdem der Start des Projektes in Peru erfolgt. Zudem öffne sich die Organisation über das sogenannte P-Modell (für „Partner“) für Partnerschaften außerhalb ihrer klassischen Projektländer: „Nach einer Evaluierung durch den EinDollarBrille e.V. erhalten interessierte Organisationen Zugang zu EinDollarBrillen, und haben die Möglichkeit, das Social Business Modell des EinDollarBrille e.V. bei sich vor Ort zu testen“, erklärt der Verein. Zur Einhaltung der strengen Qualitätsstandards sei eine solche Zusammenarbeit jedoch an gewissen Voraussetzungen gebunden, unter anderem an die Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte im jeweiligen Land. Ausbau Vertriebsnetz und Förderung sozialer EntwicklungGleichzeitig baut der EinDollarBrille e.V. in seinen Projektländern kontinuierlich seine Vertriebskanäle aus, um eine schnellere und effizientere Verbreitung seiner Brillen zu fördern. Dazu gehört der Aufbau von Brillenzentren an zentralen Punkten, ergänzt durch sogenannte Outreaches, speziell in ländlichen Regionen. In Indien werden diese Outreaches inzwischen teilweise auch abends oder nachts durchgeführt, um auch die Menschen zu erreichen, die tagsüber verhindert sind. Seit seiner Gründung 2012 hat der EinDollarBrille e.V. laut eigener Mitteilung bereits mehr als 215.000 Menschen mit individuell angepassten und bezahlbaren Brillen versorgt; noch sehr viel mehr Menschen hätten über einen kostenlosen Sehtest ebenfalls eine Form der Vorsorge erhalten. Zudem habe der Verein in seinen Projektländern rund 220 Arbeitsplätze geschaffen. „Eine Chance erhalten dabei auch Menschen, die sich aus verschiedenen Gründen auf dem lokalen Arbeitsmarkt schwertun: In Burkina Faso beschäftigt die Organisation bereits über 60 Mitarbeitende und zählt damit bereits zu den großen Arbeitgebern des Landes“, betont der EinDollarBrille e.V. Alle Personen seien vorher arbeitslos gewesen, vier seien Analphabeten; sieben Prozent seien Menschen mit Behinderungen. Der Frauenanteil im lokalen Team liege derzeit mit 38 Prozent schon verhältnismäßig hoch und soll weiter auf 50 Prozent wachsen (alle Zahlen Stand Ende 2018). Der wachsende Bedarf an Führungskräften werde zum großen Teil aus den eigenen Reihen gedeckt. „Der aktuelle WHO-Bericht, aber auch unsere tägliche Erfahrung vor Ort zeigt den massiven Einfluss, den die individuelle Sehfähigkeit auf praktisch alle Lebensbereiche der Menschen hat – und damit auch auf die Entwicklung ganzer Länder“, kommentiert Martin Aufmuth, Gründer und Vorstand des EinDollarBrille e.V. „Die Situation ist anhaltend dramatisch, und das wollen wir ändern. Für uns hat jedoch ein nachhaltiger Systemwandel und die Schaffung von Bewusstsein für die Bedeutung guten Sehens Vorrang vor schnellen Ergebnissen, die nur kurzfristig Wirkung zeigen.“ Das Ziel der Organisation sei eine Grundversorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern, die den gesamten Prozess vom kostenlosen Sehtest über die lokale Brillenproduktion bis hin zu einem nachhaltigen Wartungs- und Ersatzglas-Service vor Ort umfasst. Weitere Informationen: https://www.who.int/news-room/detail/08-10-2019-who-launches-first-world-report-on-vision www.eindollarbrille.de Quelle: EinDollarBrille e.V.
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