Einfluss von Antibiotika auf die psychische Gesundheit während der Schwangerschaft

Ergebnisse einer japanischen Studie deuten auf eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für psychische Belastung im frühen bis mittleren Schwangerschaftsdrittel bei Teilnehmerinnen, die vor und während der Schwangerschaft Antibiotika einnahmen, hin.

Perinatale Depressionen, die während der Schwangerschaft oder in der Zeit nach der Geburt auftreten, gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Frauen. Sie beeinträchtigen das Wohlbefinden der Mutter sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Geburt sowie die Entwicklung des Kindes.

Viele Faktoren beeinflussen die psychische Gesundheit der Mutter. Jüngste Forschungsergebnisse deuten auf einen Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinnahme und mütterlicher psychischer Gesundheit hin. Die Studie, die in der Fachzeitschrift „BMC Public Health“ veröffentlicht wurde, wurde von Kenta Matsumura, Professor an der Aomori University of Health and Welfare, Japan, in Zusammenarbeit mit Dr. Hidekuni Inadera vom Toyama Unit Center des Japan Environment and Children’s Study (JECS) der Universität Toyama durchgeführt.

„Obwohl Antibiotika in manchen Situationen unerlässlich sind, bereitet die Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien aufgrund unsachgemäßer Anwendung von Antibiotika zunehmend Sorgen. Wir wollten verstehen, wie die Einnahme von Antibiotika mit psychischer Belastung bei Schwangeren zusammenhängt“, erklärt Matsumura die Inspiration für die Studie.

Analyse von Daten von über 90.000 Schwangeren

Um den Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinnahme und psychischer Belastung zu untersuchen, analysierten die Forschenden Daten von 94.490 Schwangeren, die an der JECS-Studie teilnahmen. Diese laufende, landesweite Geburtskohortenstudie untersuchte, wie Umweltfaktoren die Gesundheit und Entwicklung von Kindern beeinflussen. Die meisten Frauen, die an der Studie teilnahmen, befanden sich in der 12. Schwangerschaftswoche; Nachuntersuchungen fanden in der 15. Schwangerschaftswoche statt.

Informationen zur Antibiotikaeinnahme der Teilnehmerinnen wurden für das Jahr vor Beginn der Schwangerschaft erhoben. Dieser Zeitraum umfasste zwei Phasen: von der Zeit vor der Empfängnis bis zur Feststellung der Schwangerschaft und von der Feststellung der Schwangerschaft bis zur Studienteilnahme. Die Teilnehmerinnen wurden in drei Gruppen eingeteilt: Frauen, die keine Antibiotika einnahmen, Frauen, die in mindestens einem der beiden Untersuchungszeiträume Antibiotika einnahmen, und Frauen, die in beiden Zeiträumen Antibiotika einnahmen.

Die Forscherinnen und Forscher bewerteten die psychische Belastung der Teilnehmerinnen mithilfe der japanischen Version der Kessler-Skala für psychische Belastung (K6), einem sechsteiligen Selbstbeurteilungsfragebogen, in dem die Teilnehmerinnen sechs Fragen zu ihrem psychischen Zustand beantworten.

Erhöhte psychische Belastung bei Antibiotikaeinnahme

Anhand der Gruppe ohne Antibiotikaeinnahme als Referenzgruppe schätzten die Forscherinnen und Forscher den Zusammenhang zwischen Antibiotikaeinnahme und psychischer Belastung in den beiden anderen Gruppen. „Wir stellten fest, dass die Antibiotikaeinnahme vor und während der Schwangerschaft mit psychischer Belastung im frühen bis mittleren Schwangerschaftsdrittel assoziiert war und dass dieser Zusammenhang in einem landesweiten Datensatz mit etwa 94.000 Teilnehmerinnen ein stufenweises Muster aufwies“, erklärt Matsumura.

Nach Berücksichtigung potenzieller Einflussfaktoren auf Antibiotikaeinnahme und psychische Belastung, wie mütterliches Alter, Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft, Bildungsniveau, Einkommen, Raucherstatus, Alkoholkonsum, Familienstand und psychiatrische Vorerkrankungen, zeigte die Analyse, dass die adjustierten Odds Ratios für moderate psychische Belastung (K6-Score 5–12) im Vergleich zu keiner Antibiotikaeinnahme 1,12 bei Einnahme in einem der beiden Zeiträume und 1,22 bei Einnahme in beiden Zeiträumen betrugen. Für schwere psychische Belastung (K6-Score > 13) lagen die adjustierten Odds Ratios bei 1,07 bzw. 1,50.

Die höheren Werte bei stärkerer Antibiotikaexposition deuten darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit für psychische Belastung im frühen bis mittleren Schwangerschaftsdrittel bei Teilnehmerinnen, die über mehrere Zeiträume Antibiotika einnahmen, höher war.

Veränderte Darmflora als Auslöser?

Eine mögliche Erklärung für diese Ergebnisse ist die Darmflora, die durch Antibiotika verändert werden kann. Veränderungen der Darmflora wurden bei verschiedenen Erkrankungen beobachtet, darunter Adipositas, Diabetes und Entzündungen. Solche Veränderungen wurden auch im Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen untersucht.

Die Forschenden betonen, dass diese Ergebnisse nicht bedeuten, dass man auf Antibiotika verzichten sollte, wenn sie medizinisch notwendig sind. Vielmehr können die Ergebnisse zur laufenden Diskussion über den angemessenen Einsatz von Antibiotika und zu den Bemühungen beitragen, unnötige Verschreibungen zu reduzieren.

„Diese Studie kann Frauen mit Kinderwunsch oder in der Frühschwangerschaft dazu anregen, sich des angemessenen Einsatzes von Antibiotika bewusster zu werden. Antibiotika sind unerlässlich, wenn sie medizinisch notwendig sind; dennoch kann ein gesteigertes Bewusstsein für die Vermeidung unnötiger Verschreibungen – beispielsweise bei Erkältungen – auch aus Sicht der psychischen Gesundheit der Mutter relevant sein“, so Matsumura abschließend.

(lj/BIERMANN)