Entbudgetierung und ein neues Vergütungsmodell für ambulante Operationen

Wie geht es weiter mit der urologischen Berufspolitik, nachdem BvDU-Präsidentin Catrin Steiniger (Bild) ihr Amt als Chefin der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg angetreten hat? Foto: BvDU

„Gerechte Honorierung“ steht im Zentrum der Berufspolitik des Berufsverbands der Deutschen Urologie (BvDU) in diesem Jahr. Dazu gehört nach Ansicht des Berufsverbandes auch ein neues Vergütungsmodell für die sektorenübergreifende Versorgung.

Dies geht aus den Antworten des BvDU-Vorstandes auf eine Anfrage von Kompakt Urologie nach der berufspolitischen Ausrichtung in der Folge von Catrin Steinigers Wahl zur Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) hervor. BvDU-Präsidentin Steiniger war am 25.11.2022 gewählt worden (wir berichteten); im Januar verkündete die Pressestelle, die Präsidentin wolle bei der Mitgliederversammlung im September ihr Amt zur Verfügung stellen. Generell solle nicht mehr eine Person allein den Berufsverband nach außen vertreten, sondern der Vorstand werde gemeinsam entscheiden und den Verband nach außen vertreten (wir berichteten); folglich beantwortete der Vorstand auch gemeinsam die Fragen unseres Dienstes.

Der Berufsverband betont darin, dass Steiniger als KVBB-Vorstandsvorsitzende die Interessen aller Ärztinnen und Ärzte, auch der Urologinnen und Urologen, vertrete. Ein besonderes Problem, das auch andere Fachärzteschaften betreffe, sei die Änderungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zum Jahreswechsel im Bereich des ambulanten Operierens. „Dies führt dazu, dass in der Realität nahezu sämtliche OP-Leistungen, die ambulant urologisch durchgeführt werden können, schlechter vergütet werden als zuvor“, klagt der Berufsverband gegenüber Kompakt Urologie. „Hier muss auch die KBV das Ziel haben, die Interessen zusammenzubringen, um die ambulante Versorgung aller gesetzlich Versicherten garantieren zu können.“

Vollständige Entbudgetierung urologischer Leistungen

Als zentrales Ziel seiner Gesundheitspolitik nennt der Berufsverband eine „gerechte Honorierung“ mit vollständiger Entbudgetierung urologischer Leistungen. Die Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) sei mehr als überfällig, daher verlangt der BvDU von Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach, seinen Worten „Ich werde die neue GOÄ vorurteilsfrei prüfen“ Taten folgen zu lassen. Weiterhin fordert der Verband, dass die Hygienekosten durch die Kostenträger übernommen und die Hygieneauflagen bundesweit harmonisiert werden. Grundsätzlich müsse die Ausübung des freien Berufes erhalten und gestärkt werden, „politische Einmischung“ soll beendet werden. Schließlich setzt sich der Berufsverband dafür ein, dass die Breite des Berufsfeldes der Urologie erhalten bleibt.

Die Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) trifft grundsätzlich auf Zustimmung seitens des Berufsverbands. Allerdings kritisieren die Urologen, dass die Vertreter der ärztlichen Selbstverwaltung bei der Besetzung der Kommission nicht berücksichtigt worden seien. Diese lediglich im Rahmen von Anhörungen hinzu zu ziehen, sei “in keiner Weise zielführend”.

Ambulantes „OP-Zentrum“ mit einheitlicher Vergütung

Eine sektorenübergreifende Versorgung könne nur gelingen, wenn Kliniken und ambulant tätige Urologinnen und Urologen in einer neu zu bildenden Einheit eines „OP-Zentrums“ mit einer leistungsbezogenen und kostendeckenden Vergütung dort tätig sind, ist der BvDU überzeugt. „Weder Kliniken noch ambulant tätige Ärztinnen und Ärzte können in einer solchen Einheit bevorteilt werden“, so der Vorstand wörtlich. Dafür sei ein neues Vergütungsmodell nötig, das leistungsbezogen eine kostendeckende Abrechnungsgrundlage bietet. „Die für ambulant durchgeführte Operationen nach EBM nicht kostendeckende Honorierung muss angepasst oder ersetzt werden“, so der BvDU gegenüber Kompakt Urologie.

(ms)

 

Lesen Sie die vollständigen Antworten des BvDU auf unsere Anfrage auf S. 17 der Ausgabe 1/2023 von Kompakt Urologie.