Endometriose: Fachgesellschaften veröffentlichen Factsheet8. November 2022 Adenomyose und Endometriose gehen meist mit starken Beschwerden einher, dazu gehören stärkste Regelschmerzen. (Foto: © Pixel-Shot – stock.adobe.com) Die Aufmerksamkeit für die Frauenkrankheit Endometriose wächst. Um das Verständnis für das Phänomen zu erhöhen, haben die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie zwei Arbeitsgemeinschaften ein “Factsheet Endometriose” herausgegeben, in dem sie auch eine bessere Vergütung der Endometriose-Therapie fordern. Da die Ursache für die Endometriose noch nicht aufgedeckt werden konnte, fehlen bisher kausale Therapiemöglichkeiten. Gleichwohl lasse sich die Erkrankung beeinflussen, schreiben die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Endometriose und die Arbeitsgemeinschaft Endoskopie: Hierfür ständen medikamentöse (Schmerzmedikamente oder hormonelle Therapien) und operative Ansätze zur Verfügung. Allerdings bestehe nach der operativen Entfernung der Läsionen eine recht hohe Rezidivneigung, sodass oftmals multiple Operationen ohne langanhaltenden Effekt durchgeführt würden. Mit zunehmendem Verständnis für den chronischen Charakter der Erkrankung sei vielerorts ein gewisser Paradigmenwechsel eingetreten. Frühzeitige Diagnose mit Einleitung einer medikamentösen Therapie und/oder gezielter operativer Intervention bei Therapieversagen bzw. Kinderwunsch seien nun Strategien, die Erkrankung zu begleiten. Komplementäre Verfahren und multimodale Schmerztherapie erwiesen sich ebenfalls als hilfreich. Problematisch sei jedoch, dass für eine flächendeckende und effektive Therapie der Endometriose die strukturellen Gegebenheiten im Gesundheitssystem fehlten – und insofern angepasst werden müssen, erklären die Verfasser des Factsheets. Die Arbeitsgemeinschaften für Endometriose e.V. (AGEM) und Gynäkologische Endoskopie e.V. (AGE) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) unterstützen daher den Forderungskatalog der Selbsthilfeorganisation Endometriosevereinigung Deutschland e.V.: Weiterleitung der Betroffenen an zertifizierte Endometriosezentren (bisher werden weniger als 50 Prozent in solchen behandelt). Allerdings arbeiteten Endometriosezentren bzw. die Frauenkliniken mit dem Schwerpunkt Endometriose defizitär. Strukturanpassung der Endometriosezentren mit Bereitstellung und Umsetzung einer auf Endometrioseschmerzen angepassten multimodalen Behandlung (unter Einziehung der mitbehandelnden Fachrichtungen wie Anästhesiologie, Psychologie, Psychosomatik, Physiotherapie, Ernährungsmedizin, Komplementärmedizin). Anpassung der DRG-Leistungen, die aktuell den Aufwand der operativen Therapie in den Kliniken (Endometriosezentren) in keiner Weise widerspiegeln. Einführung adäquater Abrechnungsmöglichkeiten zur Erhebung der Schmerzanamnese, Untersuchung, Ultraschall, Beratung, Einleitung und Begleitung einer Endometriosetherapie in der Niederlassung. Adäquate Kostenübernahme der medikamentösen Therapien. Einführung von verpflichtenden Fort- und Weiterbildungsprogrammen, die von der AGEM und auf den Kongressen und Kursen der DGGG und der AGE angeboten werden. Endometrioseoperationen sind oft anspruchsvoll und setzen ein besonderes OP-Training voraus. Einführung eines Screenings auf Endometriose für Adoleszentinnen im Rahmen der Jugenduntersuchung (aber auch bei Gynäkologinnen und Gynäkologen). Förderung der Forschung, Bereitstellung von Geldern für endometriosespezifische Ausschreibungen mit Fokus auf Versorgungsforschung, klinischer Forschung aber vor allem auf Grundlagenforschung. Auch der Umgang mit Menstruationsschmerzen in der Gesellschaft sei nicht mehr zeitgemäß, monieren die Verfasser des Factsheets – was sich auch in ungenügender Aufklärung Jugendlicher manifestiere. Menstruationsschmerzen würden häufig noch als normal angesehen und insofern nicht thematisiert. Nur 50 Prozent der Betroffenen sprechen über ihr Problem; da sie oft kein Verständnis erfahren, versuchen sie die Situation zu akzeptieren. Denjenigen, die sich an Mediziner wandten, werde in mehr als 50 Prozent der Fälle erklärt, dass alles „normal“ sei, wie eine Umfrage von Plan International ergeben habe, so die DGGG. An Schulen sollten Aufklärungskampagnen verankert werden, die zu Enttabuisierung beitragen und sachliche Informationen vermitteln. Zudem sollten Möglichkeiten aufgezeigt werden, mit den Schmerzen umzugehen, erklärten DGGG, AGEM und AGE.
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