Einfacher Test könnte zu stärker personalisierter Behandlung des muzinösen Ovarialkarzinoms führen

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Eine weltweite Studie zum muzinösen Ovarialkarzinom (MOC) könnte Onkologen dabei helfen, Frauen, bei denen die Erkrankung früh diagnostiziert wird, die beste Behandlung zu empfehlen.

Indem Onkologen per Mikroskop nach zwei verschiedenen Invasionsmustern suchen, können sie besser vorhersagen, welche Patientinnen möglicherweise bessere oder schlechtere Prognosen haben, und können die Behandlung entsprechend ausrichten. Der Befund wird in einem gestern (12. Oktober 2022) in “Clinical Cancer Research” veröffentlichten Artikel vorgestellt.

Die Unterscheidung zwischen einem primären MOC und gastrointestinalen (GI) Metastasen in den Eierstöcken sei aufgrund phänotypischer Ähnlichkeiten ebenfalls eine Herausforderung, heißt es im Abstract

Erstautorin Nicki Meagher sagt, dass die Beobachtung, welche der beiden Arten von Invasionsmustern die Krebszellen bilden, den Spezialisten bei der Entscheidung über Behandlungsstrategien helfen könnte. Sie hat gerade ihre Promotion in der Gruppe für Molekulare Onkologie an der School of Clinical Medicine der University of New South Wales in Sidney, Australien, abgeschlossen.

„Wir haben erstmals gezeigt, dass Frauen im Frühstadium der Erkrankung – d.h. mit Tumoren, die sich nicht über die Eierstöcke hinaus ausgebreitet haben – in den ersten zwei Jahren nach der Diagnose viel schlechtere Überlebenschancen haben, wenn sie das haben, was wir ein infiltratives Invasionsmuster nennen. Wenn wir dies im Frühstadium der Krankheit wissen, können wir Patientinnen identifizieren, die nach einer Operation zur Entfernung ihrer Eierstöcke von einer zusätzlichen Chemotherapie profitieren könnten.“

Die beiden Invasionsmuster werden durch die Art und Weise definiert, wie sich die Krebszellen – unter dem Mikroskop – organisieren. Das infiltrative Invasionsmuster, das mit schlechteren Gesundheitsergebnissen verbunden ist, zeigt, dass sich Krebszellen ungleichmäßig und willkürlich im Eierstockgewebe ausbreiten. Das andere Muster ist, bei dem sich die Zellen in einer geordneteren Weise durch das Gewebe ausbreiten und das mit besseren Prognosen einhergeht, ist als ausdehnend (engl. expansile) bekannt.

Bisher hatten andere Studien schon darauf hingewiesen, dass das infiltrative Invasionsmuster mit schlechteren Outcomes der Patientinnen verbunden ist. Jedoch hatte keine Studie eine ausreichend große Anzahl von Patientinnen mit Krebs im Frühstadium, um statistische Signifikanz zu erreichen.

Aber die aktuelle Studie, an der mehr als 100 Forscher in Australien, Großbritannien, Kanada, Asien, Europa und den USA beteiligt waren, konnte diese Hypothese in viel größerer Zahl testen, indem sie das Gewebe von 604 Patientinnen untersuchte. Die Forscher untersuchten zusätzlich zu den Invasionsmustern auch die Expression von 19 Genen, darunter THBS2 und TAGLN.

Seniorautorin Prof. Susan Ramus, die die weltweite Studie leitete und dem Ovarian Tumor Tissue Analysis-Konsortium vorsteht, sagt, dass sich die Leitlinien zur Behandlung von Frauen mit MOC im Frühstadium aufgrund begrenzter Daten zum Zusammenhang infiltrativer Invasionsmuster mit den Überlebensraten weltweit unterschieden haben.

„Zum Beispiel wurde in einigen Teilen der Welt ein infiltratives Muster als wichtiges Merkmal anerkannt und entscheidet darüber, welche Behandlung diese Frauen erhalten“, sagt Ramus.

„In anderen Fällen wird allen Patientinnen derselbe Behandlungspfad empfohlen. Wir hoffen, dass die Behandlungsleitlinien nach dieser großen Studie angepasst werden können und dass wir die Behandlung bei Frauen mit diesen schwerwiegenderen Indikatoren zur Vorgabe machen können, selbst wenn sie die Diagnose in einem frühen Stadium erhalten.“

Die Forscher stellten auch fest, dass Frauen mit einer höheren Expression von zwei Genen, THBS2 und TAGLN, in ihren Tumoren ein schlechteres Gesamtüberleben hatten.

Die Forscher sind Teil eines breiten Netzwerks von Experten, die eine Validierungsstudie durchführen wollen, um diese genomischen Marker als Grundlage für eine zielgerichtete Behandlungsstrategie weiter zu untersuchen.