EinDollarBrille e.V.: Optische Grundversorgung in Entwicklungsländern erfolgreich ausgebaut22. Juli 2020 Letzte Handgriffe bei der Herstellung einer “EinDollarBrille”. Foto: © Ein Dollar Brille e.V. Die Hilfsorganisation EinDollarBrille e. V. hat ihren Jahresbericht 2019 vorgelegt und zieht eine positive Bilanz ihrer Bemühungen, die Strukturen der optischen Grundversorgung in Ländern mit geringem Einkommen zu erweitern und zu optimieren. Laut einem aktuellen Bericht der Weltgesundheitsorganisation WHO (2019) leiden rund 950 Millionen Menschen an einer korrigierbaren Sehschwäche, können sich jedoch keine herkömmliche Brille leisten oder haben keinen Zugang zu optischer Versorgung. Mit einem ganzheitlichen System will der EinDollarBrille e.V. dieses globale Problem angehen und in Ländern der südlichen Hemisphäre eine optische Grundversorgung aufbauen. Wie der Jahresbericht 2019 zeigt, so teilt die Organisation mit, sei der Verein auch 2019 sehr erfolgreich gewesen: Seit seinem Bestehen habe er mehr als 262.000 Menschen mit individuell angepassten, robusten und günstigen Brillen versorgt sowie außerdem 220 Arbeitsplätze geschaffen. Einen erfolgreichen Start hatte die Organisation 2019 in ihrem neuen Projektland Peru, einem von acht Projektländern. Ausbau der Versorgungsstrukturen und AufklärungUm diesem Ziel erneut näher zu kommen, hat der EinDollarBrille e.V. 2019 unter anderem seine Versorgungsstruktur weiter ausgebaut und optimiert: In Burkina Faso betreibt die lokale Organisation inzwischen 22 eigene Shops; mit einem Einzugsbereich der Shops von 20 Kilometern erreicht die Organisation jetzt rund 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. In Brasilien versorgte die NGO Renovatio, Partner des EinDollarBrille e.V., Tausende Menschen in Favelas oder abgelegenen Regionen am Amazonas mit Brillen. Und in Indien führt das lokale Team seine Kampagnen inzwischen auch am Abend durch, um Menschen zu erreichen, die tagsüber beschäftigt sind. Patienten mit Mobilitätseinschränkungen werden teilweise auch zu Hause untersucht. Flankiert wird der Ausbau der Versorgungsstrukturen durch Kampagnen zur Sensibilisierung und Aufklärung der lokalen Bevölkerung – denn das Bewusstsein für die Bedeutung guten Sehens ist in vielen Regionen eher schwach ausgeprägt. Schulprojekte, unter anderem in Bolivien und Malawi, setzen gezielt bei den „Jüngsten“ an: In Malawi führt das lokale Team im Rahmen des Projektes „GoodVisionSchool“ Schulungen zum Thema Augengesundheit für ganze Klassen durch und bezieht dabei auch die Eltern und Lehrkräfte mit ein. Perspektiven durch Ausbildung und PersonalentwicklungEinen besonders hohen Stellenwert hat bei der EinDollarBrille der Bereich Ausbildung: In allen Projektländern werden auf Basis der eigens entwickelten Optikausbildung kontinuierlich GoodVisionTechnicians für Herstellung und Vertrieb der EinDollarBrillen ausgebildet. In Bolivien arbeitet der lokale Partner HI-Bolivia zudem eng mit dem Instituto Superior de Salud (ISSEM), dem optischen Fachinstitut in Bolivien, zusammen, das als einziges im Land Optiker und Optometristen ausbilden darf.In Burkina Faso umfasst das lokale Team inzwischen fast 70 Mitarbeitende; damit gehört OneDollarGlasses Burkina Faso (so der lokale Name der Organisation) dort inzwischen zu den größeren Arbeitgebern. 40 Prozent der Mitarbeitenden sind Frauen, die meist signifikant zum Familieneinkommen beitragen; fast zehn Prozent sind Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Über eine aktive Personalentwicklung erhalten die lokalen Mitarbeitenden die Chance, sich weiterzubilden und im Team zu wachsen. Pilotprojekte in Myanmar und Liberia Die Erfolge des EinDollarBrille e.V., so heißt es weiter, gehen jedoch über das Erreichte in den bestehenden Strukturen heraus: Die Schwesterorganisation EinDollarBrille Schweiz hatte bereits 2018 in Kooperation mit der Sitagu Buddhist Foundation ihr erstes eigenes Auslandsprojekt in Myanmar gestartet und eröffnete 2019 in der Hauptstadt Naypyidaw einen zweiten Standort. OneDollarGlasses USA 2019 wiederum (gegründet 2018) initiierte in Kooperation mit Refuge Place International (RPI), einer Klinik in Liberias Hauptstadt Monrovia, ein Pilotprojekt in Liberia. Zudem will der EinDollarBrille e.V. sein Augenmerk zukünftig stärker auf die gesundheitliche und soziale Wirkung seiner Arbeit richten. Um gesicherte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie sich das Leben von Kindern und Erwachsenen durch das Tragen der EinDollarBrille verändert, sind – für die Zeit nach der Corona-Krise – Studien zur Wirkungsmessung in Indien, Malawi und Bolivien geplant. Bei den täglichen Begegnungen wird den lokalen Teams jedoch auch immer wieder bewusst, dass sie mit ihren Brillen nicht jedem Patienten helfen kann. In Indien verweist das Team bereits seit einiger Zeit Menschen mit Augenkrankheiten (vor allem dem Grauen Star) an Kliniken, die diese Patienten kostenlos operieren, und organisiert auch den kostenlosen Transport dorthin. Nach der Corona-Krise noch wichtigerNeben dem Ausbau seiner Länderprojekte hat der EinDollarBrille e.V. auch in Deutschland seine Arbeit auf solidere Füße gestellt und eine zweite Führungsebene unterhalb des Vorstandes etabliert. Die neuen Führungskräfte übernehmen zum Teil ehrenamtlich, teilweise aber auch hauptamtlich zentrale Aufgaben unter anderem in den Bereichen Optik, Projektmanagement, Personal, IT, Recht und Öffentlichkeitsarbeit wahr. So verschaffen sie dem Vorstand den dringend benötigten Freiraum für strategische Aufgaben. „Ich bin unseren ehren- und hauptamtlichen Aktiven ebenso wie unseren Förderern und SpenderInnen ungeheuer dankbar, denn was wir 2019 erreicht haben, wäre ohne sie alle nicht möglich gewesen“, kommentiert Gründer und Vorstand Martin Aufmuth. „Aktuell bereiten sich unsere lokalen Mitarbeitenden in den Projektländern auf die Wiederaufnahme ihrer Arbeit vor – denn die wird in Zukunft noch wichtiger sein als zuvor.“ Die Gesundheitssysteme vieler Entwicklungsländer seien schon heute unter Druck und würden aller Voraussicht nach zukünftig noch weniger Ressourcen für eine optische Versorgung bereitstellen können. „Die Erfahrung zeigt aber: Unbehandelte Fehlsichtigkeit verbaut Perspektiven in Schule, Beruf und Alltag. Sie ist ein hohes Risiko für zukünftige Armut“, erläutert Aufmuth.
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