Entlassung direkt von der Intensivstation nach Hause

Intensivstation
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Patienten, die auf eine Intensivstation aufgenommen werden, haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Grunderkrankungen verschiedene Anforderungen. Auch der Entlassungszeitpunkt und die Entscheidung über eine weitere stationäre Betreuung muss von Fall zu Fall getroffen werden. Bei ausgewählten Patienten ist eine direkte Entlassung aus der Intensivstation nach Hause möglich, ohne dass im Anschluss eine erhöhte Sterblichkeit oder eine erhöhte Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung die Folge ist, fand nun ein Autorenteam um Prof. Henry Stelfox heraus.

Für ihre retrospektive populationsbasierte Kohortenstudie werteten die Autoren die Daten von 6732 Patienten im Durchschnittsalter von 56 Jahren aus, die vom 1. Januar 2014 bis zum 1. Januar 2016 in neun Krankenhäusern auf die Intensivstation eingeliefert worden waren. Davon wurden 922 Patienten direkt von der Intensivstation nach Hause entlassen. Das Durchschnittsalter dieser Patienten betrug 47 Jahre, wohingegen Patienten, die über eine Krankenhausstation entlassen wurden im Schnitt 10 Jahre älter waren. Bei den direkt nach Hause entlassenen Patienten war die Diagnose einer Überdosis, Substanzentzug, Anfälle oder metabolisches Koma häufiger die Ursache einer Einlieferung verglichen mit Patienten, die vor der Entlassung noch in einer Krankenstation weiter betreut wurden (32 % vs. 10 %; P<0,001). Außerdem wiesen die direkt nach Hause entlassenen Patienten einen geringeren Schweregrad ihrer Erkrankung auf (mittlerer APACHE-II-Score 15 vs. 18; p<0,001) und benötigten weniger als 48 Stunden invasive mechanische Beatmung (42 % vs. 34 %; p<0,001).

Aufgrund fehlender Patientenmerkmale von 105 Patienten (1,6 %) wurde der Propensity Score für 899 Patienten (97 %) mit direkter Entlassung sowie für 5728 Patienten (99 %), die über die Krankenstation nach Hause entlassen wurden, berechnet. Von den 899 Patienten, die mit vollständigen Daten direkt nach Hause entlassen wurden, konnten 83 nicht innerhalb der angegebenen Caliper-Weite (0,2) abgeglichen werden. Die restlichen 816 (91 %) wurden mit den über die Krankenstation nach Hause entlassenen Patienten verglichen, was zu einer gematchten Kohorte von 1632 Patienten führte.

In der Propensity-Score-Matched-Kohorte (n=1632) verbrachten Patienten, die direkt nach Hause entlassen wurden, eine ähnliche Dauer auf der Intensivstation (median 3,1 Tage vs. 3,0 Tage; p=0,42), hatten jedoch einen signifikant kürzeren Krankenhausaufenthalt (median 3,3 Tage vs. 9,2 Tage; p<0,001) im Vergleich zu Patienten, die über die Krankenstation nach Hause entlassen wurden.

Hinsichtlich einer erneuten Krankenhaus- oder Notfallaufnahme innerhalb der ersten 30 Tage nach Entlassung gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Patientengruppen (Krankenhausaufnahme: 10 % vs. 11 %; Hazard Ratio [HR] 0,88; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,64–1,20; Notfallaufnahme: 25 % vs. 26 %; HR 0,94; 95 %-KI 0,81–1,09).

In beiden Gruppen starben 4 % innerhalb eines Jahres nach der Entlassung aus dem Krankenhaus (HR 0,90; 95 %-KI 0,60–1,35).

Fazit
Bei bestimmten Patientengruppen ist eine Entlassung direkt von der Intensivstation nach Hause möglich.

Autoren: Stelfox HT et al.
Korrespondenz: [email protected]
Studie: Assessment of the Safety of Discharging Select Patients Directly Home From the Intensive Care Unit: A Multicenter Population-Based Cohort Study
Quelle: JAMA Intern Med 2018;178(10):1390–1399.
Web: dx.doi.org/10.1001/jamainternmed.2018.3675