Eine Gebärmuttertransplantation kann Frauen zu einer erfolgreichen Schwangerschaft verhelfen8. Oktober 2026 Symbolbild © NURUNNAHAR/stock.adobe.com Eine US-amerikanische Übersichtsarbeit von 60 Gebärmuttertransplantationen zeigt hohe Raten an Schwangerschaften und Lebendgeburten. Gleichzeitig bleiben Frühgeburten und Schwangerschaftskomplikationen häufig. Eine Gebärmuttertransplantation kann Frauen mit fehlender oder nicht funktionsfähiger Gebärmutter eine Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes ermöglichen. Eine Analyse von 60 Transplantationen an vier US-amerikanischen Zentren zeigt, dass 70 Prozent der Empfängerinnen mindestens ein lebendes Kind zur Welt brachten oder zum Studienende mindestens in der 20. Schwangerschaftswoche schwanger waren. Gleichzeitig bleiben Schwangerschaften nach der Transplantation mit erheblichen geburtshilflichen Risiken verbunden. Die in „Obstetrics & Gynecology“ veröffentlichten Daten umfassen nahezu die gesamte bisherige Erfahrung mit Gebärmuttertransplantationen in den USA. Die Transplantationen wurden zwischen 2016 und 2025 durchgeführt. Erfasst wurden unter anderem chirurgische und reproduktive Ergebnisse sowie die Entwicklung der nach der Transplantation geborenen Kinder. Die meisten Empfängerinnen hatten ein Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKH-Syndrom), bei dem sich die Gebärmutter angeboren nicht entwickelt. Weitere Patientinnen hatten sich einer Hysterektomie unterzogen oder eine Gebärmutter, die keine Schwangerschaft ermöglichte. Hohe Rate an Schwangerschaften und Lebendgeburten Von den 60 transplantierten Gebärmüttern überstanden 51 die ersten 30 Tage nach der Operation. Bei den Empfängerinnen dieser funktionsfähigen Transplantate brachten mehr als 82 Prozent mindestens ein lebendes Kind zur Welt oder waren zum Studienende mindestens in der 20. Schwangerschaftswoche schwanger. Insgesamt wurden im Untersuchungszeitraum in den USA 48 Kinder von Empfängerinnen einer Gebärmuttertransplantation geboren. Neun Frauen brachten jeweils zwei Kinder zur Welt. Die Ergebnisse zeigen damit, dass eine transplantierte Gebärmutter auch mehrere Schwangerschaften ermöglichen kann, bevor das Organ wieder entfernt wird. Chirurgische Ergebnisse haben sich verbessert Auch die Ergebnisse bei den Lebendspenderinnen verbesserten sich im Studienverlauf. Der Anteil schwerwiegender Komplikationen, die weitere Eingriffe erforderlich machten, sank von 33 Prozent in den Jahren 2016 und 2017 auf acht Prozent in den Jahren 2024 und 2025. Seit 2020 kam es bei 31 in den USA durchgeführten Gebärmuttertransplantationen nur zu einem Transplantatversagen. Lebensbedrohliche Komplikationen oder Todesfälle im Zusammenhang mit der Transplantation wurden weder bei Empfängerinnen noch bei Lebendspenderinnen beobachtet. Schwangerschaften bleiben geburtshilflich anspruchsvoll Trotz der hohen Rate an Schwangerschaften und Lebendgeburten waren die Schwangerschaften nach einer Gebärmuttertransplantation mit häufigen Komplikationen verbunden. 58 Prozent der Kinder wurden zu früh geboren. Zudem traten unter anderem Präeklampsien, Schwangerschaftsdiabetes und Hypertonie auf. Die Daten unterstreichen damit, dass eine erfolgreiche Transplantation zwar eine Schwangerschaft ermöglichen kann, die anschließende Schwangerschaft aber weiterhin eine engmaschige geburtshilfliche Betreuung erfordert. Entwicklung der Kinder bislang unauffällig Auch die Entwicklung der nach einer Gebärmuttertransplantation geborenen Kinder wurde untersucht. Bei den Kindern zeigten sich sowohl bei der Entlassung aus dem Krankenhaus als auch im Alter von sechs Monaten unauffällige Entwicklungsbefunde. Bei 29 Kindern, die bis zum Alter von drei Jahren nachbeobachtet wurden, fanden die Forschenden ein normales Wachstum; Fälle von Gedeihstörungen wurden nicht beobachtet. Bei zwei Kindern wurde eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Weitere Entwicklungsstörungen wurden nicht festgestellt. Aufgrund der kleinen Zahl untersuchter Kinder lassen sich daraus jedoch keine belastbaren Aussagen über das Entwicklungsrisiko ableiten. Insgesamt zeigen die aktuellen Daten, dass eine Gebärmuttertransplantation bei ausgewählten Patientinnen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft beziehungsweise Lebendgeburt verbunden sein kann. Gleichzeitig sind die Eingriffe sowohl für Spenderinnen als auch Empfängerinnen komplex und Schwangerschaften nach der Transplantation mit relevanten Risiken verbunden. Die langfristige Entwicklung der Kinder und die weitere Etablierung des Verfahrens müssen daher weiterhin untersucht werden. Gebärmuttertransplantation auch in Deutschland möglich In Deutschland wird die Gebärmuttertransplantation ausschließlich am Universitätsklinikum Tübingen durchgeführt. 2016 fand die erste Gebärmuttertransplantation des Landes statt; 2019 wurden dort die ersten beiden Kinder nach einer solchen Transplantation geboren. Das Tübinger Transplantationszentrum führt die Gebärmutter weiterhin als Transplantationsoption und weist aktuell eine fachliche Leitung für Gebärmuttertransplantationen aus. Dabei handelt es sich um Lebendspenden. (lj/BIERMANN)
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