Einfluss von COVID-19 auf die Psyche von Asthmatikern und Allergikern: Erhebliche Belastung vor allem bei Asthma und Nahrungsmittelallergien

KINGSTON (Biermann) – Eine Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zeigt, dass COVID-19 erhebliche psychische Auswirkungen auf Asthmapatienten hat. Daten zu entsprechenden Effekten auf Patienten mit allergischer Rhinitis und Nahrungsmittelallergie fanden die Autorinnen eines kürzlich veröffentlichten Reviews nur wenige.

In dem Bemühen, die bisher gewonnenen und veröffentlichten Erkenntnisse zu diesem Thema zusammenzufassen und um noch zu schließende Forschungslücken zu identifizieren, hatten Alyssa G. Burrows und Dr. Anne K. Ellisum von der Queen‘s University in Kingston (Kanada) die Datenbanken Ovid Medline sowie Embase Classics + Embase nach von 1947 bis zum 18.10.2021 publizierten Arbeiten durchsucht, die die Schlüsselwörter „allergic diseases“, „COVID*“ und „psychological disorders“ enthielten. Für die Analyse ausgewählt wurden primäre Manuskripte und Abstracts unter Verwendung von Online- und Telefonumfragen sowie Mixed-Method-Studien, die Erfahrungen von Patienten und Pflegekräften erfassen. Auch Fallstudien und veröffentlichte Leitlinien von Expertengruppen für allergische Erkrankungen kamen für die Auswertung infrage.

Die Wissenschaftlerinnen stellten fest, dass Personen mit Asthma und anderen chronischen Atemwegs­erkrankungen ein höheres Risiko für negative psychische Folgen besitzen. Zu den Risikofaktoren gehören der Schweregrad des Asthmas, weibliches Geschlecht sowie vorbestehende Ängste und Depressionen, wahrscheinlich aufgrund des von den Betroffenen empfundenen Risikos für eine schwere Erkrankung durch COVID-19. Eine Studie ergab, dass Menschen mit allergischer Rhinitis im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen signifikant hohe Angst- und Depressionswerte aufwiesen (beide p<0,001).

Die psychischen Auswirkungen einer Nahrungsmittelallergie während der COVID-19-Pandemie wurden am stärksten von Eltern und betroffene Kinder betreuenden Personen wahrgenommen. In ähnlicher Weise erlebten den Wissenschaftlerinnen zufolge Eltern von Kindern mit Asthma eine erhebliche psychische Belastung.

Mit einigen Ausnahmen, so betonen die Forscherinnen, hätten Asthmatiker kein höheres Risiko für eine schwerere COVID-19-Erkrankung, Krankenhauseinweisung oder Tod aufgrund einer Infektion mit SARS-CoV-2. Jedoch beeinträchtige das von ihnen empfundene erhöhte Risiko das psychische Wohlbefinden von Asthmapatienten erheblich. Es müsse weiter zu diesem Thema geforscht werden, insbesondere in Zeiten nach einem Lockdown.

Es sei wichtig, dass sich Mediziner eines möglichen Zusammentreffens von psychischen und chronischen allergischen Erkrankungen bewusst sind und dass betroffene Patienten an geeignete Stellen – auch Selbsthilfegruppen – verwiesen würden, während man die allergische Erkrankung weiter behandelt. (ac)

Autoren: Burrows AG, Ellis AK
Korrespondenz: Anne K. Ellis; Anne; [email protected]
Studie: Psychological impacts of coronavirus disease 2019 on people with asthma, allergic rhinitis, and food allergy
Quelle: Ann Allergy Asthma Immunol 2022;129(1):52–61.
doi: 10.1016/j.anai.2021.12.013