Einfluss der COVID-19-Pandemie auf die Menstruation: Zykusstörungen sollten berücksichtigt werden

PITTSBURGH (Biermann) – Martina Anto-Ocrah von der University of Pittsburgh (USA) und ihre Kollegen untersuchten in ihrer Studie, wie sich mit der COVID-19-Pandemie zusammenhängender Stress auf die Menstruationszyklen von Frauen auswirkte.

Sie vermuteten, dass Frauen mit hohem COVID-19-­bedingten Stress mehr Zyklusstörungen hatten als jene mit geringerem Stress und ihre Hypothese betätigte sich. Ein hohes COVID-19-bedingtes Stress­level war im Vergleich zu vor der Pandemie signifikant mit Veränderungen der Zykluslänge, Periodendauer und mehr intermenstruellen Schmierblutungen assoziiert. Angesichts der Tatsache, dass die Menstruations­gesundheit häufig ein Indikator für das allgemeine Wohlbefinden von Frauen ist, sind die Autoren der Meinung, dass Ärzte, Forscher und Beamte des öffentlichen Gesundheitswesens den Zusammenhang zwischen COVID-19-bedingtem Stress und Zyklus­störungen berücksichtigen sollten.

Die Forschenden verwendeten für ihre Studie ein Querschnittsstudiendesign und rekrutierten eine repräsentative Stichprobe von erwachsenen US-amerikanischen Frauen im gebärfähigen Alter (18–45 Jahre), die nichthormonell verhüteten. Die Teilnahme erfolgte per Online-Umfrage mit der Software Research Electronic Data Capture von der Vanderbilt University. COVID-19-bedingter Stress wurde durch die Software mit einer Skala (COVID-19 Pandemic related Perceived Stress Scale) erhoben und als gering (Werte <25) oder hoch (Werte ≥25) eingeteilt. Selbstberichtete Zyklusstörungen waren eine Veränderung bei Zykluslänge, -dauer oder Menstruationsfluss und eine erhöhte Häufigkeit von Schmierblutungen zwischen den Zyklen. Die Wissenschaftler verwendeten χ2- und exakte Fisher-Tests, um Unterschiede im Ergebnis zwischen den beiden Stressgruppen zu vergleichen, und logistische Regressionsmodelle für die Schätzungen der Effekte.

Insgesamt schlossen 354 Studien­teilnehmerinnen die Umfrage zu Menstruations- und COVID-19-­bedingten Stresskomponenten ab. Mehr als die Hälfte der Frauen (N=191) berichtete über mindestens eine Veränderung bei ihren Menstruationszyklen, die seit Beginn der Pandemie auftrat, und 10,5 % (N=37) berichteten über ein hohes COVID-19-bedingtes Stresslevel. Im Vergleich zu Frauen mit niedrigem COVID-19-bedingten Stress berichtete ein größerer Anteil von Frauen mit hohem Stresslevel im Vergleich zu präpandemischen Zeiten über Veränderungen ihrer Zykluslänge (kürzer oder länger; P=0,008), Periodendauer (kürzer oder länger; P<0,001) sowie einen stärkeren Menstruationsfluss (P=0,035) und eine erhöhte Häufigkeit von Schmierblutungen zwischen den Zyklen (P=0,006).

Das Team passte die Daten außerdem für Alter, Rauchen, Fettleibigkeit, Bildung und die psychische Gesundheitsgeschichte der Frauen an. Es zeigte sich, dass ein hohes COVID-19-bedingtes Stresslevel mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Veränderungen der Zykluslänge (adjustierte [a] OR 2,32; 95 %-KI 1,12–4,85), -dauer (aOR 2,38; 95 %-KI 1,14–4,98) und Schmierblutungen (aOR 2,32; 95 %-KI 1,03–5,22) assoziiert ist. Des Weiteren offenbarte die Studie bei Frauen mit hohem COVID-19-­bedingten Stresslevel auch einen nicht signifikanten Trend für einen stärkeren Menstruationsfluss (aOR 1,61; 95 %-KI 0,77–3,34). (sh)

Autoren: Anto-Ocrah M et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Coronavirus Disease 2019 (COVID-19)-Related Stress and Menstrual Changes
Quelle: Obstet Gynecol 2023;141(1):176-187.
Web: www.doi.org/10.1097/AOG.0000000000005010