Empfehlungen zur SARS-CoV-2-Impfung von Schwangeren mit MS18. Mai 2021 Foto: ©Marina Demidiuk – stock.adobe.com Gynäkologische Fachgesellschaften fordern Schwangere gegen SARS-CoV-2 zu impfen, doch in Deutschland ist die Empfehlungslage nicht hinreichend geklärt, erst recht nicht für schwangere Frauen mit Multipler Sklerose. Schwangere Frauen haben ein höheres Risiko für schwer verlaufende Infekte, wie zum Beispiel Influenza, daher wird eine Influenza-Impfung für alle Schwangeren empfohlen. Dies gilt auch für Frauen mit Multipler Sklerose und ist unabhängig von der immunmodulatorischen Therapie. „Leider ist in Deutschland die Empfehlungslage zur Impfung gegen SARS-CoV-2 noch nicht vollständig geklärt und die Datenlage begrenzt“, erklärt Prof. Kerstin Hellwig, Leiterin der neurologischen Ambulanz und Poliklinik am Katholischen Klinikum Bochum und KKNMS-Mitglied, „obwohl verschiedene Länder und gynäkologische Fachgesellschaften empfehlen, Schwangere gegen SARS-CoV-2 zu impfen.“ Was das Schwangerschaftsoutcome betrifft, kann eine COVID-19-Infektion mit einem höheren Risiko für Frühgeburten assoziiert sein. Leider gibt es noch keine allgemeine Empfehlung der STIKO, Schwangere zu impfen, während hingegen bis zu 2 Kontaktpersonen geimpft werden können und sollen. Die fehlende Empfehlung beruht nach Einschätzung des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) auf einer schlechten Datenlage: Während bereits mehr als 100.000 Schwangere in den USA von einer Impfung berichten, wurden bislang erst knapp 5000 dieser Schwangeren tatsächlich in einem Registererfasst und ausgewertet. Auch für die SARS-CoV-2-Impfung konnte ein transplazentarer Übergang der maternalen Antikörper zum Feten nachgewiesen werden, was einen theoretischen Nestschutz der Neugeborenen vermuten ließe. Ebenso konnte ein Antikörper-Übergang in die Muttermilch nachgewiesen werden. Frauen mit MS können unter speziellen Konstellationen zusätzliche Risikofaktoren für schwere COVID-19-Verläufe aufweisen, insbesondere bei aktiver Erkrankung, wenn die Gabe von hochdosierten Steroiden notwendig werden kann, oder möglicherweise auch bei Vortherapie mit z. B. B-Zell depletierenden Antikörpern. Einschränkend muss laut KKNMS festgestellt werden, dass zu keiner dieser Konstellationen Daten zu Schwangeren vorliegen. Postpartum ist das Schubrisiko erhöht, daher auch häufig die Gabe von Steroiden nötig. „Wenn möglich, sollten sich Frauen mit MS und Kinderwunsch schon vor einer Schwangerschaft impfen lassen“, rät Prof. Tania Kümpfel, Leiterin der Neuroimmunologischen Ambulanz am Institut für Klinische Neuoimmunologie des Klinikums Großhadern der LMU-München und Vorstandsmitglied des KKNMS, „was jetzt mit der Impfung der Priorisierungsgruppe 3 realistisch erscheint“. Sollte es zu einer Exposition in der Frühschwangerschaft gekommen sein, ist nach jetzigem Wissen nicht mit Gesundheitsnachteilen zu rechnen. Ohnehin ist bislang bei keinem Impfstoff oder dessen Inhaltsstoffen Teratogenität beschrieben. Insbesondere Schwangere, die ein höheres Risiko für Schübe haben oder eine Immuntherapie erhalten haben, die mit einem schweren COVID-19-Verlauf assoziiert sein kann, könnten eine Impfung auch in der Schwangerschaft erhalten. Auch in der Stillzeit sollten sich nach jetzigem Wissen keine Gesundheitsnachteile für das Kind ergeben und Frauen mit MS sollten wegen des erhöhten postpartalen Schubrisikos geimpft werden, raten die Experten des Kompetenznetzes. Aktuell sind keine Lebendimpfstoffe gegen SARS-CoV-2 zugelassen, auf diese sollte auch generell in der Schwangerschaft verzichtet werden, da zum Beispiel Fälle von Enzephalitiden bei Kindern beschrieben worden sind, deren Mütter gegen Gelbfieber geimpft wurden. Eine Impfung sollte idealerweise vor Eintreten einer Schwangerschaft erfolgen. Aktuell werde eine Impfung noch nicht für alle Schwangeren grundsätzlich empfohlen, könne aber bei erhöhtem Risiko eines schweren COVID-19-Verlaufs in Erwägung gezogen werden, fasst das KKNMS seine Empfehlungen zusammen.
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