Engpässe bei Verbrauchsmaterialien bedrohen Krebsdiagnostik – DGP fordert nationale Logistikinitiative23. Februar 2021 Prof. Dr. med. Gustavo Baretton. Foto: © Uniklinikum Dresden Eine Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) hat ergeben, dass aktuell 70 Prozenz der universitären Institute für Pathologie Lieferschwierigkeiten bei den täglichen Verbrauchsmaterialien zu beklagen haben (Rücklaufquote der Umfrage 50%). Das betrifft in kritischer Weise auch die für die prädiktive Krebsdiagnostik benötigten Materialien. Dazu zählen vor allem Pipetten- bzw. Filterspitzen verschiedener Hersteller und Reagenzien- bzw. Isolationskits, aber auch NGS-Panels für die molekulare Diagnostik sowie Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel.Weitere Engpässe betrafen laut der Umfrage Verbrauchsmaterial für Kapillarelektrophorese (Polymer, Puffer) sowie Reagiergefäße (sog. „Eppendorf“-Tubes) in verschiedenen Größen. Eine erste Umfrage im Dezember 2020 hatte bereits vergleichbare Ergebnisse gezeigt. Die DGP geht daher davon aus, dass sich die Engpässe inzwischen manifestiert haben und nicht kurzfristig behoben werden können. Die DGP fordert, dass die Versorgung von Krebspatienten angesichts der COVID19-Pandemie nicht vernachlässigt werden darf. Der andauernde Versorgungsengpass stellt einen ernstzunehmenden, ethischen Konflikt dar. Die flächendeckende SARS-CoV-2-Testung verbraucht Ressourcen zu Lasten der Krebsdiagnostik, da der erhöhte Bedarf an Verbrauchsmaterialien von der deutschland- aber auch weltweiten Produktion bisher nicht gedeckt wird.Ein weiterer Problemherd ist bereits in Sicht: Es steht zu befürchten, dass es bei der laufenden Impfkampagne zu Engpässen bei Trockeneis kommen wird. Viele Produkte der Krebsdiagnostik müssen ebenfalls auf Trockeneis geliefert werden.Der Vorsitzende der DGP, Prof. Gustavo Baretton (UK Dresden), ordnet die Umfrageergebnisse wie folgt ein: „Die Engpässe sind geeignet, die diagnostische Leistungserbringung zu verzögern und zu einer möglicherweise verspäteten Therapie zu führen. Dies könnte einen Verlust an Lebenszeit für Patientinnen und Patienten zur Folge haben. Die Bundesregierung sollte hier, ähnlich wie bei der nationalen Impfstrategie, rasch steuernd eingreifen, um Menschenleben zu retten. Wir halten daher eine nationale Logistikinitiative für erforderlich.“
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