Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Menstruation: Zykusstörungen sollten berücksichtigt werden9. Februar 2023 PITTSBURGH (Biermann) – Martina Anto-Ocrah von der University of Pittsburgh (USA) und ihre Kollegen untersuchten in ihrer Studie, wie sich mit der COVID-19-Pandemie zusammenhängender Stress auf die Menstruationszyklen von Frauen auswirkte. Sie vermuteten, dass Frauen mit hohem COVID-19-bedingten Stress mehr Zyklusstörungen hatten als jene mit geringerem Stress und ihre Hypothese betätigte sich. Ein hohes COVID-19-bedingtes Stresslevel war im Vergleich zu vor der Pandemie signifikant mit Veränderungen der Zykluslänge, Periodendauer und mehr intermenstruellen Schmierblutungen assoziiert. Angesichts der Tatsache, dass die Menstruationsgesundheit häufig ein Indikator für das allgemeine Wohlbefinden von Frauen ist, sind die Autoren der Meinung, dass Ärzte, Forscher und Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens den Zusammenhang zwischen COVID-19-bedingtem Stress und Zyklusstörungen berücksichtigen sollten. Die Forschenden verwendeten für ihre Studie ein Querschnittsstudiendesign und rekrutierten eine repräsentative Stichprobe von erwachsenen US-amerikanischen Frauen im gebärfähigen Alter (18–45 Jahre), die nichthormonell verhüteten. Die Teilnahme erfolgte per Online-Umfrage mit der Software Research Electronic Data Capture von der Vanderbilt University. COVID-19-bedingter Stress wurde durch die Software mit einer Skala (COVID-19 Pandemic related Perceived Stress Scale) erhoben und als gering (Werte <25) oder hoch (Werte ≥25) eingeteilt. Selbstberichtete Zyklusstörungen waren eine Veränderung bei Zykluslänge, -dauer oder Menstruationsfluss und eine erhöhte Häufigkeit von Schmierblutungen zwischen den Zyklen. Die Wissenschaftler verwendeten χ2- und exakte Fisher-Tests, um Unterschiede im Ergebnis zwischen den beiden Stressgruppen zu vergleichen, und logistische Regressionsmodelle für die Schätzungen der Effekte. Insgesamt schlossen 354 Studienteilnehmerinnen die Umfrage zu Menstruations- und COVID-19-bedingten Stresskomponenten ab. Mehr als die Hälfte der Frauen (N=191) berichtete über mindestens eine Veränderung bei ihren Menstruationszyklen, die seit Beginn der Pandemie auftrat, und 10,5 % (N=37) berichteten über ein hohes COVID-19-bedingtes Stresslevel. Im Vergleich zu Frauen mit niedrigem COVID-19-bedingten Stress berichtete ein größerer Anteil von Frauen mit hohem Stresslevel im Vergleich zu präpandemischen Zeiten über Veränderungen ihrer Zykluslänge (kürzer oder länger; P=0,008), Periodendauer (kürzer oder länger; P<0,001) sowie einen stärkeren Menstruationsfluss (P=0,035) und eine erhöhte Häufigkeit von Schmierblutungen zwischen den Zyklen (P=0,006). Das Team passte die Daten außerdem für Alter, Rauchen, Fettleibigkeit, Bildung und die psychische Gesundheitsgeschichte der Frauen an. Es zeigte sich, dass ein hohes COVID-19-bedingtes Stresslevel mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Veränderungen der Zykluslänge (adjustierte [a] OR 2,32; 95 %-KI 1,12–4,85), -dauer (aOR 2,38; 95 %-KI 1,14–4,98) und Schmierblutungen (aOR 2,32; 95 %-KI 1,03–5,22) assoziiert ist. Des Weiteren offenbarte die Studie bei Frauen mit hohem COVID-19-bedingten Stresslevel auch einen nicht signifikanten Trend für einen stärkeren Menstruationsfluss (aOR 1,61; 95 %-KI 0,77–3,34). (sh) Autoren: Anto-Ocrah M et al.Korrespondenz: [email protected]Studie: Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)-Related Stress and Menstrual ChangesQuelle: Obstet Gynecol 2023;141(1):176-187.Web: www.doi.org/10.1097/AOG.0000000000005010