Eine Million US-Dollar für die Kartierung der Liquorquellen24. April 2024 Symbolbild des menschlichen Gehirns. (Quelle: vita555 – stock.adobe.com) Ein Forschungsteam des Bonner DZNE erhält rund eine Million US-Dollar für die Entwicklung eines KI-gestützten Verfahrens, mit dem sich die Plexus choroidei dreidimensional vermessen lassen. Das Forschungsvorhaben wird von den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) gefördert. Die Plexus choroidei sind längliche, stark verzweigte Strukturen, die das Nervenwasser produzieren. Jeder Mensch hat vier davon, teils sind sie miteinander verbunden. Zugleich sind diese Strukturen relativ klein, bei Erwachsenen haben sie ein Gesamtvolumen ähnlich dem eines Würfelzuckers. „Beim lebenden Menschen sind derlei filigrane Hirnstrukturen schwer zu erfassen. Deshalb möchten wir eine KI-gestützte Methode entwickeln, die die Plexus choroidei in Hirnscans automatisch erkennt, sodass sich Form und Abmessungen präzise bestimmen lassen“, erläutert Prof. Martin Reuter, Experte für KI in der Bildanalyse und Forschungsgruppenleiter am DZNE. „Eine automatische und präzise Messung solcher Gehirnstrukturen wird dazu beitragen, Krankheitsprozesse und auch normale Veränderungen des Gehirns im Laufe des Lebens besser zu verstehen.“ Digitale „Zerlegung“ des Gehirns Für dieses Vorhaben werden der Bonner Wissenschaftler und sein Team auf dreidimensionale Gehirndaten zurückgreifen, die unter anderem aus dem „Human Connectome Project“ der NIH stammen und mittels Magnetresonanztomographie (MRT) erstellt wurden. Einfließen werden Daten von rund 700 Personen. Für die beabsichtigte Unterteilung der Hirnbilder in Areale gibt es zwar prinzipiell Computer-Algorithmen, doch sie sind für die Plexus choroidei zu ungenau. „Für diese komplizierten Hirnstrukturen benötigt man ein darauf spezialisiertes, vollautomatisches Tool. Das gibt es bisher nicht in guter Qualität. Und eine Segmentierung per Hand, bei der man die Konturen des relevanten Gewebes per Mausklick auf dem Bildschirm markiert, ist mühsam und fehleranfällig“, sagt Reuter. „Deswegen möchten wir ein Verfahren entwickeln, mit dem sich große Datensätze mit MRT-Aufnahmen des Gehirns effizient und zuverlässig auswerten lassen. So wie es für Untersuchungen mit großer Teilnehmerzahl erforderlich ist. Das können zum Beispiel Medikamentenstudien sein oder auch Studien zu Alterungsprozessen, wie zum Beispiel die Rheinland-Studie des DZNE hier in Bonn.“ Fünfjährige Laufzeit Das DZNE wird in diesem Projekt eng mit amerikanischen Institutionen kooperieren, insbesondere mit dem „Beth Israel Deaconess Medical Center“ in Boston, das der Harvard Medical School angehört. Am Ende soll eine auf KI basierende Software zur Verfügung stehen, die durch Trainingsdaten gelernt hat, in MRT-Bildern die „Quellen des Nervenwassers“ zu erkennen. Die Entwicklung der dafür notwendigen Algorithmen und deren „Anlernen“ und Validierung sind arbeitsintensiv. Schon die Auswahl und Erstellung geeigneter Trainingsdaten im Vorfeld sind aufwendig. Für das Forschungsvorhaben sind daher fünf Jahre vorgesehen. Reuter erhofft sich ein digitales Werkzeug, das in der Forschung breite Anwendung findet: „Wir werden unser Tool so konzipieren, dass es mit Daten unterschiedlicher Auflösung und von verschiedenen Hirnscanner-Typen funktioniert. Außerdem wollen wir die Software im Rahmen unseres FastSurfer-Projekts frei verfügbar machen. FastSurfer ist eine Open-Source-Initiative des DZNE, die sich mit der MRT-Analyse des Gehirns befasst.“
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