Endoprothetik ambulant oder stationär? Europäischer Vergleich5. Dezember 2024 Foto: GrafKoks/stock.adobe.com Mit der Krankenhausreform sollen auch vermehrt Operationen im ambulanten Setting durchgeführt werden. Funktioniert das auch in der Endoprothetik? Welche Vor- und Weiterbehandlungskonzepte gibt es im europäischen Ausland? Diesen Fragen widmeten sich Experten im Vorfeld die AE-Kongresses auf einer Online-Presseveranstaltung. Mit Blick auf die Implantation von Endoprothese mit verkürzten stationären Aufenthalten oder ambulant betonte PD Dr. Stephan Kirschner: „Man braucht Konzepte wie es vor und nach dem Krankenhaus sein soll.“ Aber auch der Patient habe eine gewisse Eigenverantwortung: „Je besser die Vorbereitung, desto leichter die Mobilisation nach der Operation.“ Kirschner gab einen Überblick zu den Konzepten, die es rund um die ambulante Implantation von Endoprothesen braucht und welche in unseren Nachbarländern bereits implementiert sind. Dort würden etwa Prähabilitationskonzepte mit Anleitung der Patienten zu mehr körperlicher Aktivität, Ernährungsumstellung und Management bereits vorhandener Stoffwechselerkrankungen bereits „intensiv umgesetzt“. Auch in Deutschland gewinnt die Prähabilitation zunehmend an Bedeutung und auch das Patient-blood-management würde bereits umgesetzt. Kirschner zufolge sind auch Konzepte wie Enhanced Recovery und Fast-Track im stationären Sektor etabliert. Solche interdisziplinären Konzepte fokussieren sich auf die Bedürfnisse des Patienten und sollen diesem möglichst schnell Selbstständigkeit ermöglichen. Dazu tragen Regionalanästhesieverfahren mit kurzer Wirkzeit, eine rasche Mobilisierung des Patienten und stark verkürzte Nüchternzeiten bei. Damit Patienten schnell nach Hause entlassen werden können, müssten Pflege und Physiotherapie vor Ort geregelt sein – in Deutschland ist das laut Kirschner eher nicht der Fall: 92 Prozent der Patienten absolvieren hier eine ambulante oder stationäre Reha. Das sei auch die Erwartungshaltung der Patienten. Ganz anders sehe es beispielsweise in den Niederlanden aus, hier würden 80 Prozent der Patienten direkt nach Hause entlassen. Auch die stationäre Verweildauer unterscheidet sich deutliche, wie eine Studie zeigen konnte: Während die Patienten in den Niederlanden durchschnittlich 4,4 Tage im Krankenhaus bleiben, sind es in Deutschland 11,3 Tage. Allerdings müsse die Versorgung des Patienten im heimischen Umfeld auch organisiert werden, hier gibt es Beispiele aus den europäischen Nachbarländern. Wie Kirschner erläuterte, sind beispielsweise in Dänemark die Kommunen für die Pflege zuständig und müssten für ältere Personen einen Rehabilitationsverlauf zu Hause anbieten, etwa den Besuch von Ergo- beziehungsweise Physiotherapeuten über zehn bis zwölf Wochen. Finanziert werde das über Steuern – im Gegensatz zu Deutschland, wo die meist stationäre Rehabilitation über die Krankenversicherung finanziert wird. Als weiteres Beispiel nannte Kirschner die Niederlande, wo die postoperative Versorgung der Patienten zu Hause durch den Orthopäden im Krankenhaus veranlasst wird. Die Patienten gehen wenige Tage nach der Operation nach Hause und werden von einem ambulanten Physiotherapeuten betreut. Kirschner kritisierte, dass es in Deutschland dafür keinen einzelnen Ansprechpartner gebe und man sehr viel „herumtelefonieren“ müsse. „Ein Case-Manager wäre wünschenswert“, so sein Fazit. (ja)
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