Eisenmangel bei Herzschwäche: Tablette als Alternative zur Infusion?

Tibor Kempf (links) und Johann Bauersachs leiten gemeinsam die Studie ORION-HF. Foto: ©Karin Kaiser/MHH

Die MHH-Kardiologie startet die multizentrische Studie ORION-HF. Sie will herausfinden, ob ein Präparat in Tablettenform einen Eisenmangel beheben und die typischen Symptome der Herzinsuffizienz lindern kann.

Menschen mit Herzinsuffizienz weisen häufig einen Eisenmangel auf, wodurch die Symptome der Herzerkrankung wie noch verstärkt werden können. Eine Eisengabe kann den Betroffenen helfen. Bisher geschieht das mittels Infusion über die Vene. Kann der gleiche Erfolg auch mit einer speziellen Zubereitung von Eisen in Tablettenform erzielt werden? Dieser Frage geht die Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) in der Pilotstudie ORION-HF nach. Die Einnahme von Tabletten wäre für die Patientinnen und Patienten im Alltag besser umzusetzen als die Eisengabe per Infusion. Die MHH-Kardiologie koordiniert die Studie, weitere deutsche Herzzentren sind daran beteiligt. Das Vorhaben wird von der Firma Norgine mit rund 670.000 Euro gefördert.

Lassen Tabletten Hämoglobinwert steigen?

Dem Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie, Prof. Johann Bauersachs, zufolge haben 30 bis 50 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz einen Eisenmangel. Bauersachs leitet die Pilotstudie gemeinsam mit Prof. Tibor Kempf, leitender Oberarzt der Klinik. Ein Eisendefizit bei dieser Patientengruppe kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen eine verminderte Eisenaufnahme im Darm und Entzündungsprozesse im Körper, die ebenfalls zu einer schlechteren Eisenresorption führen. Ein weiterer Grund kann ein erhöhter Eisenverlust sein, etwa durch blutverdünnende Medikamente.

Bisher gibt es noch kein Eisenmedikament in Tablettenform, das nachweislich den Eisenmangel bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz behebt. „Die aktuellen Leitlinien zur Behandlung empfehlen dafür ausschließlich Infusionen“, sagt Kempf. In der Pilotstudie ORION-HF testen die Kardiologinnen und Kardiologen nun ein für andere Erkrankungen bereits zugelassenes Eisenpräparat. Im Fokus steht dabei die Patientengruppe mit einer Linksherz-Insuffizienz. „Wir möchten herausfinden, ob die Therapie mit den Tabletten zu einem Anstieg des Hämoglobinwerts und des Eisengehalts im Blut führt“, erläutert Kempf. Neben der Symptomreduktion soll so auch eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.

Studie mit 50 Probandinnen und Probanden

Bei ORION-HF arbeitet die Klinik für Kardiologie und Angiologie eng mit dem Zentrum für Klinische Studien der MHH zusammen. In die Studie werden insgesamt 50 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz aufgenommen, die an Eisenmangel und Blutarmut leiden. Während eines Zeitraums von 16 Wochen nehmen die Probanden jeweils morgens und abends eine Eisentablette ein. Danach untersuchen die Studienärzte die Wirkung. „Sollte sich herausstellen, dass das Präparat den Eisenmangel ausgleichen kann und die Probanden unter weniger starken Symptomen leiden, dann wären die Tabletten eine sichere und unkomplizierte Alternative zu den Infusionen“, sagt Bauersachs. Alle neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Thema Herzinsuffizienz fließen auch in die Arbeit des Herzinsuffizienz-Netzwerks Niedersachsen ein, einem Konsortium aus mehr als 20 niedersächsischen Herzkliniken.