Endoprothesen nach Maß: Schablonen aus dem 3-D-Drucker für genauere Passform13. Oktober 2017 Foto: © psdesign1/fotolia.com Jedes Jahr erhalten rund 370.000 Deutsche ein neues Knie- oder Hüftgelenk. Plastikschablonen aus dem 3D-Drucker helfen dabei, das Gelenk korrekt zu positionieren, was die Funktion und Passgenauigkeit der Endoprothese deutlich verbessert. Endoprothesen müssen an Körperaufbau und -funktion angepasst werden: Bei jeder Bewegung bleiben der Oberschenkelknochen und der Schienbeinkopf in Kontakt. Die Gelenkkapsel, Sehnen und Bänder stabilisieren das Kniegelenk. „Je genauer das Kunstgelenk an diese komplexe Anatomie angepasst ist, desto besser funktioniert das Zusammenspiel mit Knochen und Muskeln und desto länger hält das Implantat“, erklärt Prof. Alexander Beck, Kongresspräsident des DKOU 2017. Immer mehr Kliniken fertigen deswegen individuelle Schnittschablonen für ihre Patienten an, mit denen sie das Kunstgelenk genau positionieren können. Bisher mussten Chirurgen dafür in den Markraum des Oberschenkelknochens schneiden, um das Implantat anzupassen. Ein solcher Eingriff verlängert den Heilungsprozess zusätzlich. Für die Plastikschablonen erstellen Orthopäden und Unfallchirurgen mithilfe einer Computer- oder Magnetresonanztomographie eine dreidimensionale Abbildung des betroffenen Beins und berechnen Ausrichtung, Position und Größe des Kniegelenks. Anhand dieser Abbildung können Spezialisten im 3D-Drucker einen Schnittblock aus Kunststoff anfertigen. Dieser wird während der Operation auf die Gelenkoberfläche gesetzt und zeigt dem Operateur die Lage der anatomischen Strukturen an, die für die Positionierung des Implantats wichtig sind. Da die Schablone genau auf die Gelenkstruktur abgestimmt ist, müssen die Chirurgen weniger natürliches Gewebe wegschneiden als bei standardisierten Endoprothesen. Während des Eingriffs kann der Chirurg bei jedem Schritt die Position des Gelenks kontrollieren. Dank moderner Implantate können sich viele Patienten mit Verschleißerkrankungen der Gelenke wieder schmerzfrei bewegen und einen aktiven Lebensstil pflegen. Allerdings warnt Beck auch vor überzogenen Erwartungen. „Die Implantation eines Kunstgelenks führt nicht dazu, dass sich ein Siebzigjähriger wieder wie ein Zwanzigjähriger bewegt. Wir müssen die Patienten ehrlich darüber aufklären, was mit dem Gelenkersatz möglich ist. Das ist sehr viel, aber auch nicht alles.“ Neue Techniken in der Endoprothetik sind auch Thema auf dem DKOU, der vom 24. bis 27. Oktober 2017 in Berlin stattfindet.
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