Elektronische Patientenakte erfüllt Versprechen der Digitalisierung des Gesundheitssystems bisher nicht

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Ein Jahr nach dem Start der Elektronischen Patientenakte (ePA) ist das Angebot breit bekannt, wird aber nur wenig genutzt. So Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland.

Nach dem Start der ePA 2025 habe nahezu jede gesetzlich versicherte Person in Deutschland die Möglichkeit, das neue digitale Angebot zu nutzen – doch nur ein kleiner Teil nutze die ePA tatsächlich im Alltag, vermeldet der Branchenverband der Pharmaindustrie. Nach einer aktuellen Civey-Umfrage im Auftrag von Pharma Deutschland kennen zwar rund 80 Prozent der Menschen die ePA, aber nur knapp 20 Prozent haben sie bislang verwendet. Damit bleibe ein zentrales Versprechen der Digitalisierung im Gesundheitswesen unerfüllt: Patientinnen und Patienten spüren die Vorteile der ePA und den Nutzen ihrer Daten noch viel zu selten unmittelbar.

Unterschiedliches Nutzungsverhalten in der Bevölkerung

Dabei falle auf, dass die Nutzung der ePA nicht über alle Bevölkerungsgruppen gleich verteilt ist. Besonders deutlich werden die Unterschiede beim Blick in die Detailergebnisse der Civey-Umfrage: Am intensivsten nutzen unter den Befragten junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren die ePA – in dieser Gruppe hat bereits gut jede bzw. jeder Vierte die elektronische Akte eingesetzt (28,7 Prozent). Überdurchschnittlich aktiv sind zudem Menschen in Ostdeutschland (24,0 Prozent Nutzungsanteil gegenüber 17,8 Prozent im Westen) sowie Männer (22,1 Prozent im Vergleich zu 15,1 Prozent bei Frauen).

„ePA ist im Alltag noch nicht angekommen“

„Die ePA ist technisch da, aber im Alltag noch nicht angekommen“, sagt Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland. „Solange nur eine Minderheit die ePA aktiv nutzt, verschenken wir Chancen: für bessere Diagnosen, sicherere Arzneimitteltherapien und eine Medizin, die wirklich aus den Erfahrungen von Millionen Patientinnen und Patienten lernt.“ Brakmann betont: „Je stärker die ePA genutzt wird, desto mehr kommt der Mehrwert der Sekundärnutzung direkt bei den Menschen an – von innovativen Medikamenten bis hin zu maßgeschneiderten Versorgungsangeboten.“

Die ePA hat laut Pharma Deutschland das Potenzial, den Umgang mit der eigenen Gesundheit deutlich einfacher zu machen. Wenn Arztbriefe, Laborwerte und Medikationspläne strukturiert in der ePA vorliegen, müssen Patientinnen und Patienten ihre Krankengeschichte nicht bei jedem Arztbesuch neu erzählen, Fachpraxis, Klinik und Apotheke können auf denselben Informationsstand zugreifen.

Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln unter realen Versorgungsbedingungen besser verstehen

Vollständige Informationen in der ePA helfen auch behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern, Wechselwirkungen und Risiken besser zu erkennen, so der Branchenverband der Pharmaindustrie weiter. Hinzu komme, dass pseudonymisierte ePA-Daten Forschung und Versorgung spürbar voranbringen können. Sie ermöglichten es, Wirksamkeit und Sicherheit von Arzneimitteln unter realen Versorgungsbedingungen besser zu verstehen und neue, passgenauere Therapien zu entwickeln. So könnten Dosierungen, Wirkstoffkombinationen und begleitende Angebote zukünftig stärker an individuelle Risikoprofile angepasst werden.

Die Pharmabranche entwickele dafür nicht nur neue Medikamente, sondern auch digitale Services und Therapiebegleitungen, die auf einer soliden Datenbasis beruhen und Patientinnen und Patienten konkret unterstützten.

Hintergrund: Im Auftrag von Pharma Deutschland führt das Meinungsforschungsinstitut Civey seit Januar 2025 ein kontinuierliches Live-Monitoring zur individuellen medizinischen Versorgungssituation sowie zu Erfahrungen im Kontext pharmazeutischer Themen durch. Die Anzahl der Antworten, die stellvertretend für die Grundgesamtheit in der Stichprobe zur Berechnung des repräsentativen Ergebnisses berücksichtigt werden, liegt bei 5000 Befragten.